Patientenhandbuch
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Edition 2009
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M
Von Brian G.M. Durie, M.D.
INHALTSVERZEICHNIS
EINFÜHRUNG
4
WAS IST DAS MULTIPLE MYELOM?
5
GRUNDLEGENDES ÜBER DAS MULTIPLE MYELOM
7
WARUM DAS MYELOM BEHANDELT WERDEN MUSS
8
WODURCH WERDEN BEIM MYELOM
MEDIZINISCHE PROBLEME VERURSACHT
9
VERSCHIEDENE MYELOM-SUBTYPEN
11
STADIENEINTEILUNG DES MYELOMS
12
DIAGNOSESTELLUNG
15
BEHANDLUNG DES MULTIPLEN MYELOMS
17
INITIALE ODER ,,ERSTLINIEN" THERAPIE
18
SUPPORTIVE (UNTERSTÜTZENDE) THERAPIE
21
WENN DIE ERSTLINIENTHERAPIE
NICHT FUNKTIONIERT...
23
FRAGEN, DIE SIE IHREM ARZT STELLEN SOLLTEN
23
FACHAUSDRÜCKE UND DEFINITIONEN
26
EINFÜHRUNG
Das multiple Myelom ist eine Krebserkrankung des Knochenmarks. Trotz gelegentli-
cher Berichte in den Medien, ist diese Erkrankung in der Öf entlichkeit nur wenig bekannt.
Diese Informationsbroschüre sol grundlegende Kenntnisse über die Erkrankung vermit-
teln und zeigen, wie Patienten lernen können, mit dieser Diagnose zu leben.
Die International Myeloma Foundation (IMF) hat sich zum Ziel gesetzt, Patienten
und ihren Familien Information und Unterstützung zukommen zu lassen. Mit dieser
Broschüre werden Kenntnisse über das Myelom zumindest insoweit vermittelt, als dass
Patienten bei ärztlichen Behandlungsvorschlägen informiert mitdiskutieren können. Dieses
Handbuch versteht sich jedoch nur als Zusatzinformation zu dem, was dem Patienten von
ärztlicher Seite empfohlen wird. Auch für Familie, Freunde und andere Helfer werden die
folgenden Informationen nützlich sein.
Obwohl es derzeit keine Heilung im engeren Sinn für das multiple Myelom gibt,
ist es dennoch eine gut behandelbare Erkrankung. Viele Patienten können nach der
Diagnosestel ung jahre-, manche sogar jahrzehntelang ein normales Leben führen. Durch
neue Forschungserkenntnisse verbessern sich die Aussichten für die Patienten kontinui-
erlich. Mehr von der Erkrankung zu verstehen und zu wissen, was dagegen getan werden
kann, nimmt Angst und macht es leichter, mit dieser zu leben.
Das multiple Myelom ist eine sehr individuell verlaufende Erkrankung. Es schreitet
mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten voran und führt zu unterschiedlichen Problemen
bei verschiedenen Patienten. Während der Arzt jede einzelne Situation genau evaluiert und
die beste Vorgehensweise empfiehlt, spielt der Patient insofern eine zentrale Rol e, als dass
er diese individuel en Therapieentscheidungen mitträgt. Es ist wichtig, dass Patienten und
ihre Familien gut informiert sind, Fragen stel en und, dass sie auch an alternative Strategien
oder Optionen denken.
4
WAS IST DAS MULTIPLE MYELOM?
Der Name ,,MYELOM" leitet sich zum einen von ,,Myelo" ab, ein Begriff der die
blutbildenden Zellen im Knochenmark bezeichnet, ,,oma" bedeutet nichts anderes als
Tumor. Bei den Tumorzel en handelt es sich um bösartige Plasmazel en. Plasmazel en sind
eine Untergruppe der weißen Blutzel en, die Antikörper (Immunglobuline) produzieren.
Eine bösartige Plasmazel e wird auch Myelomzel e genannt. Das Myelom wird als ,,Multiple"
bezeichnet, da die Tumore oft an verschiedenen Stel en des Skelettsystems entstehen. Bei
Vorliegen einer einzigen Läsion spricht man von einem solitären Plasmozytom.
Das Myelom befällt Knochenareale mit aktivem Knochenmark. Dies sind beim
Erwachsenen primär die Wirbelsäule, Schädel, Beckenskelett, Rippen und auch Schulter-
und Hüftbereich. Kaum betrof en sind Hände, Füße, Unterarme oder Unterschenkel, da
sich dort weniger Hohlraum für das Mark zwischen dem kompakten Knochen befindet.
Dies ist deshalb günstig, weil die Extremitäten somit oft von einer Funktionseinschränkung
verschont bleiben.
Das Myelom kann auch in einer Frühform, noch bevor man von Krebs sprechen
kann, entdeckt werden (Tabelle 1). In einigen Fäl en vermehren sich die Myelomzel en
im Knochenmark nur sehr langsam. Das früheste Stadium einer Plasmazel erkrankung
ist die sogenannte MGUS oder monoklonale Gammopathie unbestimmter Signifikanz.
Dies ist noch keine Krebserkrankung, sondern eine mögliche Myelomvorstufe. Bei der
MGUS findet sich eine Infiltration des Knochenmarks mit weniger als 10% Plasmazel en.
Ein Risiko für die Weiterentwicklung in ein Myelom besteht, ist aber sehr niedrig und
beträgt etwa 1% pro Jahr. Selbst bei einer höheren Knochenmarksinfiltration von 10-30%
kann die Wachstumsrate der Myelomzel en sehr niedrig sein, wobei man dann von einem
indolenten/"smoldering" oder asymptomatischen Myelom spricht. In al diesen Fäl en
treten Veränderungen nur sehr langsam auf, eine Behandlung ist oft über Jahre nicht not-
wendig. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, eine MGUS bzw. ein indolentes Myelom
von einem aktiven oder symptomatischen Myelom zu unterscheiden, da nur letzteres
behandlungsbedürftig ist.
5
TABELLE 1: DEFINITION MYELOM UND VERWANDTE GAMMOPATHIEN
STANDARDNAME
NEUER
DEFINITION
NAMENSVORSCHLAG
MGUS
MGUS
· Monoklonales Protein
(Monoklonale
(keine Änderung
vorhanden
Gammopathie von
vorgeschlagen)
· Keine anderen Myelom-
unbestimmter Signifikanz)
Symptome
SMOLDERING oder
ASYMPTOMATISCHES
Wie MGUS ohne Symptome
INDOLENTES MYELOM MYELOM
oder Organschädigung, aber
höhere M-Komponente und/
oder höherer Plasmazel anteil
im Kochenmark *
MYELOM
SYMPTOMATISCHES
· Monoklonales Protein
MYELOM
vorhanden und
· ein oder mehrere ,,CRAB"
Faktoren als Zeichen einer
Organdysfunktion*
*Als ,,CRAB" klassifizierte Organdysfunktionen
C (calcium) Kalziumerhöhung (> 10mg/L)
R (renal) Renale Dysfunktion (Kreatinin > 2mg/dL)
A (anemia) Anämie (Hämoglobin < 10g/dL)
B (bone) Knochenerkrankung (lytische Läsionen oder Osteoporose)
ZUMINDEST EIN Faktor erforderlich für die
Diagnose SYMPTOMATISCHES MYELOM
6
GRUNDLEGENDES ÜBER
DAS MULTIPLE MYELOM
Es gibt einige auslösende Faktoren, die für die Entstehung des multiplen Myeloms
in Frage kommen, genauere Umstände sind jedoch nicht gesichert. Als Risikofaktoren
für das Myelom und verwandte Erkrankungen gelten die Exposition gegenüber toxischen
Chemikalien (z.B. Chemikalien, die in der Landwirtschaft verwendet werden, Agent
Orange das im Vietnamkrieg eingesetzt wurde sowie einer Reihe von petrochemischen
Substanzen), weiters Strahlenbelastung (inklusive jener durch Atomstrahlen). Auch
einige Viren könnten an der Myelomentstehung beteiligt sein, wie etwa das Humane
Immundefizienz Virus (HIV), Hepatitis Viren, Herpes Virus 8 (HHV-8) und andere. In
der überwiegenden Mehrzahl der Fäl e lässt sich keine familiäre Häufung beim Myelom
feststel en; in einigen wenigen Familien scheint es al erdings eine familiäre Prädisposition
zu geben.
Das Myelom ist eine Erkrankung des höheren Erwachsenenalters. Das durchschnit-
tliche Alter beim Auftreten eines Myeloms liegt zwischen 60 und 65 Jahren. Nur 5-10% der
Patienten sind unter 40 Jahre alt. Die Erkrankung tritt häufiger bei Männern auf als bei
Frauen, und eine Häufung wird auch bei bestimmten ethnischen Gruppen festgestel t, wie
z.B. Afro-Amerikanern.
Schätzungsweise wird im Jahr 2007 etwa 19 000 neue Myelom-Fälle in den USA
geben. Die Inzidenz vari ert von 0.51:100.000 Personen pro Jahr bei Asiaten bis zu
1012:100.000 Personen pro Jahr bei Afro-Amerikanern. Es werden zu jedem Zeitpunkt
mehr als 50.000 Myelompatienten in den USA behandelt.
7
WARUM DAS MYELOM
BEHANDELT WERDEN MUSS
Vor allem wenn es unbehandelt bleibt, kann das Myelom zu Knochenschädigung,
erhöhten Blutkalziumspiegeln, Blutbildveränderungen speziell Anämie
Infektionsneigung und Nierenschädigung führen. Da häufig Wirbelkörper betrof en
sind und das von Myelomzel en produzierte Protein Nervenschädigung verursachen kann,
sind Wirbelsäulen- und Nervenkomplikationen häufig und bedürfen einer raschen med-
izinischen Versorgung.
In der Therapie des Myeloms müssen medizinische Notfäl e wie z.B. Knochenfrakturen,
schwere Infektionen, Nierenversagen oder Nervenkompression, die einer sofortiger
Behandlung bedürfen, von dem gesamtheitlichen Therapiekonzept zur Kontrol ierung
der Erkrankung unterschieden werden. Die Versorgung medizinischer Notfäl e kann nicht
aufgeschoben werden. Zur weiteren Therapieplanung wäre es al erdings empfehlenswert,
frühzeitig einen Spezialisten mit Erfahrung auf dem Gebiet der Myelombehandlung auf-
zusuchen. Auch bei Notfäl en bestehen manchmal verschiedene Behandlungsoptionen
wie z.B. operative Versorgung versus Bestrahlung frakturgefährdeter Osteolysen. Für
jeden einzelnen Patienten sol te jedenfal s eine möglichst große Vielfalt an zukünftigen
Behandlungsoptionen bestehen bleiben.
Sind diese Notfallsituationen einmal unter Kontrolle gebracht, kann der
Gesamtbehandlungsplan im Detail besprochen werden. Zumeist ist genug Zeit, um
eine Zweitmeinung zur Behandlung einzuholen oder einen Experten auf diesem Gebiet
aufzusuchen. Auch fal s ein Behandlungsplan bereits steht, ist es sinnvol und wichtig,
al e Bedenken, Fragen und Zweifel frühzeitig auszuräumen. Ein Therapieplan, der
zwischen Arzt und Patient vereinbart wurde, ist von unschätzbarer Wichtigkeit für den
Behandlungserfolg.
8
WODURCH WERDEN BEIM MYELOM
MEDIZINISCHE PROBLEME VERURSACHT
Normale Plasmazel en produzieren Immunoglobuline, speziel e Proteine, die auch
Antikörper genannt werden. Myelomzel en tragen nicht zur Produktion funktionsfähiger
Antikörper bei, sondern produzieren ein klonales Protein oder Immunoglobulin, das
"monoklonales Protein" genannt wird. Die medizinischen Probleme beim Myelom sind
im Wesentlichen auf die krankhafte Ansammlung von Myelomzellen zurückzufüh-
ren (siehe Tabel e 2). Im Gegensatz zu anderen Krebserkrankungen können vielfältigste
Komplikationen auftreten, da Myelomzel en nicht nur zu Tumoren führen, sondern auch
Proteine und andere Substanzen in das umgebende Knochenmark oder direkt in die
Blutbahn abgeben.
Auswirkungen auf die unmittelbare Umgebung im Knochenmark. Zu den
Auswirkungen im Knochenmark zählen die Verdrängung des normalen blutbildenden
Marks und die Schädigung des umgebenden Knochens. Hieraus resultieren viele typische
Komplikationen des Myeloms wie Anämie, Infektionsneigung, Knochenschmerz, patholo-
gische Frakturen und erhöhter Blutkalziumspiegel.
Auswirkungen außerhalb des Knochenmarks. Die Auswirkungen außerhalb des
Knochenmarks sind vor al em auf das von den Myelomzel en produzierte monoklo-
nale Protein zurückzuführen. Mit zunehmender Akkumulation der Myelomzel en im
Knochenmark wird vermehrt monoklonales Immunglobulin in den Blutstrom abgegeben.
Dieses spezifische Immunglobulin oder monoklonale Protein kann zu Gewebeschäden an
verschiedenen Stel en des Körpers führen; Nierenschädigung etwa ist nicht ungewöhn-
lich. Außerdem kann das Protein mit Gerinnungsfaktoren in Interaktion treten oder den
Blutstrom beeinträchtigen und so weitere Organ- und Gewebeschäden verursachen.
Die Behandlung des Myeloms verhindert das Tumorzel wachstum und wirkt dem schädi-
genden Einfluss des monoklonalen Proteins und anderer Substanzen entgegen.
9
TABELLE 2: AUSWIRKUNGEN DES MULTIPLEN MYELOMS
Auswirkungen einer
Ursache
Auswirkungen auf
Vermehrung von Myelom-
den Patienten
zellen im Knochenmark
Anämie
Verminderung der Anzahl und
Müdigkeit,
Aktivität der Zel en der normalen Abgeschlagenheit
Blutbildung
Hoher Eiweißspiegel
Das abnormale monoklonale
Verlangsamte
im Blut und/oder im Harn
Protein wird von den
Blutzirkulation,
Myelomzel en produziert und
Nierenschäden
wird von ihnen ins Blut
möglich
abgegeben. Von dort kann es
in den Urin gelangen
(Bence Jones Protein)
Knochenschäden
Die Myelomzel en aktivieren
· Knochenschmerzen
· Ausdünnung (Osteoporose)
Osteoklasten, welche den
· Knochenschwel ung
· Schwerer beschädigte
Knochen zerstören. Zusätzlich
· Knochenbruch
Knochenareale führen zu
hemmen sie Osteoblasten, welche
oder Einbruch eines
lytischen Läsionen (Löchern), normalerweise den geschädigten
Knochens
Knochenbrüchen oder
Knochen reparieren.
Wirbelkörpereinbrüchen
Hoher Kalziumspiegel
Freisetzung von Kalzium aus den
· Verwirrtheit
geschädigten Knochen ins Blut
· Austrocknung
· Verstopfung
· Müdigkeit
· Abgeschlagenheit
Verminderte
Die Myelomzel en blockieren
· Anfäl igkeit
Immunabwehr
die Produktion von normalen
gegenüber
gegen Infektionen
Antikörpern gegen Infektionen
Infektionen
· Verzögerte
Erholung von
Infektionen
10
VERSCHIEDENE
MYELOM-SUBTYPEN
Es gibt verschiedene Myelom-Subtypen. Eine Unterscheidung basiert auf dem Typ des
Immunglobulins (Proteins), das von den Myelomzel en produziert wird. Normalerweise
haben die verschiedenen Immunglobulin-Subtypen unterschiedliche Aufgaben im Körper.
Jedes Immunglobulin ist aus zwei schweren und zwei leichten Ketten zusammengesetzt
(siehe Abbildung 1). Es werden 5 verschiedene Typen von schweren Ketten unterschie-
den: G, A, D, E und M. Leichtketten kommen in 2 verschiedenen Formen vor: Kappa ()
und Lambda (). Für die ,,Typisierung" des Myeloms (mittels eines Immunfixations-Tests)
ist sowohl die Art der Schwerketten, als auch die der Leichtketten entscheidend. In der
Mehrzahl der Myelomfäl e (65%) findet sich ein IgG (Immunglobulin G) Typ mit entweder
Kappa oder Lambda Leichtketten. Am nächsthäufigsten ist der IgA (Immunglobulin A)Typ,
ebenfal s entweder mit Kappa oder Lambda Leichtketten (siehe Tabel e 3). IgM, IgD und IgE
Myelome sind eher selten.
Etwa 30% der Patienten
ABBILDUNG 1. STRUKTUR DER IMMUNGLOBULIN
sezernieren leichte Ketten
Leichtkette
(z.B. kappa Leichtketten)
Schwerkette
in den Urin und gleichze-
itig leichte und schwere
Ketten (z.B. IgG kappa)
ins Blut. Etwa 10% der
Myelompatienten produzieren nur Leichtketten, jedoch keine schweren Ketten. In diesem
Fal spricht man vom Leichtketten- oder Bence Jones-Myelom. In sehr seltenen Fäl en (1-2%
der Patienten) wird von den Myelomzel en entweder sehr wenig oder gar kein monoklo-
nales Protein produziert (weder Schwer- noch Leichtketten). Hier spricht man vom asekre-
torischen Myelom. Al erdings können sogar bei den meisten dieser Patienten mit einem
unlängst entwickelten Test, genannt Freelite® Test (,,Serum Free Light Chain Assay"),
kleinste Mengen von Leichtketten im Blut nachgewiesen werden.
11
TABELLE 3: MYELOMS-SUBT YPEN
SCHWERE KETTE*
LEICHTE KETTE**
MYELOMS-SUBTYP
IgG:
Kappa (, K) oder
IgG oder IgG, Immunglobulin G
(Immunglobulin G)
Lambda (, L)
mit Kappa oder Lambda Leichtketten
IgA:
Kappa (, K) oder
IgA oder IgA, Immunglobulin A
(Immunglobulin A)
Lambda (, L)
mit Kappa oder Lambda Leichtketten
* Seltener IgD, IgE und IgM ** Es gibt nur 2 Typen von Leichtketten
Je nach Immunglobulin-Subtyp kann sich die Erkrankung unterschiedlich verhalten. Das
Myelom vom Typ IgG ist mehr mit den ,,klassischen" Erscheinungen des Myeloms asso-
zi ert. IgA Typ Myelome sind gelegentlich durch Tumore außerhalb des Knochenmarks
charakterisiert. Der IgD Typ kann mit Plasmazel -Leukämie einhergehen und verursa-
cht häufig eine Nierenschädigung. Bei den Leichtketten- oder Bence Jones-Myelomen
ist jedoch die Gefahr der Nierenschädigung am größten, da die Leichtketten über die
Nieren ausgeschieden werden. Weiter kann es zur Ablagerung von Leichtketten in
den Nieren, im Nervengewebe oder anderen Organen kommen. Abhängig von den
Charakteristika der Leichtkettenablagerung, spricht man von entweder von Amyloid- oder
Leichtkettenerkrankung.
STADIENEINTEILUNG DES MYELOMS
Bei Diagnosestel ung unterscheidet sich die Anzahl der Myelomzel en im Körper von Patient
zu Patient. Je nach Anzahl der Myelomzel en unterscheidet man verschiedene Stadien der
Erkrankung. Die früher gebräuchlichste Stadieneinteilung ist in Tabel e 4 dargestel t. Es
besteht eine Korrelation zwischen der Anzahl der Myelomzel en und den Folgeschäden wie
Knochenzerstörung und Blutarmut. Es ist günstig, die Behandlung bei Auftreten der ersten
Symptome zu beginnen, um das weitere Fortschreiten der Erkrankung und das Auftreten
von Komplikationen zu verhindern. Eine neue Stadieneinteilung, die in Zusammenarbeit
von 20 Forschungsinstitutionen weltweit entwickelt wurde, ist in Tabel e 5 dargestel t.
12
TABELLE 4: STADIENEINTEILUNG NACH DURIE/SALMON
STADIUM
KRITERIEN
MYELOMZELLMASSE
(Myelomzellen/m2)
STADIUM I
Jedes der folgenden Kriterien
600 Milliarden
Niedrige Zellmasse · Hämoglobin > 10g/dL
· Serumkalziumspiegel normal oder <10,5
mg/dL
· Normale Knochenstruktur (Stufe 0)
oder solitärer ossärer Plasmozytomherd
· Niedriger M-Gradient, IgG < 5g/dL;
IgA <3 g/dL
· Leichtketten-Ausscheidung im Urin < 4
g/24 h
STADIUM II
Weder Kriterien für Stadium I noch für
600 to 1,200 Milliarden*
Mittlere Zellmasse
Stadium III
STADIUM III
Eines oder mehrere der folgenden Kriterien
>1,200 Milliarden
Hohe Zellmasse
· Hämoglobin <8,5 g/dL
· Serumkalziumwert > 12 mg/dL
· Fortgeschrittene lytische
Knochenläsionen (Stufe 3)
· Hoher M-Gradient, IgG > 7 g/dL, IgA
Wert > 5 g/dL
· Bence Jones Eiweiß > 12g/24 Std.
UNTER-
A: Relativ normale Nierenfunktion
GRUPPIERUNG
(Serumkreatininwert <2 mg/dL)
(A oder B)
B: Abnormale Nierenfunktion
(Serumkreatininwert > 2mg/dL)
Beispiele: Stadium IA (niedrige Zellmasse
mit normaler Nierenfunktion); Stadium
IIIB (hohe Zellmasse mit abnormer
Nierenfunktion)
13
TABELLE 5: NEUES INTERNATIONALES STAGING SYSTEM (ISS)
für das Multiples Myelom
STADIUM
KRITERIEN
Stadium 1
2M < 3.5
ALB 3.5
Stadium 2
2M < 3.5 und ALB < 3.5
oder
2M 3.5 5.5
Stadium 3
2M > 5.5
2M = Serum 2 Mikroglobulin in mg/L ALB = Serum-Albumin in g/dL
Es stehen mehrere Tests zur Verfügung, um festzustel en, wie aggressiv sich das Myelom
bei einem bestimmten Patienten verhält. Hierbei geht es um die Erfassung sogenannter
,,prognostischer" Faktoren (aus dem Griechischen mit der Bedeutung ,,Vorauswissen"). Bei
Vorhandensein ungünstiger prognostischer Faktoren liegt eine aggressivere Erkrankung mit
weniger Aussicht auf ein längerfristiges Ansprechen auf Therapie vor (Tabel e 6).
TABELLE 6: PROGNOSTISCHE FAKTOREN
TEST
BEWERTUNG
Serum Beta2-mikroglobulin (S2M)
Hohe Spiegel sprechen für ein weiter
fortgeschrittenes Stadium.
Serum-Albumin (S Alb.)
Niedrige Spiegel sprechen für ein weiter
fortgeschrittenes Stadium.
C-reaktives Protein (CRP)
Bei aktiverer Erkrankung ist der Spiegel erhöht.
Serum Lactat Dehydrogenase (LDH)
Bei aktiverer Erkrankung ist der Spiegel erhöht.
Abnorme Chromosomen in der
Beispiel: Verlust von Chromosom 13 (13q-) ist
zytogenetischen oder FISH
mit einer kürzeren Remissionsdauer assozi ert.
(Fluoreszenz in-situ Hybridisierung)
Untersuchung des Knochenmarks
14
DIAGNOSESTELLUNG
In Tabel e 7 werden die Tests zusammengefasst, die zum Zeitpunkt der Diagnose durchge-
führt werden müssen (Basisdiagnostik).
TABELLE 7: BASISDIAGNOSTIK
UNTERSUCHUNG
ZWECK
Knochenmarkbiopsie
Dies ist die entscheidende Untersuchung, um den Prozentsatz der
Myelomzel en im Knochenmark festzustel en. Im Stadium I der
Erkrankung oder beim solitären Plasmozytom wird eine direkte
Biopsie des Tumors durchgeführt.
Um die Prognose festzustel en,
Chromosomenanalysen (zytogenetische Testung) können gute oder
werden speziel e Untersuchun gen
schlechte Chromosomen-veränderungen zu Tage bringen. Es wird
durchgeführt (z.B. Chromosome
eine direkte Chromosomenanalyse und/oder FISH-Analyse
nuntersuchung, Immuntypisierung, verwendet
Amyloidfärbung)
Blutuntersuchungen
· Um das Vorliegen und den Schweregrad einer Anämie
· Blutbild (BB)
festzustel en
· Um eine niedrige Anzahl an weißen Blutkörperchen festzustel en
· Um eine niedrige Anzahl an Blutplättchen festzustel en
· Laborchemische Untersuchungen Es ist insbesondere wichtig, die Nierenfunktion (Kreatinin und
BUN), den Calciumspiegel und die LDH zu beurteilen.
· Speziel e Proteinuntersuchungen
Diese zeigen das Vorliegen eines monoklonalen Myelomeiweißes
(Protein).
Elektrophorese
· Es werden die Menge an abnormalem Myelomprotein und
an normalem Albumin gemessen
Immunfixation
· Zeigt den Typ des Myelomproteins, also schwere Ketten
(G, A, D oder E) sowie Leichtketten (Kappa, Lambda)
Leichtkettenmessung
· Kann verwendet werden, um die Menge an freien Kappa- oder
(FREELITETM Test)
Lambda-Leichtketten festzustel en, auch wenn in der Serum-
und UrinElektropherese keine Abnormalität festgestel t wurde.
15
TABELLE 7: BASISDIAGNOSTIK FORTS.
UNTERSUCHUNG
ZWECK
Urin-Analyse
Zeigt das Vorliegen, die Menge und den Typ von abnormalem
Speziel e Proteinuntersuchungen Myelomprotein im Urin
wie im Blut (siehe oben):
· Urinprotein-Elektrophorese
· Immunfixation
Knochenuntersuchung
Um das Vorliegen, den Schweregrad und die Lokalisation von
Arealen mit Knochenschädigung zu beurteilen
Röntgenuntersuchungen
Röntgenuntersuchungen sind noch immer der ,,Goldstandard", um nach
einem myelominduzierten Knochenschaden zu suchen. Benötigt werden
eine Reihe von Röntgen-untersuchungen, um das gesamte Skelettsystem
des Patienten auf einen Verlust oder eine Ausdünnung des Knochens
(Osteoporose oder Osteopenie) durch das Myelom, auf lytische Läsionen
und/oder Knochenbrüche oder Knocheneinbrüche zu überprüfen.
MRT
Wird zur detail ierten Messung einzelner Regionen, wie z.B. der
Wirbelsäule und/oder des Gehirns verwendet, wenn normale
Röntgenuntersuchungen unauf äl ig sind. Kann das Vorliegen und die
Verteilung von Erkrankungsarealen im Knochenmark zeigen, wenn nor
male Röntgenuntersuchungen keine Knochenschädigung zeigen.
Kann auch Erkrankungsareale außerhalb des Knochens, die auf Nerven
und/oder das Rückenmark drücken, zeigen.
CT
Wird verwendet, wenn normale Röntgenuntersuchungen negativ sind
und/oder wenn detail ierte Untersuchungen speziel er Regionen notwen
dig sind.
Ist insbesondere hilfreich bei der detail ierten Beurteilung kleiner geschä
digter Knochenareale oder einer Nervenschädigung.
Nuklearmedizinische
Knochenszintigraphien sind bei anderen Krebserkrankungen hilfreich,
Methoden
nicht jedoch beim multiplen Myelom und sollten hierbei nicht verwen-
det werden.
PET-Scan
Ein hochempfindlicher Ganzkörper-Scan. Man vermutet, dass diese
Untersuchung zur Verlaufsbeobachtung der Erkrankung, insbesondere
beim nicht-sekretorischen Myelom, nützlich sein kann.
Knochendichtemessung
Nützlich, um den Schweregrad eines dif usen Knochenverlustes beim
Myelom zu zeigen und Verbesserungen unter Bisphosphonat-Therapie zu
untersuchen
16
BEHANDLUNG DES
MULTIPLEN MYELOMS
Sich für eine Therapie zu entschließen, ist am Anfang die wichtigste Entscheidung.
Wie bereits hervorgehoben, sind für diese Entscheidung die Untersuchungen zum
Diagnosezeitpunkt, die Stadieneinteilung und die prognostische Klassifikation essentiel .
Eine Therapie wird für eine aktive oder symptomatische Erkrankung empfohlen. Die Eile,
mit der die Therapie begonnen werden muss, hängt von den genauen und individuel en
Problemen des einzelnen Patienten ab.
TABELLE 8: ZIELE DER MYELOMBEHANDLUNG
ART DER
ZIEL
BEISPIELE
ZEIT UM ZU
BEHANDLUNG
ENTSCHEIDEN
Stabilisierung
Lebensbedrohlichen
· Plasmapherese, um das Blut zu
Stunden
chemischen
verdünnen und einen Schlaganfal zu
bis Tage
Stoffwechselveränder-
verhindern
ungen des Körpers und · Hämodialyse, wenn die Nierenfunktion
Immunsystems entge-
geschädigt ist
gen zu wirken
· Medikamente, um eine Hyperkalzämie
zu reduzieren (dazu kann eine
Chemotherapie gehören)
Pal iation
Beschwerden lindern
· Bestrahlung, um die Knochenzerstörung Tage bis
und körperliche
aufzuhalten
Monate
Funktionen des
· Erythropoetin, um eine Blutarmut zu
Patienten bessern
verbessern
· Orthopädische Chirurgie, um Knochen
zu reparieren oder zu stärken
Remissions-
Symptome vermindern · Chemotherapie, um bösartige Zel en im Wochen
induktion
oder die Erkrankung
gesamten Körper zu zerstören
bis
verlangsamen bzw.
· Strahlentherapie, um bösartige Zel en an Monate
aufhalten
einer bestimmten Stel e zu zerstören
Kurative
Permanente
· Knochenmarktrans-plantation, um eine
Wochen
Therapie
Remission*
Hochdosis-chemotherapie verabreichen
bis
zu können
Monate
* Obwohl das Erreichen einer permanenten Remission bis dato nicht in wissenschaftlich
bestätigter Form gelang, bleibt es das Ziel vieler experimenteller Behandlungen.
17
INITIALE ODER
,,ERSTLINIEN" THERAPIE
Es ist wichtig für den Patienten, genügend Zeit zu haben, um die Therapieoptionen mit
seinem Hämatologen oder Hämato-Onkologen zu besprechen. Zusätzlich zu den
Ergebnissen der Basisuntersuchungen sol te man Folgendes berücksichtigen:
· Wieviel Einfluss hat die Erkrankung auf das alltägliche Leben?
· Wird der Patient in der Lage sein zu arbeiten? Wurden Vorkehrungen getroffen,
damit eine Abwesenheit von der Arbeit während der Therapie möglich ist?
· Wie alt ist der Patient? Gibt es andere medizinische Probleme?
· Wird der Patient die Chemotherapie tolerieren?
· Ist die Hochdosischemotherapie mit Stammzelltransplantation eine Möglichkeit?
· Wie gut und wie schnell die Erkrankung auf eine Therapie anspricht, ist von
Patient zu Patient unterschiedlich.
· Es müssen nicht alle Therapieentscheidungen am ,,Tag1" getroffen werden.
· Es ist normalerweise das Beste, sich die Tür für eine Stammzelltransplantation
offen zu lassen, wenn man der Meinung ist, diese könnte in Zukunft eine
Option sein.
· Es gibt klinische Studien zur Erstlinientherapie. Man sollte sich allerdings wirklich
wohl bei dem Gedanken fühlen, dass man per Zufall der einen oder anderen
Behandlung zugeteilt wird. Nach Einschluß in eine Studie kann es außerdem sein,
dass man auf bestimmte zukünftige Behandlungen festgelegt ist. Man sollte sich
deshalb im Klaren darüber sein, worin der Zweck des Studienprotokolls liegt.
· Wenn eine Therapie nicht funktioniert, heißt es nicht, dass nicht eine andere
Therapie extrem gut funktionieren und zu einer exzellenten Remission
führen kann.
18
TABELLE 9A: MÖGLICHKEITEN EINER ERSTLINIENTHERAPIE
(Patient geeignet für Transplantation)
ERSTLINIEN-
VORTEILE
NACHTEILE
THERAPIE
VAD
· Führt zu einer Remission bei 70% · Ein zentralvenöser Katheter zur
(Vincristin/
der Patienten
i.v.-Gabe wird benötigt. Der
Adriamycin/
· Schädigt die normalen Stammzel en Katheter kann der Ausgangspunkt
Dexamethason)
nicht
für Infektionen sein oder throm-
· Im Anschluss
botische Komplikationen auslösen.
Stammzel transplantation möglich
· Vincristin kann Nervenschäden
hervorrufen
Dexamethason
· Ein orales Schema, das Remissionen · Neuropathie und
mit Thalidomid*
in ca.70% der Patienten erreicht.
Gerinnungsstörungen
· Kann als neuer "Goldstandard"
(tiefe Venenthrombose) sind
der Induktionstherapie angesehen
potentiel e Gefahren
werden
Dexamethason allein* · Dexamethason al ein ist fast so
· Gelegentlich schlechte
wirksam wie das VAD Regime
Verträglichkeit von hoch-dosiertem
Kortison
R oder RD
· Ausgezeichnete Respons-Raten
· Revlimid® al ein führt zu geringeren
oder Rd (RevloDex)*
· Orales Schema
Ansprechraten
(Revlimid® al ein,
· Al gemein gut verträglich und
· Risiko von Blutgerinnseln erfordert
mit Dexamethason
zunehmend populär
die Einnahme von Aspirin oder
oder Revlimid® mit
· Transplantation möglich
anderer Blutverdünner
niedrig-dosiertem
· Risiko von Verschlechterung der
Dexamethason)
Blutbildwerte
VELCADE®**
· Zeigt hervorragende Ergebnisse
· Kann eine Neuropathie verursachen
· Mehrere Kombinationen möglich
die teilweise oder vol ständig
reversibel ist.
VTD
· Eine neue Phase III Studie zeigt
· Intravenöse Kombination
(VELCADE®/
hohe Ansprechraten
· Periphere Neuropathie als mögliche
Thalidomid/
· Ausgezeichnetes Ergebnis nach
Nebenwirkung
Dexamethason)
Transplantation
Komplexere
· Ausgezeichnete Respons-Raten
· Intravenöse Kombination
VELCADE®
· Mögliche zusätzliche Toxizität bei
Kombinationen
Unklarheit über längerfristigen
(mit Revlimid®, Doxil®,
Benefit
oder anderen Substanzen)
*Findet Anwendung mit oder ohne Plan für Stammzellsammlung und Transplantation
** Die Zulassung von VELCADE® wurde im September 2008 von der EMEA auf das noch
19
unbehandelte Myelom ausgedehnt.
TABELLE 9B: MÖGLICHKEITEN EINER ERSTLINIENTHERAPIE
(Patient ungeeignet für Transplantation)
ERSTLINIEN-
VORTEILE
NACHTEILE
THERAPIE
MP
· Wird oral eingenommen
· Kann zu Knochenmarks-stammzel -
(Melphalan/Prednislon)
· Wird meist gut vertragen
schädigung führen und vermindert daher
· Führt zu exzel enten Remissionen
die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen
bei 60% der Patienten
Stammzel transplantation
· Die meisten Ärzte kennen das
· Der vol e Benefit kommt langsam oder
Protokol sehr gut
nach mehreren Monaten
· Nicht ideal geeignet, wenn eine schnel e
Remission benötigt wird und/oder wenn
eine Stammzel -transplantation geplant ist.
Dexamethason mit
· In Kombination mit Melphalan
· Die Verwendung von Melphalan kann
Melphalan
kommt es zu einem schnel eren
zur Stammzel enschädigung führen
Benefit als bei MP
· Dexamethason kann für ältere
Patienten problematisch sein
MPT
· Orales Schema
· Dieselben Nachteile wie bei MP
(MP + Thalidomid)
· Gut verträglich
· Thalidomid kann zu Neuropathie
· Bessere Remissionsrate als bei MP
und/oder Blutgerinnseln führen (DVT)
VMP
· Al gemein gut verträglich
· Dieselben Nachteile wie bei MP
(VELCADE® + MP)
· Kein Risiko für Blutgerinnsel
· VELCADE® wird über die Vene appliziert
· Bessere Remissionsrate als bei MP · Signifikantes Risiko einer Neuropathie
MPR
· Orales Schema
· Revlimid kann Gerinnungsprobleme
(MP + Revlimid®)
· Gut verträglich
verursachen
· Bessere Remissionsrate als bei MP · Aspirin oder andere Blutverdünner
werden benötigt
Einige andere Therapien, · Kombinationen bieten wenn
· Mehr Nebenwirkungen als einfachere
die manchmal benützt
gewünscht eine aggressivere
Behandlungen
werden, z.B. Cytoxan®
Behandlung
· Kein zusätzlicher Langzeit-benefit
(Cyclophosphamid) und
· Symptome der aktiven Erkrankung · Nebenwirkungen können sowohl die
Etoposid® (VP 16)
können so schnel er kontrol-
Lebensqualität reduziert, als auch letz-
Mögliche Kombinationen
liert werden und die Qualität der
tendlich die Möglichkeit verringern, an
· VBMCP (M2 Protokol )
Remission kann besser sein
neuen Studien teilzunehmen
· VMCP/VBAP (SWOG)
· ABCM (UK MRC
Protokol )
20
SUPPORTIVE
(UNTERSTÜTZENDE) THERAPIE
Es gibt Behandlungen, die die körperliche und emotionale Beeinträchtigung durch die
Erkrankung lindern. Der frühe Einsatz dieser Behandlungen ist genauso wichtig, wie der
Einsatz der Erstlinientherapie
TABELLE 10: SUPPORTIVE THERAPIE
SYMPTOME
BEHANDLUNG
KOMMENTARE
Müdigkeit und
Bluttransfusionen bei schwerer Anämie
Die Therapiemöglichkeiten sind einfach,
allgemeine
(konzentrierte rote Blutkörperchen; kaum
normalerweise sehr wirksam und führen
Schwäche durch Leukozyten; auf Viren untersucht)
zu besserem Wohlbefinden.
Blutarmut
Erythropoetin bei leicht bis mittelgradiger
Anämie
Knochen-
Bisphosphonate (z.B. Aredia® 90mg i.v.
Die Behandlung von Knochenschmerzen
schmerzen
über 2-4 Stunden, 1x monatlich; Zometa®
ist für sich genommen sehr wichtig und
4mg i.v. über 15-45 Minuten 1x monatlich)
weiter grundlegend für die Verbesserung
der körperlichen Aktivität, da letztere die
Schmerzmedikation nach Bedarf
Knochenstärkung und -heilung verbessert
(Novalgin®, orale Morphium-Derivate,
und das emotionale Wohlbefinden stärkt.
Schmerzpflaster)
Bisphosphonate können potentiell
zu Schäden an Nieren und am Kiefer
führen. Die Kenntnis dieser (seltenen)
Komp likationen ist entscheidend für die
Prävention
Fieber und/oder · Wirksame Antibiotika
Obwohl Antibiotika nur sparsam und
Infektionen
· Neupogen, wenn notwendig, um die Zahl ausgewählt verwendet werden sol ten,
der weißen Blutkörperchen anzuheben
ist es sehr wichtig, dass Infektionen rasch
· Intravenöse Gamma-Globuline bei
unter Kontrol e gebracht werden. Es
schweren Infektionen
wird empfohlen, vor al em bei Reisen
· Al e zur exakten Eruierung der
Antibiotika für den Notfal dabei zu
Infektionsquel e nötigen Tests sol ten
haben.
durchgeführt werden (gefährdende und
nicht zwingend notwendige Biopsien/
Kulturen meiden)
21
Neben der Behandlung dieser spezifischen Komplikationen, sind eine Reihe weiterer unter-
stützender Maßnahmen äußerst wichtig:
· Körperliche Aktivität Patienten sollten sich mit ihrem Arzt beraten, ob die
volle körperliche Belastung möglich ist, oder Einschränkungen der körperli-
chen Aktivität aufgrund der zugrunde liegenden Knochenschädigung notwendig
sind. Normalerweise kann ein Plan entwickelt werden, der gewisse körperliche
Aktivitäten wie Spazierengehen, Schwimmen, Übungen zur Verbesserung von
Beweglichkeit und Kraft oder ein persönliches Yoga-Programm beinhaltet.
· Ernährung Es wurde für Myelompatienten bisher kein spezifischer Diätplan
entwickelt. Dies ist ein Gebiet noch andauernder Forschung. Allgemein gelten
Ernährungsempfehlungen von anderen Erkrankungen, z.B. von kardiologischen
Erkrankungen oder Krebserkrankungen im Allgemeinen (z.B. Brustkrebs). In zwei
Gebieten ist allerdings Vorsicht geboten:
· Vitamin C hohe Dosen (d.h. > 1.000 mg pro Tag) können beim Myelom kon-
traproduktiv sein und die Gefahr der Nierenschädigung erhöhen.
· Pflanzliche und Vitamin-Präparate sie sollten mit ihrem Arzt über die
Verwendung von Zusatzpräparaten in Kombination mit Chemotherapie
oder einer anderen Therapie sprechen. Gegenseitige Beeinflussungen der
Medikamentenwirkungen sind sehr häufig und können zu medizinischen
Problemen führen
· Mentale Gesundheit Geistige Fitness ist während der geplanten Behandlung
wichtig. Sie sollten sich über die durchgeführte Behandlung gut ausken-
nen. Verlangen Sie nach psychologischer Betreuung, falls Sie unter depres-
siver Verstimmung leiden oder wenn Ihr Umfeld Sie auf psychische Probleme
aufmerksam macht.
· Regelmäßiger Schlaf Dies ist besonders wichtig für Ihr Immunsystem
· Stressvermeidung Sie sollten soweit möglich Stress in der Arbeit, in
der Familie oder in der sozialen Umgebung vermindern oder eliminieren. Die
Kontrolle des Myeloms hat höchste Priorität bis eine Remission und/oder eine
stabile Krankheitssituation erreicht ist.
22
WENN DIE ERSTLINIENTHERAPIE
NICHT FUNKTIONIERT...
Es gibt zahlreiche Behandlungsoptionen, die über den Umfang dieses Einführungshandbuch
hinausgehen. Neue Therapien stehen in zunehmendem Maße zur Verfügung und können
sehr hilfreich sein.
Auf der englischsprachigen Website der International Myeloma Foundation www.myeloma.
org finden Sie mehr Information und regelmäßige Aktualisierungen
FRAGEN, DIE SIE IHREM ARZT
STELLEN SOLLTEN
Al e Therapieentscheidungen haben einen wesentlichen Einfluss auf die Lebensplanung
und die Lebensqualität von Myelompatienten. Um überlegte Entscheidungen tref en zu
können, muss der Patient al e grundlegenden Fakten kennen. Manche Patienten möchten
al e Aspekte ihrer Situation, ihrer Behandlung und ihrer Prognose diskutieren. Anderen
wol en nur wissen, was als nächstes getan werden muss. Die meisten Ärzte berücksichtigen
diese Unterschiede und passen ihre Vorgangsweise den Wünschen der Patienten an.
Wir möchten Sie dazu ermutigen, of en zu sagen, wie tiefgreifend die Therapieentscheidungen
diskutiert werden sol en und wie wohl Sie sich bei ihrem Arzt fühlen. Es ist normalerweise
empfehlenswert, mehr als eine Meinung einzuholen.
1.) Besorgen Sie sich eine komplette Beschreibung des Behandlungsplans:
· Wie sieht die genaue Behandlung aus?
· Was sind die Ziele der Behandlung?
· Über welche Zeitspanne wird die Behandlung gehen?
· Was gehört alles zu der Behandlung dazu? Wie oft muss der Patient eine
medizinische Einrichtung aufsuchen? Ist eine stationäre Behandlung
23
notwendig oder wahrscheinlich? Was sind die wahrscheinlichen Auswirkungen auf
den Alltag des Patienten (Möglichkeit zu arbeiten)? Wie fühlt sich ein Patient vor,
während und nach der Behandlung? Wie sieht man aus? Wie lange dauert es
normalerweise, um sich zu erholen?
· Welche Nachsorgeprogramme oder Erhaltungstherapien sind notwendig?
· Wieviel wird die Behandlung kosten? Wird sie von der Krankenversicherung
bezahlt werden?
2.) Wie gut hat diese Behandlung bei anderen Patienten in der gleichen Situation
gewirkt?
Die Ef ektivität einer Behandlung wird auf verschiedene Arten gemessen:
· Wie viel Erfahrung hat man mit dieser Behandlung? Wie viele Patienten sind
damit behandelt worden? Wie lange wurden diese Patienten nach der Behandlung
betreut?
· Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit eine komplette oder partielle Remission
zu erzielen? Welche Faktoren hängen mit einer höheren oder geringeren
Wahrscheinlichkeit zusammen?
· Wie lange haben die Remissionen bei anderen Patienten angedauert?
Welche Faktoren bestimmen die Dauer der Remission?
· Was sind die Möglichkeiten, wenn es zu einem Rezidiv kommt?
(Diese können sich immer wieder ändern)
· In welchem Ausmaß kann man normalerweise eine Rückbildung der
Symptome erwarten, z.B. Knochenschmerz, pathologische Frakturen,
Anämie, Müdigkeit, Hyperkalzämie? Welche Faktoren bestimmen die Erfolgsrate?
· Wie lange haben Patienten überlebt, die diese Behandlung bekommen
haben? Im Falle einer neueren Behandlung: Wieviele Patienten der ursprünglichen
Gruppe sind noch am Leben?
3.) Wie bei den meisten Krebstherapien werden auch bei der Therapie des Myeloms
regelmäßig starke Medikamente und andere Maßnahmen verwendet, die darauf
24
abzielen, die bösartigen Zel en zu zerstören und/oder die Körperchemie wieder ins
Gleichgewicht zu bringen.
Normalerweise gibt es Nebenwirkungen. Manche davon treten während der Behandlung
auf. Andere können auch einige Zeit nach Ende der Behandlung auftreten.
· Welche Nebenwirkungen wurden bei den Patienten beobachtet, die die
Therapie erhalten haben? Wann treten diese Nebenwirkungen typischerweise
auf? In welchem Prozentsatz der Patienten treten sie auf? Wie schwerwiegend sind
die Nebenwirkungen? Sind sie lebensbedrohlich? Sind sie schmerzhaft? Bleiben sie
für immer bestehen? Wie lange dauern sie an?
· Gibt es Behandlungen für diese Nebenwirkungen? Haben die Behandlungen
der Nebenwirkungen selbst Nebenwirkungen?
4.) Es gibt immer Alternativen.
Bezüglich möglicher Alternativen sol ten Sie folgende Fragen stel en:
· Was sind die Alternativen zur empfohlenen Behandlung?
· Was sind die relativen Vor- und Nachteile dieser Alternativen?
· Was sind die Vor- und Nachteile dieser Alternative gegenüber keiner Behandlung?
Weil die Krankheit selten ist, gibt es nur eine beschränkte Anzahl an Ärzten und Zentren,
die sich auf das Myelom spezialisiert haben. Es ist bei Myelompatienten häufig üblich,
dass sie eine 2. Meinung von einem Spezialisten oder einem Forschungszentrum einho-
len, während man gleichzeitig beim zuweisenden Hausarzt für die Behandlung und die
Kontrol en in Betreuung bleibt.
Um gute Therapieentscheidungen zu tref en, sol ten gut überlegte Fragen gestel t werden,
hierzu gehören weiterhin das Knüpfen der richtigen Kontakte und Mut. Vor al em aber ist
es notwendig, dass der Patient und seine/ihre unterstützende Gruppe das Ruder selbst in
die Hand nimmt.
Weil es keine sichere Heilung gibt, weil es keine Garantien gibt, weil jeder Patient unter-
schiedlich ist, hängen letztendlich al e Entscheidungen von den persönlichen Wünschen
und Vorstel ungen des Patienten ab.
25
FACHAUSDRÜCKE UND DEFINITIONEN
Achsenskelett: Dazu gehören Schädel, Wirbelsäule und Becken.
Akut: Ein plötzlicher Beginn von Symptomen oder einer Erkrankung.
Albumin: Ein einfaches, wasserlösliches Protein, das im Serum und vielen pflanzlichen und
tierischen Geweben gefunden wird.
Alkylanzien (alkylierende Substanzen): Alkylanzien sind chemotherapeutische Substanzen wie
z.B. Melphalan oder Cyclophosphamid. Das Wort ,,alkylieren" bezieht sich auf den Wirkmechanismus
dieser Substanzen, die in Myelomzellen DNA quervernetzen und dadurch die Zellteilung
verhindern.
Allogen (siehe ,,Knochenmarkstransplantation")
Amyloidose: Ein Zustand, in dem Myelom-Leichtketten (Bence Jones Protein) in Geweben
und Organen des ges. Körpers abgelagert werden. Dies tritt häufiger bei Lambda- als bei Kappa-
Leichtketten auf. Bei Patienten mit Amyloidose binden diese Leichtkettenproteine an bestimmte
Gewebetypen, wie z.B. Herz, Nerven oder Niere, statt über die Nieren aus dem Körper ausgeschie-
den werden.
Analgetikum: Ein Analgetikum ist ein Schmerzmittel Aspirin oder Paracetamol bespielsweise
sind leichte Schmerzmittel
Anämie: Eine Verminderung der Anzahl roter Blutkörperchen, normalerweise < 10 g/dL, wobei
13 bis 14 g/dL normal sind. Eine Infiltration des Knochenmarks durch Myelomzellen verhindert
die Bildung von roten Blutkörperchen, was zu Symptomen wie Kurzatmigkeit, Schwäche und
Müdigkeit führt.
Anästhesie: Die Unfähigkeit, etwas wahr zu nehmen oder zu spüren. Eine Lokalanästhesie führt
zum Gefühlsverlust in einem Körperteil. Eine Vollnarkose führt zum Schlaf.
Angiogenese: Die Bildung von Blutgefäßen, die normalerweise das Wachstum eines bösartigen
Gewebes, z.B. des Myelom begleitet.
Angiogenesehemmer: Substanzen, die darauf abzielen, die Blutgefäßversorgung eines Tumors zu
unterbinden.
Antibiotika: Medikamente, die zur Behandlung von Infektionen eingesetzt werden.
26
Antikörper: Ein Eiweiß, das von bestimmten weißen Blutkörperchen, den Plasmazellen, produzi-
ert wird, um Infektionen und andere Erkrankungen zu bekämpfen, die in der Form von Antigenen
(z.B. Bakterien, Viren, Gifte, Tumoren) auftreten. Jeder Antikörper bindet nur spezifisch an ein
Antigen. Zweck dieser Bindung ist es, das Antigens zu zerstören. Antikörper können, abhängig
von der Art des Antigens, auf verschiedene Weise arbeiten. Manche Antikörper neutralisieren das
Antigen direkt, andere präparieren das Antigen für die Zerstörung durch weiße Blutkörperchen.
Antiemetische Substanzen: Medikamente, die Übelkeit und Erbrechen vorbeugen oder bekämp-
fen.
Antigen: Eine fremdartige Substanz (z.B. Bakterien, Viren, Giftstoffe, Tumore), die nach Eintritt
in den Körper oder bei Entstehung im Körper dazu führt, dass das Immunsystem Antikörper
produziert.
Antimykotische Substanzen: Medikamente, mit denen Pilzinfektionen behandelt werden.
Antineoplastische Sustanzen: Medikamente, die das Wachstum und die Ausbreitung von
Krebszellen behindern oder blockieren.
Apoptose: Ein normaler zellulärer Prozess, der über eine genetisch festgelegte Kette von Ereignissen
zum programmierten Zelltod führt.
Aspiration: Entnahme von Flüssigkeit oder Gewebe aus einer bestimmten Region des Körpers.
Asymptomatisches Myelom: Eine Myelomerkrankung, die ohne Erkrankungszeichen oder
Symptome auftritt. Es wird auch als indolentes, smoldering oder frühes Myelom bezeichnet.
B-Zellen: Weiße Blutkörperchen, die sich im Knochenmark zu Plasmazellen entwickeln und
Antikörper produzieren. Werden auch B-Lymphozyten genannt.
Basopile Granulozyten: Eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen.
Bence Jones Protein: Myelomeiweiß, das im Urin gefunden wird. Die Mengenangabe des
Myelomeiweißes erfolgt in g/24 Stunden. Normalerweise findet man nur eine sehr geringe
Eiweißmenge (< 1g/24 Stunden) im Urin, meist handelt es sich dabei um Albumin. Der Nachweis
von Bence Jones Eiweißen ist in der Regel abnormal.
Benigne: Gutartig, nicht kanzerös. Ein Tumor, der sich nicht in nahegelegenes Gewebe oder in
andere Teile des Körpers ausbreitet. M-GUS ist eine benigne Erkrankung.
Beta-2-Mikroglobulin (2M): Ein kleines Eiweiß, das normalerweise im Blut gefunden wird.
Bei Patienten mit aktivem Myelom finden sich hohe Spiegel im Blut. Bei Patienten mit einem
Frühstadium des Myeloms und/oder inaktiver Erkrankung liegen niedrige oder normale Spiegel
vor. Bei ca. 10 % der Patienten kommt es nicht zu einer abnormalen 2M-Produktion. Bei diesen
Patienten kann der 2M-Spiegel nicht verwendet werden, um den Verlauf der Erkrankung zu ver-
folgen. Zum Zeitpunkt eines Rezidivs kann der 2M-Spiegel ansteigen, bevor man eine Änderung
im Myelomeiweiß sieht. Deshalb ist der 2M-Wert bei 90% der Patienten sehr nützlich, um die
Krankheitsaktivität zu bestimmen.
27
Biologische Response-Modifier (BRM): Substanzen, die die Abwehrkräfte des Körpers gegen
Infektionen und Erkrankungen stärken. Der Körper produziert normalerweise geringe Mengen
dieser Stoffe selbst. Wissenschaftler können manche dieser Stoffe im Labor in großen Mengen
produzieren, mit der Intention, diese in der Krebstherapie verwenden zu können.
Biopsie: Die Entnahme von Gewebe zur mikroskopischen Untersuchung
Bisphosphonate: Medikamente, die an die Knochenoberfläche binden, wo sie resorbiert werden
und die Aktivität von Osteoklasten reduzieren.
Blutbild: Die Zahl an roten Blutkörperchen, weißen Blutkörperchen und Blutplättchen in einer
Blutprobe.
Blutplättchen: Neben den roten und weißen Blutkörperchen gehören die Blutplättchen zu den
Hauptblutbestandteilen. Blutplättchen verschließen Defekte in der Wand der Blutgefäße und pro-
duzieren Substanzen, die die Bildung von Thromben stimulieren. Blutplättchen sind der wichtigste
Schutz gegen Blutungen. Sie werden auch Thrombozyten genannt.
Blutzellen: Werden im Knochenmark produziert. Sie bestehen aus roten Blutkörperchen, weißen
Blutkörperchen und Blutplättchen
BUN (blood urea nitrogen): Misst den Harnstoffspiegel im Blut. Harnstoff wird über die Niere
ausgeschieden. Der BUN-Wert ist ein Labortest, der die Nierenfunktion misst. Erkrankungen wie
das Myelom, die zu einer eingeschränkten Nierenfunktion führen, bringen oft eine Erhöhung des
BUN-Spiegels mit sich.
Calcium: Ein Mineral, das hauptsächlich in den harten Strukturen der Knochenmatrix (Hydroxy-
Apatit) gefunden wird.
Carcinogen: Eine Substanz, die die Krebsentstehung oder das Wachstum von Krebs fördert.
Chemotherapie: Eine Therapie mit Anti-Krebsmedikamenten, mit der rasch wachsende Zellen
getötet werden.
· Kombinationschemotherapie die Verwendung von mehr als einer Substanz in einem
Chemotherapieschema während der Krebsbehandlung.
Chromosom: Ein Strang aus DNA und Eiweiß im Zellkern. Chromosomen tragen Gene und sind
an der Weitergabe der genetischen Information beteiligt. Normale menschliche Zellen enthalten
46 Chromosomen.
Chronisch: Über eine längere Zeitspanne persistierend.
CT (Computertomographie): Eine Untersuchung, bei der Röntgenstrahlen verwendet werden,
um dreidimensionale Bilder von Organen und Strukturen im Körper zu sehen. Wird verwendet,
um kleine zerstörte Knochenareale oder eine Beteiligung von Weichteilgeweben zu untersuchen.
DEXA (Dual Photon X-ray Absorptionsmetry): Misst den Knochenverlust; die beste Methode,
um die Knochendichte zu messen.
28
Dexamethason: Ein Kortikosteroid, das entweder alleine oder mit anderen (chemo)therapeutischen
Substanzen verabreicht wird.
Diagnose: Die Identifizierung einer Erkrankung anhand ihrer Zeichen und Symptome.
Dialyse: Wenn die Niere eines Patienten nicht mehr fähig ist, das Blut zu reinigen, wird das Blut
durch eine Dialysemaschine gereinigt.
DLT (dosislimitierend Toxizität): Nebenwirkungen, die so schwer sind, dass die Medikamentendosis
nicht weiter gesteigert werden kann.
DNA: Die Erbsubstanz; ein großes Molekül, das als Träger der genetischen Information fungiert
und das die Zellen brauchen, um sich zu vermehren und Eiweiße zu produzieren.
Effizienz/Nutzen: Die Fähigkeit, einen Effekt hervorzurufen; in der Krebsforschung bedeutet
Effizienz, dass eine Behandlung wirkungsvoll ist.
Einverständniserklärung: Der Vorgang, bei dem ein Arzt einen Patienten über eine vorgeschlagene
Behandlung ausreichend informiert, um den Patienten schließlich zu befähigen, eine informierte
Entscheidung darüber zu treffen, ob er diese Behandlung durchführen lassen möchte oder nicht.
Abgesehen von einer genauen Erklärung der Behandlung, muss der Arzt auch auf die Risiken,
Vorteile, Alternativen und potentiellen Kosten der Behandlung hinweisen.
Elektrophorese: Eine Laboruntersuchung, bei der die Serummoleküle eines Patienten anhand
ihrer Größe und elektrischen Ladung aufgeteilt werden. Bei Myelompatienten kann mittels
Elektrophorese die Menge des Myelomproteins (M-Protein) gemessen werden. Zusätzlich kann das
spezifische M-Protein identifiziert werden. Die Elektrophorese wird sowohl für die Diagnose, als
auch zur Verlaufskontrolle der Behandlung eingesetzt.
Enzym: Eine Substanz, die die Geschwindigkeit einer chemischen Veränderung im Körper
bestimmt.
Erhaltungstherapie: Therapie, die Patienten in Remission verabreicht wird, um ein Rezidiv zu
verzögern oder zu verhindern.
Erkrankungsprogress: Fortschreiten einer Erkrankung, bestätigt durch diagnostische Tests.
Erythropoietin: Ein Hormon, das von den Nieren produziert wird. Myelompatienten mit vorge-
schädigten Nieren produzieren nicht genug Erythropoietin und können daher anämisch werden.
Hier kann die Injektion von synthetischem Erythropoietin hilfreich sein. Bluttransfusionen sind,
insbesondere im Notfall, eine Alternative. Synthetisches Erythropoietin wird prophylaktisch vor
einer Chemotherapie und unterstützend während einer Chemotherapie eingesetzt, um einer
Anämie vorzubeugen.
Erythrozyt: Rotes Blutkörperchen. Rote Blutkörperchen tragen Sauerstoff zu Körperzellen und
nehmen auf dem Rückweg Kohlendioxid mit.
29
Freie Leichtketten: Teile des monoklonalen Proteins mit niedrigem Molekulargewicht, die mit
einer empfindlichen Methode (FreeLite® Test) im Serum gemessen werden können.
Gen: Eine spezifische Abfolge von DNA oder RNA. Die biologische Einheit der Vererbung, die
auf einer bestimmten Stelle eines Chromosoms platziert ist und in allen Körperzellen gefunden
wird. Wenn Gene fehlen oder beschädigt sind, kann Krebs entstehen.
Genetisch: Vererbt. Hat mit der Information, die durch die DNA in den Genen von Eltern an
deren Kinder weitergegeben wird, zu tun.
Gentherapie: Behandlung, die Gene verändert. Die Verwendung von Genen, um das
Immunsystem zu stimulieren. In Gentherapiestudien für Krebspatienten versuchen Forscher, die
natürliche Fähigkeit des Körpers, Erkrankungen zu bekämpfen, zu verbessern und den Tumor
empfindlicher für andere Therapien zu machen. Das Hauptaugenmerk der Behandlung liegt auf
dem Ersatz beschädigter oder fehlender Gene durch gesunde Kopien.
Gürtelrose (siehe Herpes zoster)
Graft versus Host-Disease (GVHD): Die Reaktion des gespendeten Knochenmarks gegen das
körpereigene Gewebe eines Patienten.
Granulozyten: Eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die Bakterien zerstört. Granulozyten
könne weiter in Neutrophile, Eosinophile und Basophile unterteilt werden.
Hämatokrit (Hkt): Der Prozentsatz von roten Blutkörperchen in Blut. Ein niedriger Hämatokrit
entspricht einer Anämie.
Hämatologe: Ein Arzt, der auf die Probleme des Blutes und des Knochenmarks spezialisiert ist.
Hämatologisch: Aus dem Blut kommend oder über die Blutzirkulation verteilt werdend.
Herpes simplex: Ein häufiges Virus. Es ruft oft Entzündungen im Mundbereich hervor, die
Fieberblasen genannt werden.
Herpes zoster: Ein Virus, das sich nach dem Verursachen einer Windpocken Erkrankung in
bestimmten Nerven niederlässt und an der Haut Blasen, Schwellungen und Schmerzen verursa-
chen kann. Dieser Zustand wird auch Gürtelrose genannt.
HLA (Human Leukozyte Antigen)-Test: Eine Blutuntersuchung, die verwendet wird, um das
Blut oder das Knochenmark eines Spenders mit einem Transfusions- oder Transplantationsempfä
nger abzustimmen.
Hormone: Chemische Stoffe, die von verschiedenen Drüsen des Körper erzeugt werden und die
Funktion bestimmter Zellorgane regeln.
Hyperkalzämie: Ein erhöhter Blutkalziumspiegel. Dieser Zustand kann eine Reihe von
Symptomen hervorrufen, z.B. Appetitverlust, Übelkeit, Durst, Müdigkeit, Muskelschwäche,
Unruhe und Verwirrung. Dieser Zustand ist bei Myelompatienten häufig und resultiert meistens
aus einer Knochenzerstörung, durch die Kalzium ins Blut freigesetzt wird. Eine Hyperkalzämie
30
ist oft mit einer verminderten Nierenfunktion vergesellschaftet, da Kalzium für die Nieren giftig
sein kann. Aus diesem Grund wird eine Hyperkalzämie wie ein Notfall behandelt, indem i.v.
Flüssigkeit zusammen mit Medikamenten eingesetzt wird, die die Knochenzerstörung reduzieren.
Zusätzlich erfolgt eine direkte Behandlung des Myeloms.
IgG, IgA: Die zwei häufigsten Myelom-Subtypen. G und A beziehen sich dabei auf den Typ des
Eiweißes, das von den Myelomzellen produziert wird. Das Myelomeiweiß, ein Immunglobulin,
besteht aus 2 schweren (z.B. vom G-Typ) und 2 leichten Ketten (entweder Kappa oder Lambda).
Daher haben die beiden häufigsten Myelom-Subtypen identische schwere Ketten (IgG Kappa und
IgG Lambda). Der Terminus ,,schwer" oder ,,leicht" bezieht sich auf die Größe und das molekulare
Gewicht des Eiweißes, das bei schweren Ketten größer als bei leichten Ketten ist. Da die leichten
Ketten kleiner sind, werden sie eher mit dem Harn ausgeschieden, was zu einem Nachweis von
Bence Jones Protein im Urin führt.
IgD, IgE: Zwei Myelom-Subtypen, die weniger häufiger vorkommen.
IgM: Kommt normalerweise bei Morbus Waldenström vor. Nur selten mit Myelom assoziiert.
Immundefizienz: Eine Verminderung der Fähigkeit des Körpers Infektionen und Erkrankungen
zu bekämpfen.
Immunfixation: Ein immunologischer Test, der verwendet wird, um Eiweiße im Blut zu identi-
fizieren. Bei Myelompatienten kann mit dieser sehr sensitiven Methode der exakte Schwer- und
Leichtketten-Typ des M-Proteins (IgG, IgA, Kappa oder Lambda) identifiziert werden.
Immunglobulin (Ig): Ein Eiweiß, das von Plasmazellen produziert wird. Ein essentieller Teil des
Immunsystems. Immunglobuline binden an fremde Substanzen (Antigene) und helfen bei deren
Zerstörung mit. Die Klassen der Immunglobuline sind IgA, IgG, IgM, IgD und IgE.
Immunsuppression: Eine Schwächung des Immunsystems, die zu einer verminderten Fähigkeit,
Infekte und Erkrankungen abzuwehren, führt. Eine Immunsuppression kann beabsichtigt
sein, z .B. als Vorbereitung für eine Knochenmarkstransplantation, bei der einer Abstoßung
des Spendergewebes durch den Empfänger vorgebeugt werden soll. Sie kann aber auch als
Nebenwirkung auftreten, z.B. im Rahmen einer Chemotherapie.
Immunsystem: Eine komplexe Gruppe von Organen und Zellen, die Antikörper produzieren, um
den Körper gegen fremde Substanzen wie Bakterien, Viren, Gifte und Krebs zu verteidigen.
Immuntherapie: Eine Behandlung, die die natürlichen Abwehrvorgänge des Körpers gegen Krebs
stimuliert. Wird auch biologische Therapie genannt.
Induktionstherapie: Die 1. Therapie, die bei einem neu diagnostizierten Myelompatienten ver-
wendet wird, um eine Remission zu erzielen.
Infusion: Die Verabreichung von Flüssigkeit oder Medikamenten über den Blutstrom für eine
bestimmte Zeit.
31
Infusionspumpe: Eine Vorrichtung, mit der genaue Mengen einer Flüssigkeit oder eines
Medikamentes in den Blutstrom verabreicht werden.
Inhibieren: Aufhalten; etwas unter Kontrolle halten.
Injektion: Die Verabreichung eines Medikamentes mit Hilfe einer Nadel oder Spritze.
Interferon: Ein natürlich produziertes Hormon (Zytokin), das vom Körper als Antwort auf eine
Infektion oder eine Erkrankung produziert wird und das Wachstum bestimmter erkrankungshem-
mender Zellen des Immunsystems stimuliert. Interferon kann künstlich durch gentechnologische
Methoden hergestellt werden und wird als Immuntherapie, vor allem in der Erhaltungsphase
verwendet, um das neuerliche Wachstum des Myeloms zu verhindern und dadurch ein Rezidiv zu
verzögern oder zu verhindern.
Interleukin: Ein natürlich produzierter chemischer Stoff, der in den Körper freigesetzt wird, oder
eine Substanz, die in der biologischen Therapie verwendet wird. Interleukine regen das Wachstum
und die Aktivität von bestimmten weißen Blutkörperchen an. Interleukin 2 (IL-2) gehört zu
den biologischen Responsemodifiern und stimuliert das Wachstum bestimmter Blutzellen des
Immunsystems, die Krebs bekämpfen. Interleukin 6 (IL-6) ist ein Zytokin, das Osteoklasten und
Plasmazellen stimuliert.
Inzidenz: Die Anzahl neu aufgetretener Erkrankungsfälle einer bestimmten Erkrankung, die
innerhalb eines Jahres neu diagnostiziert werden.
Katheter: Ein Schlauch, der in ein Blutgefäß platziert wird, um Medikamente und Nährstoffe
zuzuführen. Ein zentralvenöser Katheter (ZVK) ist ein spezieller Schlauch, der chirurgisch in eine
große, herznahe Vene eingeführt wird und am Brustkorb oder Bauch austritt. Dieser Katheter kann
dafür verwendet werden, Medikamente, Flüssigkeiten und Blutprodukte zu verabreichen und, um
Blut abzunehmen.
Klinisch: Involviert die direkte Beobachtung eines Patienten.
Klinische Studie: Eine Forschungsstudie, in die Patienten einbezogen werden. Jede Studie wird
entwickelt, um bessere Wege der Prävention, Diagnose oder Behandlung von Krebs zu finden und,
um wissenschaftliche Fragestellungen zu beantworten.
· Kontrollgruppe der Arm einer randomisierten klinischen Studie, der die
Standardbehandlung erhält.
· Endpunkt was eine klinische Studie messen oder herausfinden will: das Ziel der Studie.
Typische Endpunkte sind z. B. die Nebenwirkungen, die Ansprechrate und das Überleben.
· Experimentelle Gruppe der Arm einer randomisierten Studie, der die neue Behandlung
erhält.
· Randomisierte, klinische Studie eine Forschungsstudie, in der die Teilnehmer zufällig einer
bestimmten Behandlung zugeordnet werden.
32
· Phase 1-Studie eine Studie, bei der die maximal tolerierbare Dosis (MTD) einer neuen
Substanz oder einer neuen Substanzkombination, die nie zuvor bei Menschen angewendet
wurde, herausgefunden werden soll. Normalerweise ist dies die erste Anwendung einer
Behandlung beim Menschen, obwohl in Phase 1-Studien von Kombinationstherapien
die individuellen Substanzen schon getestet worden sein können. Patienten, die an einer
Phase 1-Studie teilnehmen, müssen eine fortgeschrittene Krebserkrankung haben, die einer
Standardbehandlung nicht mehr zugänglich ist. In einer typischen Phase 1-Studie wird die
Behandlung bei aufeinanderfolgenden Gruppen (,,Kohorten") von 36 Patienten angewen-
det. Alle Patienten in einer Kohorte erhalten die gleiche Dosis. Typischerweise erhält die erste
Kohorte eine sehr niedrige Dosis und die Dosis wird mit jeder nachfolgenden Gruppe ange-
hoben, bis eine vorgegebene Anzahl der Patienten an dosislimitierenden Nebenwirkungen
leidet. Die Dosis, die für die vorhergehende Kohorte verwendet wurde, wird dann als maxi-
mal tolerierbare Dosis bezeichnet. Mit dieser Dosis wird dann in einer Phase 2-Studie weiter
gearbeitet.
· Phase 2-Studie Eine Studie, in der die Ansprechrate einer neuen Therapie, die bereits in
einer Phase 1-Studie getestet wurde, herausgefunden werden soll. Typischerweise werden
14 bis 50 Patienten mit einer bestimmten Krebsart behandelt; es wird außerdem gezählt,
bei wie vielen es zu einem Therapieansprechen kommt. Normalerweise müssen Patienten,
die an Phase 2-Studien teilnehmen, eine fortgeschrittene Krebserkrankung haben, die einer
Standardbehandlung nicht zugänglich ist. Zusätzlich müssen sie eine messbare Erkrankung
vorweisen. Wenn die Ergebnisse einer Phase 2-Studie vielversprechend genug sind, kann die
Therapie in einer Phase 3-Studie getestet werden. Wenn die Ergebnisse der Phase 2-Studie
offensichtlich viel besser sind als die Standardbehandlung, kann es sein, dass eine Phase 3-
Studie nicht notwendig ist, sondern dass die Therapie - basierend auf den Ergebnissen der
Phase 2-Studie direkt zur Standardbehandlung wird.
· Phase 3-Studie Eine Studie, bei der zwei oder mehr Behandlungen für eine bestimmte
Art und ein bestimmtes Stadium einer Krebserkrankung verglichen werden. Der Endpunkt
einer Phase 3-Studie ist normalerweise das Überleben oder das krankheitsfreie Überleben.
Phase 3-Studien sind normalerweise randomisiert, sodass Patienten nicht auswählen können,
welche Behandlung sie erhalten. Eine typische Phase-3-Studie hat fünfzig bis zu tausende
von Patienten. Manche Phase-3-Studien vergleichen eine neue Therapie, die in Phase 2-
Studien zu guten Ergebnissen geführt hat, mit einer älteren, bekannten Standardbehandlung.
Andere Phase 3-Studien vergleichen 2 Behandlungen, die bereits verwendet werden. Manche
Behandlungen, die in Phase 3-Studien getestet werden, sind auch außerhalb klinischen
Studien verfügbar.
Knochenmark: Das weiche, schwammige Gewebe im Zentrum der Knochen, in dem weiße
Blutkörperchen, rote Blutkörperchen und Blutplättchen produziert werden.
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Knochenmarkbiopsie: Die Entnahme von Gewebe mit einer Nadel aus dem Knochen. Die Zellen
werden auf Bösartigkeit untersucht. Wenn bösartige Plasmazellen gefunden werden, schätzt der
Pathologe ab, wieviel Prozent des Knochenmarks betroffen sind. Die Knochenmarksbiopsie wird
normalerweise zum gleichen Zeitpunkt wie die Knochenmarkspunktion durchgeführt.
Knochenmarkpunktion: Die Entnahme von Flüssigkeit und Zellen aus dem Knochenmark mit
einer Nadel zur mikroskopischen Untersuchung.
Knochen-Remodeling: Die normale Koordination der Aktivität von Osteoklasten (die den
Knochen aufnehmen oder zerstören) und Osteoblasten (die neuen Knochen aufbauen), um ein
Gleichgewicht zwischen Knochenproduktion und -abbau aufrecht zu erhalten.
Konsolidierungstherapie: Eine Therapiephase, in der versucht wird, das Ergebnis, das mit der
Erstlinientherapie erreicht wurde, zu verbessern. Normalerweise werden entweder höhere Dosen
oder Medikamente, die noch nicht verwendet wurden, eingesetzt.
Krankheitsfreies Überleben: Die Zeitspanne, die ein Patient ohne Zeichen der Krebserkrankung
überlebt.
Krankheitsprogress: Das Fortschreiten der Erkrankung, welches anhand von Untersuchungen
dokumentiert wird.
Kreatinin: Eine kleine chemische Verbindung, die normalerweise von den Nieren ausge-
schieden wird. Wenn die Nieren geschädigt sind, sammelt sich Kreatinin im Serum an, sodass
der Kreatininspiegel im Serum steigt. Der Serumkreatininspiegel wird verwendet, um die
Nierenfunktion zu bestimmen.
Krebs: Eine Bezeichnung für Erkrankungen, bei denen sich bösartige Zellen unkontrolliert teilen.
Krebszellen können nahegelegene Gewebe infiltrieren und sich über den Blutstrom und das
Lymphsystem in andere Teile des Körpers ausbreiten.
LDH (Laktatdehydrogenase) : Ein Enzym, das verwendet werden kann, um die Aktivität des
Myeloms zu bestimmen.
Läsion: Ein Areal geschädigten Gewebes, das durch Verletzung oder eine Erkrankung wie z.B.
Krebs hervorgerufen wird. Beim Myelom kann damit etwa ein Plasmozytom oder eine lytische
Läsion gemeint sein.
Leukozyten: Zellen, die dem Körper helfen, Infekte und andere Erkrankungen abzuwehren.
Werden auch weiße Blutkörperchen genannt.
Leukopenie: Eine Minderung der Anzahl an weißen Blutkörperchen.
Lymphozyten: Weiße Blutkörperchen, die Infekte und Erkrankungen abwehren.
M-Protein (M-Zacke): Antikörper oder Teile von Antikörpern, die in ungewöhnlich großen
Mengen im Blut oder im Urin von Myelompatienten gefunden werden. Der Terminus M-Zacke
bezieht sich auf die Veränderungen der Eiweißelektrophoresekurve, wenn ein M-Protein vorliegt.
Ist ein Synonym für monoklonales Eiweiß oder Myelomeiweiß (siehe auch unter ,,Monoklonal").
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Maligne: Bösartig. Fähig, sich in nahegelegenes Gewebe oder in andere Teile des Körpers auszu-
breiten.
MDR (Multi-Drug-Resistence): Resistenz gegenüber einer Standardbehandlung, normalerweise
verbunden mit einer Resistenz gegenüber den Chemotherapeutika Adriamycin und Vincristin.
Diese Resistenz wird durch eine Ansammlung von P-Glycoproteinen in der äußeren Zellmembran
der Myelomzellen hervorgerufen. Das führt dazu, dass Medikamente aus der Myelomzelle
hinausgeschleust werden, anstatt sich in der Zelle anzusammeln und schließlich zum Zelltod zu
führen.
Medikamentenresistenz: Fähigkeit einer Zelle, den Effekten einer therapeutischen Substanz zu
widerstehen.
Melanom: Krebs der pigmentproduzierenden Zellen der Haut oder Netzhaut. Hat nichts mit dem
Myelom zu tun (trotz des ähnlichen Namens).
Metastasieren: Sich von einem Teil des Körpers zu einem anderen ausbreiten. Wenn Krebszellen
metastasieren und Absiedelungen bilden, dann sind die Zel en der Metastase denen des
Primärtumors ähnlich. Dieser Ausdruck wird vor allem bei soliden Tumoren (etwa der Brust oder
der Prostata) verwendet, nicht beim Myelom, das eine hämatologische Erkrankung darstellt.
MGUS (Monoklonale Gammopathie unbekannter Signifikanz): Ein gutartiger Zustand, bei dem
zwar ein M-Protein, aber keine zugrunde liegende Erkrankung vorhanden ist.
Molekül: Der kleinste Teil einer Substanz, der all ihre Eigenschaften bestimmt und aus einem oder
mehreren Atomen aufgebaut ist.
Monoklonal: Ein Klon, hervorgegangen aus einer einzigen Zelle. Ein Myelom entwickelt sich
aus einer einzelnen bösartigen Plasmazelle. Die Art des Myelomeiweißes, das produziert wird, ist
ebenfalls monoklonal. Das Gegenteil von monoklonal ist polyklonal. In der klinischen Praxis ist
die Monoklonalität des Myelomeiweißes deshalb wichtig, weil es in der Serumelektrophorese als
scharfe Spitze (M-Gradient) erscheint.
Monoklonale Antikörper: Künstlich hergestellte Antikörper, die speziell dafür entwickelt wurden,
bösartige Zellen zu finden und an diese zu binden. Dies kann für diagnostische oder therapeutische
Zwecke genutzt werden. Die Antikörper können alleine verwendet werden oder, um Medikamente,
Giftstoffe oder radioaktives Material direkt zu den Tumorzellen zu bringen.
Monozyt: Eine Untergruppe der weißen Blutzellen.
Morbus Waldenström: Ein eher seltener Lymphomtyp, bei dem auch Plasmazellen betroffen sind.
Überproduktion von IgM. Kein Zusammenhang mit Myelom.
MRT (Magnetresonanztomographie): Eine diagnostische Untersuchung, die statt Röntgenstrahlen
magnetische Energie verwendet, um detaillierte zwei- oder dreidimensionale Bilder von Organen
und Strukturen des Körpers zu erstellen. Hat eine hohe Auflösung für Weichteilgewebe, insbeson-
dere für das Rückenmark, ist allerdings weniger genau bei Knochenläsionen.
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MTD (maximal tolerierbare Dosis): Die höchste Dosis einer Therapie, die die meisten Leute
tolerieren.
Myelodysplastisches Syndrom: Ein Zustand, bei dem das Knochenmark nicht normal funktioni-
ert und nicht genug Blutzellen produziert. Dieser Zustand kann sich verschlechtern und schließlich
in eine akute Leukämie übergehen.
Myeloisch: Bezieht sich auf die Myelozyten, eine Untergruppe der weißen Blutzellen. Das multiple
Myelom ist eine nicht myeloische Form von Blutkrebs.
Myelosuppression: Eine verminderte Produktion roter Blutkörperchen, Blutplättchen und man-
cher weißer Blutkörperchen im Knochenmark.
Nebenwirkungen: Probleme, die aufgrund der Verwendung von Medikamenten, die für eine
Erkrankung eingesetzt werden, auftreten. Häufige Nebenwirkungen einer Chemotherapie sind
Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Blutbildveränderungen, Haarausfall und Mundschleimhautent
zündung.
Neoplasie: Tumoröse Neubildung durch abnormales Zellwachstum; der resultierende Tumor kann
benigne oder maligne sein.
Neutropenie: Eine verminderte Anzahl an Neutrophilen. Eine zytotoxische Chemotherapie kann
zur Neutropenie führen. Im Gegensatz dazu werden Lymphozyten, die bei viralen Infektionen
wichtiger sind, eher nicht von der zytotoxischen Therapie beeinflusst. Die Neutropenie kann
durch ein synthetisches Hormon, welches G-CSF genannt wird (z.B. Neupogen), vermindert oder
verhindert werden.
Neutrophile: Eine Untergruppe weißer Blutkörperchen, die notwendig ist, um bakterielle
Infektionen zu bekämpfen.
Ödeme (Schwellung): Eine abnormale Ansammlung von Flüssigkeit in einem Körperteil.
Onkogen: Ein Gen oder DNA-Sequenz, die normalerweise für das Zellwachstum verantwortlich
ist, die allerdings auch das unkontrollierte Wachstum von Krebszellen fördern kann, wenn es zu
einer Schädigung (Mutation) durch einen Umwelteinfluss (Karzinogen) oder, wenn es zu einer
Zerstörung oder einem Verlust des Gens durch einen vererbten Defekt gekommen ist. Ein Gen,
welches das Potential besitzt, eine normale Zelle zu einer Krebszelle zu machen.
Onkologe: Ein Arzt, der auf Krebstherapie spezialisiert ist. Manche Onkologen spezialisieren sich
auf eine bestimmte Art von Krebs.
Osteoblast: Eine Zelle, die Osteoid produziert, welches mit Calcium mineralisiert wird, um
schließlich neuen, harten Knochen zu bilden.
Osteoid: Das Eiweiß, das mit Kalzium mineralisiert wird, um schließlich harten, neuen Knochen
zu bilden.
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Osteoklast: Eine Zelle, die im Knochenmark am Verbindungspunkt zwischen Knochenmark
und Knochen gefunden wird. Ein aktives Myelom stimuliert die Osteoklasten, die den Knochen
abbauen. Normalerweise wird die Knochenresorption durch die Aktivität der Osteoblasten ausgeg-
lichen, welche neuen Knochen herstellen. Beim Myelom wird die Osteoblasten-Aktivität blockiert.
Die Kombination von vermehrter Knochenresorption und gehemmter Knochenneubildung führt
schließlich zu Osteolysen.
Osteolysen: Geschädigte Knochenregionen, die auf einem Röntgenbild als dunkler Fleck ers-
cheinen, wenn genug gesundes Knochengewebe abgebaut wurde. Osteolysen sehen wie Löcher im
Knochen aus und beweisen, dass der Knochen geschwächt wurde.
Osteonekrose des Kiefers: Eine vormals seltene Erkrankung, die nunmehr bei einem kleinen Teil
der Patienten beobachtet wird, die mit Bisphosphonaten behandelt werden. Der Zustand ist durch
Schmerzen, Schwellung und Knochenschädigung um die Zahnwurzeln herum gekennzeichnet. Es
kann zum Absterben des Knochens kommen, was zu Zahnverlust, Zahnfleischschwund, Exposition
von scharfen Knochenkanten und Knochenabbrüchen führen kann. Definitionsgemäß besteht
eine mangelnde Heilung der exponierten Knochen über einen Zeitraum von 3 Monaten. Die
Symptome können anfangs schleichend auftreten. Manchmal finden sich Schmerzen, Schwellung,
Taubheitsgefühl oder Fremdkörpergefühl im Bereich des Kiefers oder ein Zahnverlust.
Osteoporose: Eine Reduktion der Knochendichte, die normalerweise in höherem Alter auftritt.
Eine diffuse Knochenbeteiligung beim Myelom führt zu einem Bild, das im Röntgen und bei der
Knochendichtemessung aussieht wie Osteoporose.
Palliative Therapie: Zielt auf die Verbesserung der Lebensqualität und eine Verminderung von
Schmerzen und Symptomen der Erkrankung ab, verhindert allerdings nicht das Fortschreiten der
Erkrankung.
Pathologie: Die Untersuchung von Geweben und Körperflüssigkeiten unter dem Mikroskop. Ein
Arzt, der auf Pathologie spezialisiert ist, wird Pathologe genannt.
Pathologische Fraktur: Ein Knochenbruch, der normalerweise durch Krebs oder eine andere
Erkrankung hervorgerufen wird. Kommt bei Knochen vor, die durch das Myelom geschwächt
wurden und normalen Belastungen nicht gewachsen sind.
PET (Positronenemissionstomographie): Ein diagnostischer Test, der eine spezielle Kamera und
einen Computer benutzt, um Bilder des Körpers anzufertigen. Eine PET-Untersuchung erlaubt die
Differenzierung zwischen gesundem und abnormal funktionierendem Gewebe.
Plasma: Der flüssige Teil des Blutes, in dem weiße Blutkörperchen, rote Blutkörperchen und
Blutplättchen suspensiert sind.
Plasmapherese: Der Prozess, bestimmte Proteine aus dem Blut zu entfernen. Eine Plasmapherese
kann verwendet werden, um überschüssige Antikörper aus dem Blut von Myelompatienten zu
entfernen.
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Plasmazellen: Spezielle weiße Blutkörperchen, die Antikörper produzieren. Die bösartige Zelle
beim Myelom. Normale Plasmazellen produzieren Antikörper, um Infektionen zu bekämpfen.
Beim Myelom produzieren bösartige Plasmazellen große Mengen eines abnormalen Antikörpers,
der keine Fähigkeit zur Bekämpfung von Infektionen besitzt. Die abnormalen Antikörper werden
auch monoklonales Protein oder M-Protein genannt. Plasmazellen können auch andere chemische
Stoffe produzieren, die Organe und Gewebe schädigen können (z.B. Anämie, Nierenschädigung,
Nervenschädigung).
Plasmozytom: Eine Ansammlung von Plasmazel en, die an einem bestimmten Ort des
Körpers gefunden wird, im Gegensatz zu einer diffusen Verteilung im gesamten Knochenmark,
Weichteilgewebe oder Knochen.
Plazebo: Eine inaktive Substanz, die bei klinischen Studien oft als Vergleich zur experimentellen
Therapie verwendet wird.
Port-A-Cath (PAC): Ein Katheter, der mit einer münzgroßen Kammer verbunden ist, die chirur-
gisch unter die Haut des Brustkorbs oder des Bauchs implantiert wird. Der Katheter wird in eine
große Vene oder Arterie direkt in den Blutstrom eingelegt. Über eine Nadel, die in die Kammer
eingeführt wird, können Flüssigkeiten, Medikamente oder Blutprodukte verabreicht und Blut
abgenommen werden.
Prognose: Der wahrscheinliche Verlauf einer Erkrankung. Die Wahrscheinlichkeit einer Genesung.
Die Lebenserwartung.
Progressionsfreies Überleben: Die Zeitspanne, die ein Patient überlebt, ohne dass die
Krebserkrankung fortschreitet. Die Verbesserung der Überlebenszeit eines Patienten, die direkt mit
der Therapie, die für das Myelom gegeben wird, in Zusammenhang steht. Dieser Terminus bezieht
sich auf Myelompatienten, die in einer Remission sind, im Gegensatz zu solchen, die ein Rezidiv
oder eine Krankheitsprogression erleiden.
Protokoll: Ein detaillierter Behandlungsplan, in dem Dosierung und Zeitplan zur Verabreichung
von Medikamenten aufgeführt sind.
Prä-maligne: Ein Ausdruck der verwendet wird, um einen Zustand zu beschreiben, der möglich-
erweise in eine Krebserkrankung übergeht.
Radiologe: Ein Arzt, der auf die Herstellung und Beurteilung von Bildern des Körperinneren
spezialisiert ist. Die Bilder werden mittels Röntgenstrahlen, Ultraschall, magnetischer Felder oder
anderer Energieformen produziert.
Refraktär: Die Erkrankung ist resistent gegen Standardbehandlungen.
Regression: Die Rückbildung des Krebswachstums.
Relaps: Das Wiederauftreten von Zeichen und Symptomen einer Erkrankung nach einer
Zeitspanne der Verbesserung.
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Remission oder Ansprechen: Komplettes oder teilweises Verschwinden der Zeichen und
Symptome von Krebs.
Remission und Ansprechen sind Synonyme.
· Komplette Remission (CR) CR bedeutet Abwesenheit bzw. fehlende Nachweisbarkeit von
Myelomprotein im Serum und/oder im Urin in den Standarduntersuchungen, Abwesenheit
von Myelomzellen im Knochen und/oder anderen befallenen Regionen, klinische Remission
und Verbesserung anderer Laborwerte bis hin zu deren Normalisierung. Eine komplette
Remission ist nicht dasselbe wie eine Heilung.
· Partielle Remission (PR) PR bedeutet schlechteres Therapieansprechen als CR. In manchen
Studien bedeutet es ein 50-75%iges Ansprechen, in anderen ein > 50%iges Ansprechen.
Rezidiv: Das Wiederauftreten einer Erkrankung nach einer Periode der Remission.
RNA (Ribonukleinsäure): Eine Gruppe von Nukleinsäuren, die zellchemische Vorgänge kontrol-
lieren. Die RNA ist eine der beiden Nukleinsäuren, die in allen Zellen gefunden werden, die andere
ist die DNA (Desoxyribonukleinsäure). Die RNA transferiert die genetische Information der DNA
in Eiweiße, die von der Zelle produziert werden.
Röntgenstrahlung: Hochenergetische elektromagnetische Strahlung, die in niedrigen Dosen ver-
wendet wird, um Erkrankungen zu diagnostizieren und in hohen Dosen eingesetzt wird, um Krebs
zu bekämpfen.
Rotes Blutkörperchen (Erythrozyten): Blutzellen, die Hämoglobin enthalten und Sauerstoff
zu allen Körperteilen transportieren und Kohlendioxid abtransportieren. Die Bildung von roten
Blutkörperchen wird durch ein Hormon (Erythropoetin) stimuliert, welches in den Nieren pro-
duziert wird. Myleompatienten mit geschädigten Nieren produzieren nicht genug Erythropoetin
und können daher anämisch werden. Hier kann die Injektion von synthetisch hergestelltem
Erythropoetin hilfreich sein. Bluttransfusionen sind eine andere Alternative, speziell im Notfall.
Synthetisches Erythropoetin wird prophylaktisch vor einer Chemotherapie oder als unterstützende
Therapie nach der Chemotherapie verwendet, um eine Anämie zu verhindern.
Serum-Osteocalzin: Ein Eiweiß, das von Osteoblasten produziert und sezerniert wird, wenn
Osteoid produziert wird. Ein niedriger Spiegel deutet oft auf ein aktives Myelom hin, ein erhöhter
Spiegel auf ein stabiles Myelom.
Skelettübersicht (Pariser Schema): Eine Reihe von Röntgenuntersuchungen vom Schädel, der
Wirbelsäule, den Rippen, dem Becken und den langen Röhrenknochen, um Osteolysen und/oder
Osteoporose auszuschließen.
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Stabile Erkrankung (SD): Dieser Terminus beschreibt Patienten, die auf eine Therapien anspre-
chen, allerdings mit einer weniger als 50%igen Reduktion des Myelomeiweißspiegels. Eine stabile
Erkrankung bedeutet nicht notwendigerweise ein schlechtes oder suboptimales Therapieansprechen
(verglichen mit CR oder PR). Eine anhaltende Remission (Anzahl von Monaten/Jahren in Remission)
steht nicht notwendigerweise mit dem prozentualen Therapieansprechen in Zusammenhang. Bei
einem langsam wachsenden Myelom kann eine Stabilisierung viele Jahre anhalten.
Stadieneinteilung (Staging): Untersuchungen, die durchgeführt werden, um die Ausdehnung
einer Krebserkrankung im Körper festzustellen.
Stadium: Die Ausdehnung einer Krebserkrankung im Körper.
Stammzellen: Unreife Zellen, aus denen sich alle Blutzellen entwickeln. Normale Stammzellen sind
Ausgangszelle von normalen Blutbestandteilen wie roten Blutkörperchen, weißen Blutkörperchen
und Blutplättchen. Stammzellen findet man normalerweise im Knochenmark. Sie können für eine
Transplantation geerntet werden.
Steroid: Ein Hormon. Steroide werden oft zusammen mit anderen Krebsmedikamenten verab-
reicht, da sie mithelfen, die Auswirkungen der Erkrankung auf den Körper zu kontrollieren.
Strahlentherapie: Behandlung mit Röntgenstrahlen, Gamma-Strahlen oder Elektronen, um bösar-
tige Zellen zu schädigen oder zu vernichten. Die Strahlung kommt von außerhalb des Körpers
(externe Bestrahlung) oder von radioaktivem Material, das direkt in den Tumor appliziert wird
(Implantationsbestrahlung).
Strukturanalogon: Eine chemische Substanz, die einer anderen Substanz von ihrer Struktur her
sehr ähnlich ist, jedoch in ihrem Aufbau leicht variiert.
Studieneinschluß: Der Prozess, Patienten in eine klinische Forschungsstudie aufzunehmen;
umschreibt weiter die Anzahl der bereits in die Studie aufgenommenen Patienten und die Anzahl
jener, die wahrscheinlich aufgenommen werden.
Systemische Therapie: Eine Therapie, bei der Substanzen verwendet werden, die durch den
Blutstrom im gesamten Körper verteilt werden, sodass alle Krebszellen im Körper erreicht und
getroffen werden.
Thrombozyten: Siehe Blutplättchen
Thrombozytopenie: Eine erniedrigte Anzahl von Blutplättchen im Blut. Die normale Anzahl
beträgt 150.000 bis 250.000/µl. Wenn die Anzahl an Blutplättchen weniger als 50.000 beträgt,
kann es zu Blutungskomplikationen kommen. Zu gefährlichen Blutungen kommt es normaler-
weise nur bei einer Reduktion unter 10.000/µl.
TNF (Tumornekrosefaktor): Ein biologischer Responsemodifier , der die natürliche Antwort
des Körpers auf eine Erkrankung verbessern kann.
Toxine: Giftstoffe, die von bestimmten Tieren, Pflanzen oder Bakterien produziert werden.
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Transfusion: Die Verabreichung von Blut oder Blutprodukten.
Transplantation: Stammzellen oder Knochenmark werden verwendet, um bei einem Patienten
nach einer Hochdosis-Chemotherapie und/oder Bestrahlung die Möglichkeit der Blutproduktion
zu erhalten. Die Transplantation ist keine Therapie, sondern eine unterstützende Methode, um
die Hochdosis-Therapie möglich zu machen.
· Knochenmarktransplantation Hiermit wird ein Vorgehen bezeichnet, bei dem Stammzellen
aus dem Knochenmark gewonnen werden, um diese dem Patienten im Zuge der
Transplantation zu infundieren. Üblicherweise werden Stammzellen für eine Transplantation
heute aber aus dem peripheren Blut gewonnen.
· Periphere Blutstammzelltransplantation Es werden gesunde Stammzellen aus dem zirku-
lierenden Blutsystem des Patienten (nicht aus dem Knochenmark) entnommen und aufbe-
wahrt, bevor der Patient mit Hochdosischemotherapie behandelt wird. Die Stammzellen
werden dem Patienten dann zurückgegeben. Sie führen zur Bildung von neuen Blutzellen
und ersetzen die Zellen, die durch die Therapie zerstört wurden.
· Allogen die Infusion von Knochenmark oder Stammzellen von einer Person (Spender) zu
einer anderen Person (Empfänger). Ein Patient erhält Knochenmark oder Stammzellen von
einem passenden, jedoch nicht genetisch identischen Spender.
· Autolog Stammzellen werden von einem Patienten entnommen und dann dem gleichen
Patienten nach einer intensiven Therapie zurückgegeben.
· Passender Fremdspender bezieht sich auf eine Stammzelltransplantation, bei der der
Patient Stammzellen von einer genetisch passenden Person bekommt, die allerdings kein
Familienangehöriger ist. Wird für Myelompatienten aufgrund des hohen Mortalitätsrisikos
nicht empfohlen.
· Syngen die Infusion von Knochenmark oder Stammzellen von einem identischen Zwilling
zum anderen.
Tumor: Eine abnormale Gewebemasse, die durch übermäßige Zellteilung entsteht. Tumore üben
keine verwertbaren Körperfunktionen aus. Sie können entweder benigne oder maligne sein.
Tumormarker: Ein Stoff im Blut oder einer anderen Körperflüssigkeit, der anzeigen kann, dass
eine Person Krebs hat.
Unterstützende (supportive ) Therapie: Eine Therapie, die gegeben wird, um Komplikationen
und Nebenwirkungen zu verhindern, zu verbessern oder zu kontrollieren und, das Wohlbefinden
des Patienten und dessen Lebensqualität zu verbessern.
Vakzine: Die Zubereitung von getöteten Mikroorganismen, lebenden abgeschwächten
Organismen oder lebenden voll funktionsfähigen Organismen, die verabreicht werden, um eine
Immunantwort gegen eine bestimmte Erkrankung hervorzurufen.
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Virus: Ein kleines Lebewesen, das Zellen infizieren und dazu führen kann, dass die Zellfunktion
sich verändert. Eine Virusinfektion kann dazu führen, dass eine Person Symptome entwickelt.
Die Erkrankung und die Symptome sind abhängig von der Art des Virus und der Art der befall-
enden Zellen.
Weiße Blutkörperchen: Allgemeine Bezeichnung für verschiedene Zellen, die dafür verant-
wortlich sind, Keime, Infektionen oder allergieverursachende Substanzen zu bekämpfen. Diese
Zellen werden im Knochenmark gebildet und verteilen sich dann in anderen Körperteilen.
Bestimmte Untergruppen von weißen Blutkörperchen sind z.B. die Neutrophilen, Granulozyten,
Lymphozyten und Monozyten.
Zelldifferenzierung: Der Prozess, in dem junge, unreife (unspezialisierte) Zellen individuelle
Charakteristika annehmen und schließlich ihre reife (spezialisierte) Form und Funktion
annehmen.
Zelle: Die kleinste Einheit eines lebenden Organismus.
Zellproliferation:
Eine Steigerung der Anzahl von Zellen, die aus einer gesteigerten Wachstums- und
Zellteilungsrate resultiert.
Zyste: Eine Ansammlung von Flüssigkeit oder halbfestem Material in einem Beutel.
Zytokine: Substanzen, die von Zellen des Immunsystems freigesetzt werden, um das Wachstum
und die Aktivität einer bestimmten Zellart zu stimulieren. Zytokine werden lokal produziert
(z.B. im Knochenmark) und sie zirkulieren auch im Blutstrom.
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"Until There is a Cure... There is the IMF."
Published by the International Myeloma Foundation (IMF)
International Myeloma Foundation
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Dedicated to improving the quality of life of myeloma
patients while working towards prevention and a cure.
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