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Myelom Merkur - Frühling 2013 - #906

• ASH 2012 – Zusammenfassungen der Präsentationen zum Multiplen Myelom
• Patienten und Betreuungspersonen auf der ASH-Konferenz 2012
• IMF Forschungsstipendien 2013
• Myeloma Today im Gespräch mit Dr. Rafat Abonour
• Wird Myelom-Patienten eine besondere Ernährungsweise empfohlen?™

05.06.13

Myelom Merkur - Frühling 2013 - #906

Frühling 2013

ASH 2012 – Zusammenfassungen
der Präsentationen zum Multiplen Myelom

Der 54. Jahreskongress der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie (ASH) fand von 08. bis 11. Dezember in Atlanta, Georgia, statt. Mit über 700 Präsentationen, Postern und Veröffentlichungen zum Thema Multiples Myelom (MM) bot auch die diesjährige ASH-Konferenz wieder allerlei Wissenswertes. Dank dieser Studien sind wir in der Lage, unser Wissen von mittlerweile geläufigen Medikamenten sowie neuen und vielversprechenden Molekülen bzw. Antikörpern weiter zu vertiefen. Unsere Fähigkeiten bei der Untersuchung, Abbildung, Identifikation, Kontrolle und Behandlung von MM sowie unser Verständnis der dieser Erkrankung zugrunde liegenden Biologie verbessern sich stetig. Auch in diesem Jahr bildet das IMF-Programm „10 Steps to Better Care“® den Rahmen für die wichtigsten Schlussfolgerungen und Erkenntnisse. Auf ash.myeloma.org finden Sie Videointerviews mit ASH-Vortragenden und/oder Begleitfolien zu Präsentationen sowie den vollständigen Text der von der IMF veröffentlichten „ASH 2012 Multiple Myeloma Highlights”.



1. Schritt. Wissen, womit Sie es zu tun haben.

Verbessertes Überleben

Dr. Shaji Kumar (Mayo Clinic, Rochester, MN) sprach über Continued Improvement in Survival in MM and the Impact of Novel Agents und stellte ermutigende Posterpräsentationen vor, die die kontinuierliche Verbesserung des Gesamtüberlebens (OS) bei MM dokumentieren. Dr. Kumars Daten zeigen für den Zeitraum von 2006-2010 bei Patienten ein medianes OS von 7,3 Jahren, was beinahe einer Verdoppelung der für den Zeitraum von 2001-2005 errechneten Verbesserung entspricht. Die Daten sind vor allem in Verbindung mit älteren Patienten beeindruckend und auf Auswirkungen neuartiger Wirkstoffe zurückzuführen.

Vorbehandlung MDS/ALL

Dr. Neha Korde (National Cancer Institute, National Institutes of Health, Bethesda, MD) referierte über Early Myelodysplastic Changes Present in a Substantial Proportion of MGUS and SMM Patients. Eine populationsbezogene Studie an 5652 schwedischen Patienten zeigte für Patienten mit monoklonaler Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) und schwelendem MM (SMM) eine achtfach höhere Wahrscheinlichkeit, ein myelodysplastisches Syndrom (MDS) und akute Leukämie zu entwickeln.

Dr. Linsey Roeker (Mayo Clinic, Rochester, MN) hielt einen Vortrag über Development of MDS and Acute Leukemias in Patients with MGUS. Dr. Roerker verwendete eine Datenbank aus 17.315 MGUS-Patienten und stellte zudem fest, dass Patienten, die an Störungen der Plasmazellen leiden, ein inhärentes MDS-Risiko aufweisen.


Schritt 2. Untersuchungen, die Sie wirklich brauchen.
Schritt 6. Bewertung des Therapie-Ansprechens: Ist die Behandlung wirksam?
Schritt 8. Das Myelom im Auge behalten: Monitoring, das jeder versteht.

Genomik/FISH

Dr. Leif Bergsagel (Mayo Clinic, Scottsdale, AZ) erörterte Promiscuous Cryptic Rearrangements of MYC Locus Cis-Dysregulate MYC Expression and Are Present in the Majority of Patients with Hyperdiploid Myeloma. Dr. Bergsagels Forschungsarbeit identifiziert den MYC-Genlocus und seine Rolle für die Progression von MGUS zu aktivem MM.

Dr. Benjamin Hebraud (Hôpital Purpan, Toulouse, Frankreich) sprach über 1p22 and 1p32 deletions are Independent Prognosis Factors in Young Patients with Myeloma. Diese wichtige Studie unterstreicht jene zytogenetischen Anomalien von Chromosom 1, die sich auf die Prognose bei MM auswirken.

Cereblon

Dr. Steven Schuster (Mayo Clinic, Scottsdale, AZ) referierte über Cereblon Expression Predicts Response, Progression-Free and Overall Survival after Pomalidomide and Dexamethasone Therapy in MM. Cereblon (CRBN) begegnete uns das erste Mal bei der ASH 2011 und die fünf bei der ASH 2012 vorgestellten Abstracts vertieften unser Wissen zu diesem direkten Zielprotein für Immunmodulatoren (IMiDs®). Dr. Schuster zeigte den möglichen Nutzen von CRBN-Tests im klinischen Umfeld auf.

Zirkulierende Plasmazellen

Dr. Malek Faham (Clinical Cancer Center der New York University, New York, NY) präsentierte Detection of MM Cells in Peripheral Blood Using High-Throughput Sequencing Assay. Eine Kohorte an MM-Patienten wurde mithilfe einer neuen, hochsensitiven Technik darauf untersucht, ob sich eine minimale Resterkrankung (MRD) in peripherem Blut statt im Knochenmark feststellen lässt. Mithilfe dieses neuen Assays konnten bei 93 % der Patienten Myelom-Klonotypen in peripheren Blut-MM-Zellen nachgewiesen werden.

Dr. Bruno Paiva (Hospital Universitario de Salamanca, Salamanca, Spanien) referierte über Phenotypic, Functional, and Circadian Characterization of Peripheral Blood Multiple Myeloma Circulating Tumor Cells (CTCs). Dr. Paiva untersuchte die Bewegung zirkulierender Tumorzellen (ZTZ) vom Knochenmark hin zum peripheren Blut. ZTZ sind quieszente, nicht-proliferierende Zellen und werden, wie auch hämatopoetische Stammzellen, vom zirkadianen Rhythmus moduliert; sie erreichen während der Ruhezeiten von Patienten ihre höchste Konzentration und kolonisieren weitere Bereiche des Knochenmarks. Diese Zellen spielen möglicherweise bei der Metastasierung eine Rolle.

Hevylite®

Dr. Mark Drayson (University of Birmingham, Birmingham, GB) sprach über Immunoglobulin Heavy/Light Chain Measurements During Monitoring Provide Prognostic Information of Relapse After Therapy in MM. Die Forscher untersuchten IgA-MM-Patientenproben aus der MRC-IX-Studie und legten Daten vor, welche vermuten lassen, dass die Assay-Ergebnisse für die Anteile der schweren/leichten Immunoglobulinkette bei IgA-Patienten bessere Resterkrankungs-Marker darstellen als elektrophoretische Methoden und dass die Normalisierung sowohl der FLC- als auch der HLC-Werte einen größeren Patientennutzen bergen als der Prognosewert der stringenten kompletten Remission (sCR).

PET

Dr. Saad Usmani (University of Arkansas for Medical Sciences, UAMS, Little Rock, AR) sprach über 18-FdG Pet Focal Lesion and Avidity Suppression as Early as Day 7 Post-Induction Chemotherapy Predicts for Superior Outcome in Newly Diagnosed MM Patients Treated with TT3 Trials, eine Studie der PET-Scans von an der UAMS behandelten Patienten, welche ergab, dass Veränderungen der Läsionen bereits sehr früh sichtbar werden und die Prognose in Abhängigkeit der Anzahl an Läsionen gestellt werden konnte, die an Tag 7 nach dem Therapiebeginn PET-avid sind.


Schritt 3. Initiale Behandlungsoptionen.

Kyprolis® (Carfilzomib)

Dr. Pieter Sonneveld (Erasmus Universität, Rotterdam, Niederlande) stellte das Abstract 333 vor: Carfilzomib Combined with Thalidomide and Dexamethasone Is a Highly Effective Induction and Consolidation Treatment in Newly Diagnosed Patients with MM Who Are Transplant Candidates. Diese Phase-II-Studie wurde mit dem Ziel durchgeführt, die Sicherheit, Wirksamkeit, maximal verträgliche Dosis, Ansprechrate (AR) und das progressionsfreie Überleben an 50 neudiagnostizierten Patienten zu untersuchen. Nach der Transplantation und Konsolidierung betrug die gesamte AR 90 % und die Rate der vollständigen Remissionen (CR) 35 %.

Dr. Joseph Mikhael (Mayo Clinic, Scottsdale, AZ) präsentierte Results from the Phase II Dose Expansion of Cyclophosphamide, Carfilzomib, Thalidomide, and Dexamethasone (CyClone) in Patients with Newly Diagnosed MM. Das Grundprinzip dieses Vierfach-Behandlungsschemas basiert auf der weltweiten Verfügbarkeit und minimalen Toxizität dieser Arzneimittel. Die Behandlung erfolgte vier Zyklen lang vor der Stammzellernte. Das Behandlungsschema war äußerst wirksam und wurde gut vertragen.

Dr. Antonio Palumbo (Universität von Turin, Turin, Italien) sprach über Carfilzomib, Cyclophosphamide, and dexamethasone (CCd) for Newly Diagnosed MM Patients.

Diese Studie bewertete die Induktions- und Erhaltungstherapie mit CCD bei über 65-jährigen oder für Transplantationen nicht in Frage kommenden Patienten. CCD wurde 9 Zyklen lang verabreicht, gefolgt von Carfilzomib-Mono-/Erhaltungstherapie bis zur Krankheitsprogression. 100 % der Patienten wiesen am Ende von Zyklus 9 zumindest ein partielles Ansprechen (PR) auf.

Dr. Neha Korde (National Cancer Institute, National Institutes of Health, Bethesda, MD) referierte über Phase II Clinical and Correlative Study of Carfilzomib, Lenalidomide, and Dexamethasone (CRd) in Newly Diagnosed MM Patients. Der Status der minimalen Resterkrankung (MRD) mittels Durchflusszytometrie zeigte, dass alle 10 nCR-/sCR-Patienten (von 45 Studienteilnehmern) MRD-negativ sind. Schwere Toxizitäten traten nur eingeschränkt auf und das Ansprechen erfolgte rasch und tiefgreifend.

Velcade® (Bortezomib)

Dr. Antonio Palumbo (Universität von Turin, Turin, Italien) präsentierte Overall Survival Benefit for Bortezomib-Melphalan-Prednisone-Thalidomide Followed by Maintenance with Bortezomib-Thalidomide (VMPT-VT) Versus Bortezomib-Melphalan-Prednisone (VMP) in Newly Diagnosed MM Patients. Dr. Palumbo stellte seine Studie als „Beste experimentelle Therapie vs. Bester Therapiestandard” dar. Sein besonderes Interesse galt der Synergie zwischen einem Proteasom-Inhibitor und einer immunmodulierenden Substanz (ImiD), die im experimentellen Versuchsarm verwendet worden war. Das Behandlungsschema aus vier Medikamenten ermöglichte eine bessere Krankheitskontrolle, könnte für über 75-jährige Patienten jedoch möglicherweise zu toxisch sein.

Dr. Gunjan Shah (Tufts Medical Center, Boston, MA) sprach über Subcutaneous (SQ) Bortezomib in Combination Regimens in Newly Diagnosed Patients with MM or Systemic AL Amyloidosis, wobei es sich um eine retrospektive Studie an 19 neudiagnostizierten Patienten mit MM oder AL handelt, die zeigte, dass bei der Verwendung von subkutanem Velcade in Kombinationstherapien nur 5 % der Patienten eine Velcade-Dosisreduzierung aufgrund einer Thrombozytopenie benötigten.

Dr. David Simpson (North Shore Hospital, Auckland, Neuseeland) präsentierte Once-Weekly SQ Bortezomib with Cyclophosphamide and Dexamethasone Is Well-Tolerated and Effective as Initial Treatment in Symptomatic MM. Alle neudiagnostizierten Patienten dieser Einrichtung wurden mit CyBorD behandelt. Patienten, die auf eine Transplantation warteten, erhielten vier Zyklen lang VTD zur Konsolidierung. Die Behandlungen wurden gut vertragen und das Therapieansprechen verbesserte sich mit jedem Behandlungszyklus.

MLN 9708

Dr. Shaji Kumar (Mayo Clinic, Rochester, MN) referierte über eine Phase-I/II-Studie zu wöchentlichem MLN9708, einem Investigational Oral Proteasome Inhibitor, in Combination with Lenalidomide and dexamethasone in Patients with Previously Untreated MM. MLN9708 ist der erste orale Proteasom-Inhibitor. Zum Zeitpunkt von Dr. Kumars Vortrag hatten 92 % der Studienpatienten ein partielles Ansprechen oder ein besseres Ergebnis (≥ PR) erreicht. Gegenwärtig nehmen zwei Phase-III-Studien Teilnehmer auf, eine für neudiagnostiziertes und eine für rezidiviertes/refraktäres Myelom.


Schritt 4. Unterstützende Behandlungsmaßnahmen.

Infektionen

Dr. Cecilie Blimark (Sahlgrenska Universitätskrankenhaus, Göteburg, Schweden) präsentierte MM and Infections, a Population-Based Study Based on 9,610 MM Patients. Die Infektionsrate von Patienten im Schwedischen Krebsregister wurde mit beinahe 38.000 gesunden Kontrollpersonen verglichen. Es wurde festgestellt, dass die Infektionsrate von MM-Patienten im Zeitalter neuer Therapien gestiegen ist, weshalb Studien zu prophylaktischen Maßnahmen geboten sind.

Bisphosphonat-Therapie

Dr. Noopur Raje (Massachusetts General Hospital, Boston, MA) präsentierte Bone Marker-Directed Dosing of Zoledronic Acid for the Prevention of Skeletal Complications in Patients with MM. Die endgültigen Ergebnisse der Z-MARK-Studie, welche Werte des Knochenresorptionsmarkers Urin-N-Telopeptid verwendete, um zu untersuchen, ob Patienten Zoledronsäure (ZA) dreimonatlich statt monatlich verabreicht werden kann, zeigen, dass eine dreimonatliche Bisphosphonat-Therapie machbar und sicher ist, obwohl wir nach wie vor nicht wissen, ob es sich bei Urin-N-Telopeptid um den am besten geeigneten Marker handelt.

Zweiter Primärtumor (SPM)

Dr. Vaishali Sanchorawala (Boston University School of Medicine, Boston, MA) sprach über Risk of Second Primary Malignancies in Patients with AL Amyloidosis Treated with Lenalidomide. Obwohl die Überprüfung der Ergebnisse dieser Past-hoc-Studie möglicherweise einer längeren Nachverfolgung bedarf, scheint die Verwendung von Melphalan, gefolgt von einer Revlimid-Therapie, das SPM-Risiko von AL-Amyloidose-Patienten nicht zu erhöhen.

Dr. Guillemette Fouquet (Hôpital Claude Huriez, Lille, France) stellte das Abstract 2964 vor: Efficacy and Safety Profile of Longterm Exposure to Lenalidomide in Relapsed MM. Keiner der über drei Jahre lang mit Lenalidomid behandelten Patienten bildete einen SPM aus. 62 % der Patienten nahmen länger als drei Jahre lang Lenalidomid ein, was das gute Sicherheits- und Toleranzprofil dieses Arzneimittels unterstreicht.


Schritt 5. Transplantation

Es gab bei der ASH-Konferenz 2012 nur wenige mündliche Beiträge zum Thema Transplantation bei MM, zahlreiche Posterpräsentationen boten jedoch neue Ideen für die Optimierung von Konditionierungsbehandlungsschemata und die Risikobewertung bei Transplantationspatienten. Wir heben drei bedeutende Studien hervor, von denen sich zwei mit allogener Transplantation und die dritte mit der Rolle von Velcade bei Hochrisikopatienten beschäftigt, die sich einer Autotransplantation unterziehen.

Allogene Transplantationen

Dr. Mauricette Michallet (Centre Hospitalier Lyon Sud, Pierre Benite, Frankreich) präsentierte Allogeneic Hematopoietic Stem Cell Transplantation in First-Line High-Risk MM Patients. Das Konzept der Behandlung von Hochrisiko-MM-Patienten mithilfe von Allo-Transplantation als Erstlinientherapie anstelle des Abwartens späterer Rückfälle sorgte in Forscherkreisen für jede Menge Diskussionen. Diese wichtige Studie zeigte ein signifikant verbessertes progressionsfreies Überleben (PFS) und OS bei Patienten, die mithilfe von Auto-/Mini-Allo, gefolgt von einer ImiD-Therapie mit Velcade plus Donor-Lymphozyten-Infusion (DLI) behandelt wurden, verglichen mit Patienten, die ausschließlich Auto-/Mini-Allo-Transplantationen erhielten.

Dr. William Bensinger (Fred Hutchinson Cancer Research Center, Seattle, WA) stellte das Abstract 3064 vor: Lenalidomide Is Effective Therapy for Relapse after Allogeneic Stem Cell Transplant for MM. Da es in einer vorherigen Studie bei der Verwendung von Revlimid als Erhaltungstherapie nach einer Allo-Transplantation zu unzumutbaren Graft-versus-Host-Reaktionen (GVHD) kam, war man allgemein der Ansicht, Revlimid sei nach einer Allo-Transplantation keine Option. Diese Studie demonstrierte die Wirksamkeit von Revlimid in der Behandlung von Patienten, die nach einer Allo-Transplantation einen Rückfall erlitten hatten, und zeigte auf, dass es möglich ist, das von den Spenderzellen gebildete, neue Immunsystem zu nutzen, ohne hohe GVHD-Werte zu riskieren.

Autotransplantation

Dr. Michele Cavo (Fakultät für Medizin der Universität Bologna, Bologna, Italien) präsentierte Impact of Bortezomib Incorporated into Autotransplantation on Outcomes of MM Patients with High-Risk Cytogenetics, eine Analyse von an vier europäischen Studien teilnehmenden Patienten. Die Analyse von Patienten, die im Vorfeld einer ein- bzw. zweifachen Autotransplantation mittels Velcade enthaltenden Induktionsbehandlungsschemata behandelt wurden, ergab, dass die Verwendung von Velcade bei ein- wie auch zweifachen Autotransplantationen die CR-Dauer während des gesamten Behandlungsablaufes signifikant erhöht. Für die OS-Nachsorge wird mehr ausgereiftes Datenmaterial benötigt.


Schritt 7. Konsolidierung und/oder Erhaltungstherapie

Dr. Laura Rosinol (Hospital Clínic de Barcelona, Barcelona, Spanien) präsentierte Maintenance Therapy after Stem Cell Transplantation for MM with Bortezomib/Thalidomide vs. Thalidomide vs. alfa2b-Interferon. Alle Patienten in dieser randomisierten Pethema/GeM-Studie erhielten VTD-Induktion, gefolgt von Autotransplantation. Die Ergebnisse der Erhaltungsphase der Studie zeigen, dass das PFS mit VT gegenüber den beiden anderen Erhaltungsschemata zwar signifikant länger war, sich das OS über einen medianen Nachsorge-Zeitraum von knapp drei Jahren in den drei Armen jedoch kaum unterschied und die Auswirkung einer Poor-Risk-Zytogenetik auch durch die Einbeziehung von Velcade nicht ausgeglichen werden konnte.


Schritt 9. Behandlung bei Rezidiv.
Schritt 10. Neue klinische Studien.

Wie immer beschäftigten sich auch bei der diesjährigen ASH-Konferenz zahlreiche Präsentationen mit bekannten und neuen Therapien zur Behandlung von rezidiviertem/refraktärem MM, einem Gebiet, in dem auch heute noch sehr aktiv geforscht wird. Nachfolgend einige der vielversprechendsten Aussichten.

Pomalyst® (Pomalidomid)

Es gab sieben Vorträge zum Thema Kombinationstherapien mit Pomalyst für rezidivierte/refraktäre MM, allesamt mit ausgezeichneten Ergebnissen:

• Pomalidomid + Carfilzomib + Dexamethason
• Pomalidomid+ Cyclophosphamid + Prednison
• Clarithramycin + Pomalidomid + Dexamethason
• Pomalidomid + Dexamethason
• Pomalidomid + Cyclophosphamid + Dexamethason
• Pomalidomid + Bortezomib + Dexamethason.

Monoklonale Antikörper

Zusätzlich zu Elotuzumab, dem mittlerweile allseits bekannten ersten zur MM-Behandlung genutzten monoklonalen Antikörper, wurden Vorträge gehalten zu frühen Studien zu Daratumumab (Anti-CD 38), BT062 (Anti-CD 138), Tabalumab (Anti-BAFF) und Lorvotuzumab-Mertansine (Anti-CD 56). Daratumumab ist der aufregendste dieser vielversprechenden Antikörper, dessen frühzeitige Aktivität in Monotherapie bereits im Rahmen der ASH-Konferenz 2011 gezeigt wurde.

Proteasom-Inhibitor

Zwei neue orale Proteasom-Inhibitoren verdienen es, hier erwähnt zu werden: MLN9708 und ONX0912 (oder Oprozomib).

Dr. Giampaolo Merlini (Forschungs- und Behandlungszentrum für Amyloidose, IRCCS-Stiftung Poliklinik San Matteo, Universität von Pavia, Pavia, Italien) präsentierte MLN9708, a Novel, Investigational Oral Proteasome Inhibitor, in Patients with Relapsed or Refractory Light-Chain AL Amyloidosis. Zuvor behandelte Patienten, die nach drei MLN9708-Zyklen CR oder besser aufwiesen, behielten die MLN9708-Monotherapie bei; Patienten mit <PR erhielten MLN9708 mit Dexamethason wöchentlich. Die Gesamtansprechrate betrug 60 % und abgesehen von Thrombozytopenie traten nur leichte Nebenwirkungen auf.

Dr. Michael Savona (Sarah Cannon Research Institute, Nashville, TN) referierte über A Phase Ib Dose-Escalation Study of Split-Dose Oprozomib in Patients with Hematologic Malignancies. Diese Studie zu ONX0912 bei intensiv vorbehandelten Patienten hat die maximal tolerierte Dosis (MTD) nicht erreicht und Thrombozytopenie stellte das einzige unerwünschte Ereignis des Grades 3-4 dar. Es gab ein PR und ein minimales Ansprechen (<PR) bei Patienten mit MM.

HDAC-Inhibitoren

Dr. Noopur Raje (Massachusetts General Hospital, Boston, MA) präsentierte vorläufige Daten der First-in-human-Studie Rocilinostat (ACY-1215), a Selective HDAC6 Inhibitor, Alone and in Combination with Bortezomib in MM. Forscher erkannten ab der zweiten Dosierungsstufe Anzeichen für ein Ansprechen und es lagen keine dosisbeschränkenden Toxizitäten bzw. schwerwiegenden Nebenwirkungen vor.

Es gab mehrere Abstracts zu Panobinostat, darunter von Dr. Paul Richardson (Dana-Farber Cancer Institute, Boston, MA), PANORAMA 2: Panobinostat Combined with Bortezomib and Dexamethasone in Patients with Relapsed and Bortezomib-Refractory MM. Dr. Richardsons Studie kombiniert Panobinostat mit Velcade und Dexamethason bei Velcade-refraktären Patienten, um herauszufinden, ob diese Kombination das Ansprechen auf Bortezomib zu erneuern vermag. Ein Drittel dieser Velcade-refraktären Patienten zeigte >PR und das mediane OS war in Monat 8,1 noch nicht erreicht worden.

Andere neue Medikamente

Dr. Shaji Kumar (Mayo Clinic, Rochester, MN) präsentierte Studiendaten des neuen CDK-Inhibitors Dinaciclib (SCH727965) bei Patienten mit rezidiviertem MM, der eine vielversprechende Aktivität in Monotherapie zeigt. Laufende Studien evaluieren unterschiedliche Dosierungsschemata und Kombinationstherapien mit Proteasom-Inhibitoren.

Dr. Wenming Chen (Chaoyang Krankenhaus der Capital Medical University, Peking, China) stellte Studiendaten vor, die deshalb so bedeutsam sind, weil es sich dabei um das erste Medikament handelt, das in China für MM entwickelt wurde. Beim rekombinanten zirkulär permutierten TRAIL (CPT) handelt es sich um eine neue zielgerichtete Therapie für die Behandlung rezidivierter oder refraktärer MM.

Dr. Heinz Ludwig (Wilhelminenspital, Wien, Österreich) präsentierte Studiendaten zu Bendamustin-Bortezomib-Dexamethason (BBD) in einer intensiv vorbehandelten rezidivierten/refraktären MM-Patientenpopulation. Bendamustin, ein in den USA zur Behandlung von chronischer myeloischer Leukämie (CML) unter dem Namen Treanda® vermarkteter Wirkstoff aus der Gruppe der Alkylantien wird gut vertragen und zeigt signifikante Aktivität.

Dr. Jatin Shah (MD Anderson Cancer Center, Houston, TX) sprach über ARRY-520, einen Kinesin-Spindel-Protein-Inhibitor, der in Verbindung mit MM-Zellen einen neuartigen Wirkmechanismus nutzt und keine Kreuzresistenz mit anderen Anti-MM-Medikamenten aufweist. Alle Patienten in dieser Studie waren (in Bezug auf Velcade, Revlimid und Dexamethason) „dreifach refraktär“ und hatten bereits mindestens zwei Therapielinien hinter sich. Die Gesamtansprechrate mit ARRY-520 in Monotherapie lag bei 16 % bzw. bei 22 % in Kombination mit Dexamethason.

Dr. Nikhil Munshi (Dana-Farber Cancer Institute, Boston, MA) präsentierte erste Hinweise einer anabolen Wirkung am Knochen von in Monotherapie verabreichtem BHQ880, einem vollständig menschlichen anti-DKK1-neutralisierenden Antikörper, bei zuvor unbehandelten Patienten mit hohem bzw. mittlerem SMM-Risiko. Nach sechs Monaten zeigt die quantitative Computertomographie vorläufige Anzeichen für verbesserte Wirbelkörperfestigkeit.

Dr. Aaron Rapoport (Greenebaum Cancer Center, University of Maryland, Baltimore, MD), der sich intensiv mit gentechnisch veränderten autologen T-Zellen beschäftigt, präsentierte zwei Studien:

Daten der Combination Immunotherapy after ASCT for MM using MAGE-A3/Poly-IClC Immunizations Followed by Vaccine-Primed and Activated Autologous T-Cells zeigen, dass T-Zell-Infusionen gut vertragen wurden und keine Toxizität ≥ Grad 3 auslösten.

Adoptive Transfer of Gene-Modified T-Cells Engineered to Express High-Affinity TCRs for Cancer-Testis Antigens NY-ESO-1 or Lage-1 in MM Patients Post ASCT war die erste Studie, bei der gentechnisch veränderte Zellen (GEC) bei MM eingesetzt wurden. Es wurde festgestellt, dass die Verwendung von GEC nach einer Autotransplantation sicher, gut verträglich und wirksam ist. Eine Studie zum Einsatz von GEC ohne Autotransplantation ist derzeit in Planung.

Zusammenfassung

Bei der ASH-Konferenz 2012 gab es viel zu lernen und auch im Laufe der nächsten Monate und Jahre wird es Vieles geben, worauf wir uns freuen dürfen, während unser Wissen über MM sowie das damit verbundene Behandlungsarsenal immer umfangreicher werden.

Anmerkung des Verfassers: Der vollständige digitale Text der von der IMF veröffentlichten ASH 2012 Multiple Myeloma Highlights steht unter ash.myeloma.org zur Verfügung und ein gedrucktes Exemplar kann mittels E-Mail an IMF@myeloma.org oder telefonisch unter 800-452-CURE (2873) angefordert werden.


 

 
 

Patienten und Betreuungspersonen
auf der ASH-Konferenz 2012

Etliche Myelom-Patienten, Betreuungspersonen und Leiter von Selbsthilfegruppen aus dem ganzen Land besuchten gemeinsam mit ungefähr 18.000 professionellen Gesundheitsdienstleistern den kürzlich in Atlanta, Georgia, abgehaltenen 54. Jahreskongress der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie (ASH). Ihre Konferenzteilnahme wurde von der Internationalen Myelom-Stiftung (IMF) gesponsert.

Im Rahmen der ASH-Konferenz wurde der Kenntnisstand dieser Patientenanwälte zum Thema Myelom auf den neuesten Stand gebracht. Im Gegenzug überbrachten sie unter Verwendung sozialer Medien wie Blogs, Twitter, Videos und Facebook den zuhause gebliebenen Myelom-Patienten dieses neuerworbene Wissen.

Die ASH-Konferenz ist die führende Hämatologie-Klausurtagung der Welt und fand von 8. bis 11. Dezember im Georgia World Congress Center statt. Etwa 300 Unternehmen, Verleger und gemeinnützige Organisationen, darunter die IMF und ihre Mitglieder, trafen sich auf diesem hochmodernen Messegelände zu ihrer Tagung.


Teresa S. Miceli, RN, BSN, OCN
Mitglied, IMF Nurse Leadership Board
Verbindungsschwester für die Leiter der IMF-Selbsthilfegruppe

Teresa ist Diplomkrankenschwester, verfügt über eine 20-jährige Berufserfahrung und ist eine Veteranin im Bereich Transplantation in der Mayo Clinic in Rochester, Minnesota. Teresa ist international als Myelom-Sprecherin tätig, Mitglied des Nurse Leadership Board (NLB) der IMF und Vermittlerin der Myelom-Selbsthilfegruppe in Rochester. Obwohl Teresas Rolle im Rahmen der ASH-Konferenz in der Aufbereitung von Informationen bestand, um „das Wissen und die Perspektive von Patientenanwälten zu vertiefen“, schreibt sie die Erweiterung ihres eigenen Horizonts den Patienten selbst zu. „Ich fühle mich geehrt, dass ich diese fabelhafte Erfahrung machen durfte. Dass ich vier Tage lang Teil einer Gruppe energiegeladener, leidenschaftlicher und zur Förderung der Myelom-Forschung entschlossener Menschen sein durfte”, wie sie es ausdrückt.

Jack Aiello
Co-Leiter der MM-Selbsthilfegruppe
San Francisco Greater Bay Area

Jack, bei dem 1995 ein Myelom diagnostiziert wurde, erinnert sich:
„Gespräche zwischen Myelom-Experten mitzuverfolgen, hat mir sehr gut gefallen.” Doch wenn sich selbst Experten uneins sind über die Behandlungs- und Erhaltungsschemata, wie sollen dann erst Patienten wissen, was für sie am besten ist? Obwohl es frustrierend sein kann, keine definitiven Antworten zu bekommen, dürfen wir doch nie vergessen, dass es viel schlimmer wäre, überhaupt KEINE Behandlungsoptionen zu haben. Vor 18 Jahren konnte ich lediglich zwischen zwei verfügbaren Behandlungen wählen. Die ASH-Konferenz 2012 war lehrreich und inspirierend und ich freue mich bereits auf die ASH-Konferenz 2013 in New Orleans!”

Yelak Biru
Co-Leiter der MM-Selbsthilfegruppe North Texas

Bei Yelak wurde vor über 15 Jahren im Alter von 26 Jahren ein Myelom festgestellt. Obwohl allein das Wort „Krebs“ seiner Familie Angst machte, bewältigte Yelak diese Krankheit auf seine typisch positive Art. „Ich war erleichtert, dass das Myelom mich getroffen hatte, und nicht jemanden, der mir am Herzen lag”, sagt er. „Ich wusste, dass ich es mit der Krankheit aufnehmen und mit der Behandlungssituation klarkommen würde wie kaum jemand sonst. Die ASH-Konferenz ist ein jährliches Treffen, das Menschen wie mir fortwährend Hoffnung macht. Mein Ziel bei der ersten Diagnose war es, weitere fünf Jahre lang zu leben. Nun, fünfzehn Jahre später, habe ich mir vorgenommen, auf das definitive Heilmittel für diese Krankheit zu warten.“

Nancy Bruno
Co-Leiterin, Leiterin der MM-Selbsthilfegruppe Atlanta
Regionalleiterin der IMF-Selbsthilfegruppen Südost

„Mein Ehemann, bei dem 1998 ein Myelom festgestellt wurde, und ich verstanden am Anfang nur Bahnhof”, sagt Nancy. „Laut den Ärzten hatte er nur noch zwei bis drei Jahre lang zu leben. Heutzutage gibt es derart viele gute Neuigkeiten aus der Myelom-Forschung, dass heutige Patienten zu Recht zuversichtlich sein dürfen. „Ich freue mich schon darauf, anderen Menschen meinen Kenntnisstand und meine Zuversicht mitzuteilen.”

Cindy Chmielewski
Mitglied der MM-Vernetzungsgruppe Philadelphia

Cindy wurde 2008 diagnostiziert und sie nahm sehr rasch eine aktive Rolle innerhalb der Myelom-Gemeinschaft wahr. Auf Twitter nutzt sie „@MyelomaTeacher”, um Mitpatienten und andere Menschen zu erreichen, Forschungserkenntnisse zu teilen, beachtenswerte Artikel zum Thema aufzustöbern und eine Online-Gemeinschaft für Menschen zu schaffen, die so viel als möglich über diese Krankheit erfahren möchten. „Ich habe gelernt, mit Myelom zu leben”, sagt Cindy. „Und ich versuche, anderen dabei zu helfen, mit dieser unberechenbaren, einzigartigen Krankheit zurechtzukommen.”

Pat Killingsworth
Co-Leiter der MM-Selbsthilfegruppe Nature Coast

Pat begann vor sechs Jahren mit der erstmaligen Behandlung seines Myeloms. Nachdem er vor einem Jahr einen Rückfall erlitt, unterzog er sich für „neun lange Monate” einer medikamentösen Therapie und befindet sich heute wieder in Remission. Pat arbeitet als medizinischer Fachautor und hat drei Bücher zum Thema Myelom verfasst. Wann immer es mit seinem Gesundheitszustand vereinbar ist, reist Pat umher, um vor Patienten, Pflegefachkräften und Ärzten zu sprechen. Seine Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, Patientenaufklärung zu betreiben – und die Hoffnung nicht aufzugeben. Pat ist auch als Blogschreiber aktiv. „Hier auf der ASH-Konferenz konnte ich viele wertvolle Informationen sammeln, die ich an andere Betroffene weitergeben kann.“

Jim Omel, MD
Co-Leiter der MM-Selbsthilfegruppe Central Nebraska

Dr. Omel, der seine an Multipler Sklerose erkrankte Frau rund um die Uhr selbst pflegt, wurde 1997 mit Multiplem Myelom diagnostiziert. Im Jahr 2000 beendete er seine aktive Berufslaufbahn als Mediziner und begann seine neue Aufgabe als Patientenanwalt. Er war Mitglied des Direktoriumsbeirates für Konsumentenkontakt (Director’s Consumer Liaison Group, DCLG) des Nationalen Krebsinstituts (National Cancer Institute, NCI) und fungierte in dieser Organisation ebenfalls als wissenschaftlicher Berater (Mitglied des Board of Scientific Advisors, BSA). Dr. Omel vertrat im Rahmen der erfolgreich erteilten Zulassung von Carfilzomib (Kyprolis®) die Patientenseite im Beirat für onkologische Arzneimittel (Oncologic Drugs Advisory Committee, ODAC) der amerikanischen Nahrungsmittelüberwachungs- und Arzneimittelzulassungsbehörde (Food and Drug Administration, FDA). Neben der Aufgabe als Co-Leiter seiner Selbsthilfegruppe engagiert sich Dr. Omel auch für die Alliance Cooperative Group, das Internationale Forschungszentrum für Blut- und Knochenmarktransplantation (CIBMTR), das Moffit-Krebszentrum sowie im Vorstandsrat seines lokalen Krankenhauses.

Cindy Ralston
Leiterin der MM-Selbsthilfegruppe Kansas City Metro

Vor ihrer Diagnose im Jahr 1996 hatte Cindy noch nie zuvor von einer Krankheit namens Multiples Myelom gehört. „Gott sei Dank habe ich die Internationale Myelom-Stiftung (IMF) gefunden“, sagt sie. Noch im selben Jahr leistete sie Unterstützungsarbeit bei der Gründung der MM-Selbsthilfegruppe Kansas City Metro und ist seitdem ein aktives Mitglied der Myelom-Gemeinschaft. Als Myelom-Langzeitüberlebende stellt Cindy eine der zahlreichen Erfolgsgeschichten im Kampf gegen diese Krankheit dar, die auf der ASH-Konferenz anwesend waren. „Ebenso wie die Myelom-Selbsthilfegruppen schenkt auch die ASH-Konferenz sehr vielen Menschen Hoffnung“, sagt Cindy. „Unsere Gemeinschaft wächst dank der Unterstützung durch die IMF kontinuierlich weiter und kann Myelom-Patienten mehr und bessere Unterstützung zuteil werden lassen.”

Paula Van Riper
Leiter der MM-Selbsthilfegruppe Central New Jersey

„Auf der ASH-Konferenz 2012 hatte ich die Gelegenheit, topaktuelle Informationen der Myelom-Forschung aus erster Hand einzuholen”, sagt Paula, die seit 13 Jahren mit Myelom lebt. „Beim Myelom-Symposium der IMF, welches zum Auftakt der ASH-Konferenz abgehalten wurde, waren über 700 Ärzte anwesend! Die wissenschaftlichen Daten waren manchmal ganz schön dicht gepackt, aber Teresa Miceli hat uns dabei unterstützt, die Informationen, die wir aus den Präsentationen mitgenommen haben, besser und umfassender zu verstehen. Diese Konferenz war eine Goldgrube für neue Hoffnung und Inspirationen. Ich bin der IMF unglaublich dankbar dafür, Patienten Zugang zu den neuesten Informationen über das Mutliple Myelom zu verschaffen.“

 
 
 

IMF Forschungsstipendien 2013

Die Internationale Myelom-Stiftung (IMF) gewährt vielversprechenden klinischen Forschern aus aller Welt seit 18 Jahren finanzielle Unterstützung, um die Behandlungsergebnisse für Patienten mit Multiplem Myelom (MM) zu verbessern. Die IMF vergibt mehrere Forschungsstipendien, darunter den nach dem 1992 an einem Myelom verstorbenen IMF-Gründer benannten Brian D. Novis-Forschungspreis. Die IMF-Forschungspreise werden aus privaten Spenden finanziert und einmal pro Jahr vergeben.

Von der IMF finanzierte Forschungsarbeiten haben zu zahlreichen Publikationen geführt, es Forschern ermöglicht, sich im Bereich MM zu etablieren, bedeutende Beiträge zum Verständnis der Biologie von MM geleistet und darüber hinaus die Entwicklung besserer Therapien unterstützt. Wir sind mehr als zuversichtlich, dass auch die Arbeiten der Empfänger der IMF-Forschungsstipendien 2013 maßgebliche Beiträge zur Myelomforschung und -behandlung leisten werden.

IMF-Forschungsgelder verdanken sich privaten Spenden: Die Senior-Forschungspreise sind mit $80.000 dotiert, Junior-Preise mit $50.000. Die Vergabezeremonie der IMF-Forschungspreise 2013 fand während des 54. Jahreskongresses der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie (American Society of Hematology, ASH) in Atlanta, Georgia, statt.

 

Brian D. Novis-Senior-Forschungspreise 2013

Einer der diesjährigen Brian D. Novis-Senior-Forschungspreise ging an Manoj Pandey, PhD, von der Medizinischen Fakultät der Pennsylvania State University in Hershey, Pennsylvania. Zweck der Studie von Dr. Pandey ist es, die biologische Signifikanz der NF-κB-Inhibition in MM-Zellen zu beschreiben, wobei ein neuartiger NF-κB-Inhibitor, eine Gambogasäure (GA), zum Einsatz kommt. Im Knochenmark finden MM-Zellen eine Mikroumgebung vor, die ihr Zellwachstum sowie ihre Resistenz gegenüber herkömmlichen Therapien fördert. Die Aktivierung des Kernfaktors (NF)-κB wurde mit der Pathogenese von MM in Verbindung gebracht; daher könnte NF-κB ein potenzielles Ziel-Molekül für die MM-Prävention darstellen. Diese Studie wird den Rahmen der klinischen Bewertung von GA erarbeiten, sowohl bei alleiniger Verabreichung als auch in Kombinationstherapien, um Behandlungsergebnisse von MM-Patienten zu verbessern.

Ein weiterer Brian D. Novis-Senior-Forschungspreis ging dieses Jahr an Jetze J. Tepe, PhD, von der Michigan State University in East Lansing, Michigan. Aktuelle Myelom-Behandlungen beinhalten oft eine Proteasom-Inhibition, doch so gut wie alle Patienten (~97 %) entwickeln innerhalb einiger Monate bis Jahre eine Resistenz und/oder Unverträglichkeit als Reaktion auf die Behandlung. Dr. Tepes Forschungsprojekt untersucht den Mechanismus eines neuen Typs der Proteasom-Regulation mittels TCH-Präparaten, die in der Zellkultur und in vivo hervorragende Wirksamkeit gegen Myelomzellen zeigen, eine additive Wirkung in Kombination mit Velcade ® (Bortezomib) aufweisen und darüber hinaus auch zur Überwindung der Resistenz diesem Arzneimittel gegenüber beitragen.


Brian D. Novis-Junior-Forschungspreise 2013

Ein Brian D. Novis-Junior-Forschungspreis für das Jahr 2013 ging an Antonia Cagnetta, MD, vom Dana-Farber Cancer Institute und der Harvard Medical School in Boston, Massachusetts. Dr. Cagnetta war schon 2012 mit einem Brian D. Novis-Junior-Forschungspreis ausgezeichnet worden. Trotz der jüngsten Fortschritte mit neuen Arzneimitteln bleibt MM eine unheilbare Krankheit. Neue, als Monotherapie verwendete Wirkstoffe zeigten eine ausgeprägte Antitumor-Aktivität, doch die Anzahl der Patienten mit rezidivierender oder refraktärer Krankheit, bleibt nichtsdestotrotz hoch. Die Kombination dieser Wirkstoffe mit anderen Arzneimittelklassen zur Verbesserung des Behandlungserfolges für Patienten ist überaus vielversprechend. In diesem Jahr wird Dr. Cagnetta die Auswirkungen einer Kombinationstherapie mit dem neuen Präparat FK866 und Velcade (Bortezomib) in-vitro und in-vivo untersuchen und damit die Begründung für eine spätere klinische Entwicklung dieser Kombination liefern.

Brenda De Keersmaeker, MsC, PhD, von der Vrije Universiteit Brussel in Brüssel, Belgien, regt an, dass das Hauptziel auf dem Weg zu einem Heilmittel in der Eradikation der Resterkrankung liegt, beispielsweise mittels spezifischer Immunzellen. Das Forschungsprojekt von Dr. Keersmaeker umfasst die klinische Evaluierung einer neuen immuntherapeutischen Strategie zur MM-Behandlung, die zwei bedeutende Entwicklungen aus der jüngsten Vergangenheit integriert. Die erste dieser Entwicklungen ist die Einführung von Revlimid® (Lenalidomid), einem Arzneimittel mit immunmodulatorischen Eigenschaften. Die zweite ist die MM-Immuntherapie, die das Immunsystem stärken und dazu bringen könnte, Tumorzellen zu töten.

Thang Van Nguyen, PhD,vom California Institute of Technology des Howard Hughes Medical Institute in Pasadena, Kalifornien, forscht an der Identifizierung der Bindungspartner von Cereblon (CRBN) unter Verwendung von Proteom-Technologien sowie an der Bewertung der Auswirkungen immunmodulierender Substanzen (IMiDs®) auf die Ubiquitinierung und Degradation von CRBN-Substraten. Eine kürzlich durchgeführte Studie, die auf die Untersuchung der Rolle von CRBN bei MM abzielte, berichtete, dass CRBN in vitro für die Anti-Myelom-Wirkungen von IMiDs notwendig ist und MM-Zelllinien, die aufgrund ihrer Resistenz gegen IMiDs isoliert wurden, Deletionen im CRBN-Gen aufweisen, was darauf hindeutet, dass der therapeutische Effekt von IMiDs auf MM auf die Ausbildung eines IMiD-CRBN-Komplexes zurückzuführen ist Dr. Nguyens Forschungsarbeit wird entscheidende Einblicke liefern, die unser Verständnis der Modulation der Biologie der Myelom-Erkrankung durch IMiDs verbessern wird.

Els Van Valckenborgh, PhD, von der Vrije Universiteit Brussel in Brüssel, Belgien, untersucht, wie Tumorzellen die Produktion, Expansion und Funktion von myeloiden Suppressor-Zellen (MDSC) regulieren. Beim Multiplen Myelom wurde gezeigt, dass das Immunsystem nicht ausreichend effizient arbeitet, wodurch es zur Entwicklung und zum Wachstum von Tumorzellen kommt. Es gibt einige Zelltypen, die das Immunsystem negativ beeinflussen, darunter MDSC. Das Verständnis dieser Mechanismen wird Forschern dabei helfen, die Entwicklung des Myeloms besser zu verstehen und neue Therapien zur Verbesserung der Patientenbehandlung zu entwickeln.


IMF Sonder-Forschungspreis 2013

Der IMF Sonder-Forschungspreis 2013 wurde Juan Du, MD, PhD, vom Myeloma and Lymphoma Center des Shanghai Changzheng Hospital in Shanghai, China, verliehen. Ziel ihres Projekts ist es, ein neues Prognosemodell für das Multiple Myelom im Zeitalter neuer Wirkstoffe zu erstellen, basierend auf ISS, FISH und Serum-FCL (sFCL). Das Multiple Myelom ist eine heterogene Krankheit mit unterschiedlichem Krankheitsverlauf, unterschiedlichem Ansprechen auf Therapien und unterschiedlichen Überlebenschancen. Diese Variabilität gründet auf der Heterogenität, die sowohl durch die Zellbiologie des Myeloms als auch die zahlreichen individuellen Faktoren der einzelnen Patienten gegeben ist. Daher ist die Identifikation von Myelom-Patienten, die in Risikogruppen fallen, durch Prognose bei Diagnose und Rückfällen von entscheidender Bedeutung für das Verständnis des Krankheitsverlaufs und die Optimierung von Behandlungsstrategien. Dr. Du wird die Integration von ISS, FISH und sFCL zu einem neuartigen, gut validierten und einfach anzuwendenden Risikostratifizierungsmodell sowie dessen Anwendung untersuchen.


IMF-Japan Forschungspreise 2013

Zusätzlich zu den Brian D. Novis-Forschungspreisen 2013 vergab IMF-Japan zwei weitere Auszeichnungen an Forscher, die im Bereich Multiples Myelom arbeiten.

Aki Horinouchi-Forschungspreis

Dieser jährlich vergebene Preis für Myelom-Forschung wurde 2002 zur Erinnerung an den Gründer des IMF Japan, Aki Horinouchi, gestiftet.

Tetsuro Sasada, MD, PhD
„Development of Novel Immunotherapy Against Multiple Myeloma”

Abteilung für Immunologie und Immuntherapie der Medizinischen Fakultät der
Kurume University – Kurume, Japan

IMF-Japan Sonderforschungspreis

Masaki Ri, MD, PhD
„Pursuit of Mechanisms Responsible for Bortezomib Resistance and the Way To Conquer It in Multiple Myeloma”

Abteilung für Medizinische Onkologie und Immunologie an der Nagoya City University Graduate School of Medical Sciences – Nagoya, Japan

 
 
 

Myeloma Today im Gespräch
mit Dr. Rafat Abonour

 

Bitte erzählen Sie uns darüber, wie es zu Ihrem Engagement im Bereich Multiples Myelom gekommen ist.

Ich habe mein Medizinstudium an der Universität von Damaskus in Syrien absolviert. Für mein klinisches Praktikum und meine Facharztausbildung kam ich an die Universität von Wisconsin in Madison. Ich begann, im Rahmen meiner Tätigkeit Myelom-Patienten zu betreuen und Beziehungen zu ihnen aufzubauen, was zu meinem Interesse für diese Krankheit beitrug. Dies spielte sich ein Jahr vor der Einführung von Bisphosphonaten ab, als wir Ärzte bei Myelom-Patienten praktisch zusehen konnten, wie die Knochen infolge dieser Erkrankung zerbröselten. Es war offensichtlich, dass ein Bedarf für die Entwicklung von Behandlungen bestand und dass es notwendig war, Myelom-Patienten zu helfen, eine bessere Lebensqualität aufrechtzuerhalten.

Seit 18 Jahren arbeite ich an der medizinischen Fakultät der Indiana University (IU). Als ich hierher ankam, gab es kein Myelom-Programm. Also begann ich vor etwa 12 Jahren, ein solches aufzubauen. Damals war ich der einzige Arzt hier, der im Bereich Myelom arbeitete, nun sind wir zu fünft. Heute bin ich an der IU Professor für Medizin und Professor für Pathologie und Labormedizin sowie Direktor des Forschungsbüros für Erwachsenenstudien am Melvin and Bren Simon-Krebszentrum der IU.

Ich bin Mitglied des Myelom-Komitees der Eastern Cooperative Oncology Group (ECOG), einer der größten klinischen Forschungsorganisationen in den USA, und ich gehöre zum Akademischen Myelom-Konsortium (Academic Myeloma Consortium, AMyC) von CORE Science Solutions (CSS). Dieses Konsortium stellt ein innovatives Forschungsmodell dar, welches Expertise bezüglich operationeller Abläufe der onkologischen klinischen Forschung mit einer Gruppe von zentralen Meinungsmachern im Bereich Myelombehandlung und translationaler Forschung kombiniert. Da wir in der Lage sind, klinische Studien zügig durchzuführen, können wir neue Therapiestandards für die Behandlung von Myelom-Patienten etablieren.

Stichwort klinische Studien: Erzählen Sie uns doch bitte über die Car-Pom-d-Studie.

Früher waren wir schon zufrieden, wenn unsere Patienten ein partielles Ansprechen (PR) auf die jeweilige Behandlung zeigten. Heute jedoch verfügen wir in unserem Behandlungsarsenal über unglaubliche neuartige Wirkstoff-Kombinationen, die bei vielen Patienten zu einer vollständigen Remission (CR) führen. Ich habe in meiner Praxis Patienten, die seit über 20 Jahren an Multiplem Myelom erkrankt sind. Sie sind zwar nicht sehr zahlreich, aber ich glaube, das wird sich in absehbarer Zeit ändern.

Unglücklicherweise wird ein Großteil aller Patienten früher oder später therapierefraktär und Behandlungen, die früher gut für sie funktioniert haben, zeigen keine Wirkung mehr. Daher fragten wir AMyC-Mitglieder uns: „Können wir eine neue Kombinationstherapie finden?“ Wir konnten auf frühere Erfahrungen mit der Kombination von immunmodulierenden Substanzen (IMiDs®) und einem Proteasom-Inhibitor zurückgreifen, daher schien es uns offensichtlich, dass eine Kombination aus einem IMiD der neueren Generation und einem Proteasom-Inhibitor der neueren Generation erfolgreich sein würde.

Ich hatte das große Glück, derjenige zu sein, der den allerersten Patienten mit einer Kombination aus Kyprolis® (Carfilzomib), Pomalyst® (Pomalidomid) und Dexamethason (Car-Pom-d) behandelte. Die Krankheit dieses Patienten war überaus aggressiv und refraktär. Heute, über eineinhalb Jahre nach seinem Einschluss in unsere Car-Pom-d-Studie, geht es diesem Patienten noch immer extrem gut.

Wir schlossen den Phase-I-Teil der klinischen Studie erfolgreich ab, konnten die sicheren Dosierungen sowohl für Kyprolis als auch Pomalyst bestimmen und präsentierten unsere Daten im Dezember 2012 auf der Jahreskonferenz der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie (ASH). Sogar in Phase I konnten wir signifikante Ansprechraten beobachten. Nun sind wir zum Phase-II-Teil der Studie übergegangen. Viele meiner Patienten nehmen daran teil und die meisten von ihnen zeigen ein signifikantes Ansprechen auf diese Therapie. Wir erreichen nicht nur vollständige Remission (CR), sondern dauerhafte Remission, und das bei minimaler Toxizität.

Welche Nebenwirkungen konnten Sie bei der Car-Pom-d-Behandlung beobachten?

Zu den Nebenwirkungen, die wir im ersten Zyklus festgestellt haben, zählen Flüssigkeitsretention und Stauungsinsuffizienz, doch diese unerwünschten Ereignisse konnten zum größten Teil erfolgreich durch ambulante Behandlung kontrolliert werden, obwohl einige Patienten zwei bis drei Tage im Krankenhaus verbringen mussten. Wir beobachteten weder periphere Neuropathie noch Blutzellzahlen, die so drastisch abnahmen, dass Transfusionen notwendig gewesen wären. Nach dem ersten Zyklus können wir feststellen, dass es dem Großteil der Patienten gut geht und keine Notwendigkeit zur Dosisreduktion besteht.

Wie geht es mit Car-Pom-d nun weiter?

Car-Pom-d stellt in der Tat eine überaus vielversprechende Kombination dar, vor allem aufgrund ihrer Aktivität bei zuvor mit mehreren Therapien behandelten und refraktären Patienten. An der Studie nehmen mehrere akademische Forschungszentren teil und die Patientenrekrutierung geht zügig vonstatten. Angesichts der durch uns beobachteten, recht beschränkten Nebenwirkungen wäre der natürliche nächste Schritt in der Entwicklung dieser Kombinationstherapie ihr Einsatz zu früheren Zeitpunkten im Krankheitsverlauf, was mehr Patienten rascher zu einer guten Remission verhelfen könnte. Die Möglichkeit, Car-Pom-d als Erstlinien-Therapie bei MM einzusetzen, ist unserer Meinung nach eine vernünftige und wichtige Forschungsfrage.

In welche Richtung entwickelt sich die Myelom-Forschung Ihrer Meinung nach?

Was ich als besonders ermutigend empfinde, ist die Intensität der Zusammenarbeit zwischen den Forschern, die sich mit Multiplem Myelom beschäftigen. AMyC ist hier nur ein Beispiel unter vielen. Die bedeutendsten Myelom-Forschungsinstitute arbeiten gemeinsam an der Überwindung der Herausforderungen, mit denen wir uns auf unserer Suche nach einem Heilmittel konfrontiert sehen. Wir brauchen mehr und bessere Kombinationstherapien, in denen verschiedene Arzneimittelklassen miteinander kombiniert werden, um Resistenzen zu überwinden und mehr Patienten mit vollständigem Ansprechen (CR) zu erhalten. In zahlreichen Studien ist CR mit verbesserten Überlebensraten von Myelom-Patienten verbunden, und je mehr Patienten wir zu einer dauerhaften Remission verhelfen können, desto mehr nähern wir uns dem Ziel, ein Heilmittel für diese Krankheit zu finden. Außerdem müssen wir die minimale Resterkrankung (MRD) beim Myelom besser definieren und eine bessere Klassifizierung dieser Krankheit sowie bessere Patientenidentifikationstechniken finden. Dieser Punkt ist außerordentlich wichtig. Das Myelom ist keine einheitliche Krankheit. Jeder Patient weist Eigenheiten auf. Und es gibt eine kleine Patientenuntergruppe, die an äußerst schwerwiegenden und ungünstigen Myelom-Formen leidet. Wir müssen einen Weg finden, wie wir diese Menschen besser aus der Masse herausfiltern und ihre Krankheit gezielt behandeln können.

Meiner Meinung nach ist die retrospektive Analyse nicht unbedingt das beste Mittel zur Erforschung des Multipilen Myeloms. Die Konzeption groß angelegter prospektiver Studien erscheint mir als der produktivere Weg zur Entdeckung besserer Behandlungsmöglichkeiten. Die Myelom-Forschung befindet sich in einer aufregenden Ära, und meine allgemeine Perspektive ist sehr optimistisch. Heute beobachten wir bei unseren Patienten ein noch nie dagewesenes, unglaubliches und dauerhaftes Therapieansprechen. Ich glaube fest daran, dass wir uns auf dem richtigen Weg zu einem Heilmittel befinden.

Neben Ihrer Forschungsarbeit im Bereich Multiples Myelom engagieren Sie sich auch für die Förderung des öffentlichen Bewusstseins für diese Krankheit. Bitte erzählen Sie uns mehr darüber.

Es ist wichtig, anzuerkennen, dass die meisten Mitglieder der Myelom-Gemeinschaft über einen hervorragenden Wissenstand bezüglich ihrer Krankheit verfügen. Die IMF hat bei der Förderung der Informationsverbreitung ausgezeichnete Arbeit geleistet. Viele meiner Patienten besuchen IMF-Seminare und -Workshops, was ihnen zu einem besseren Verständnis des Myeloms und seiner Behandlungsmöglichkeiten verhilft. Ein starkes Netzwerk an Selbsthilfegruppen spielt ebenfalls eine wichtige Rolle dabei, die Verbindung zwischen den Patienten sowie den Informationsfluss aufrechtzuerhalten.

Seit 2005 begebe ich mich jeden Herbst für zwei Tage auf eine Reise quer durch den Bundesstaat Indiana, um das Bewusstsein für das Multiple Myelom zu stärken und Forschungsgelder zu sammeln. Der Laufsport, auch das Marathon-Laufen, begeistert mich sehr, daher bestand mein Engagement zunächst aus einem Lauf-Tag und einem Fahrrad-Tag, doch jetzt mache ich zwei Fahrrad-Tage. Den Großteil meines Sommers verbringe ich damit, für diese Tour zu trainieren. Wenn ich nicht Dienst habe, bin ich unterwegs, um mich auf dieses Ereignis vorzubereiten.

Ich habe im Dienste der guten Sache ungefähr 1400 Meilen oder rund 2250 Kilometer zurückgelegt. Oft begleiten mich Patienten oder Pflegefachkräfte auf einzelnen Teilstücken meiner Strecke. Einige laufen, andere fahren mit dem Rad, und ich muss sagen, es ist eine unglaubliche Erfahrung, die wir miteinander teilen. Als ich meine Forschungsarbeiten auf dem Gebiet des Multiplen Myeloms begann, war die Vorstellung von Myelom-Patienten, die laufen und Rad fahren, schlichtweg unmöglich. Es ist eine sehr bereichernde Erfahrung, den wissenschaftlichen Fortschritten bei der Myelom-Behandlung beiwohnen zu dürfen, und es ist ebenso aufregend, zu beobachten, dass meine Patienten dank dieser Verbesserungen in den Bereichen Myelom-Therapie und unterstützende Pflege länger und aktiver leben können. 

 
 

Subkutan verabreichtes Velcade® (Bortezomib)

Einführung und Übersicht

Anlässlich des Jahreskongresses der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie (ASH) trafen sich am 4. Dezember neun Mitglieder des Nurse Leadership Boards (NLB), um über die subkutane (s.c) Verabreichung von Velcade® (Bortezomib) bei Patienten mit Multiplem Myelom (MM) zu diskutieren. Beim NLB handelt es sich um ein Komitee von Pflegefachkräften, die an führenden MM-Zentren arbeiten und Empfehlungen für die Pflege und Betreuung von MM-Patienten entwickeln. Im derart erstellten NLB-Bericht, der unten in gekürzter Form erscheint, werden die Höhepunkt der Diskussionen vom 4. Dezember sowie Praxisempfehlungen mit einem breiteren Publikum geteilt.

Velcade ist ein Proteasom-Inhibitor, der für die Behandlung von MM-Patienten indiziert ist. Es wurde erstmals im Jahr 2003 von der amerikanischen Nahrungsmittelüberwachungs- und Arzneimittelzulassungsbehörde FDA als intravenöse Formulierung zugelassen und nach einer Zulassungsstudie der Phase III für die subkutane (s.c.) Verabreichung im Januar 2012 freigegeben, in der die Forscher zeigten, das Velcade s.c. der Behandlung mit Velcade i.v. in Bezug auf die Wirksamkeit bei Patienten mit rezidiviertem MM nicht unterlegen ist. Außerdem schien Velcade s.c. ein besseres Sicherheitsprofil bezüglich der Inzidenz und des Schweregrades von peripherer Neuropathie aufzuweisen.

Aktuelle Verwendung von Velcade

Im Verlauf des vergangenen Jahres haben etwa 80 % aller Patienten von Velcade i.v zu Velcade s.c. gewechselt. Zurzeit verabreichen alle Mitglieder des NLB-Komitees Velcade s.c. und sie berichten auch, dass diese Verabreichungsart in den Praxen, in denen sie arbeiten, sowie in Praxen in den umliegenden Gemeinden seit der FDA-Zulassung vermehrt genutzt wird. In einigen Fällen wurden klinische Protokolle abgeändert, um Velcade s.c. als Routinebestandteil in die medizinische Versorgung aufzunehmen. Der Zeitpunkt, an dem Velcade s.c. in den Behandlungszyklus eingefügt wird, variiert zwischen den einzelnen Institutionen. Manche Zentren weisen neu diagnostizierte Patienten einem Behandlungsregime mit Velcade s.c. zu, da sie es bevorzugen, die Therapie mit dem geringstmöglichen Risiko für Neuropathie zu beginnen, während andere zur Behandlung neu diagnostizierter Patienten zunächst Velcade i.v. bevorzugen und erst später auf Velcade s.c. umstellen. Dies ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass die Zulassung von Velcade s.c. auf einer klinischen Studie basierte, die sich auf MM-Patienten mit rezidivierter Krankheit konzentrierte.

Oft werden Patienten bezüglich der Verwendung von Velcade s.c. in Risikogruppen unterteilt (So werden z. B. Patienten mit größerem Risiko für Neuropathie, ältere Patienten und Patienten in Erhaltungstherapie mit größerer Wahrscheinlichkeit mittels subkutaner Verabreichung behandelt). Spezifische Daten zu Hochrisiko-MM-Patienten, die Velcade s.c. erhalten, sind nur sehr beschränkt verfügbar, weshalb diese Patienten im Allgemeinen mittels intravenöser Verabreichung behandelt werden. Zahlreiche Patienten, die ihre Behandlung mit Velcade i.v. beginnen, können auf den subkutanen Verabreichungsweg umgestellt werden, sobald sich ihre Gesundheitsdienstleister mit der FDA-Zulassung und den damit verbundenen Sicherheits- und Wirksamkeitsprofilen vertraut gemacht haben. Andere Faktoren, die die Anwendung von Velcade s.c. beeinflussen können, umfassen Patientenpräferenzen. So bevorzugen beispielsweise Patienten, die eine Abneigung gegen Injektionen haben und ästhetische Bedenken bezüglich Hautveränderungen ins Treffen führen, mit hoher Wahrscheinlichkeit die i.v.-Formulierung. Generell steht ein Großteil der Patienten dem Ausprobieren neuer Modalitäten positiv gegenüber und zeigt eine offene Einstellung gegenüber dem Einsatz von Velcade s.c.. Tatsächlich beginnen MM-Patienten als Folge der patientenorientierten Information, von ihren Gesundheitsdienstleistern Velcade s.c. zu verlangen, sogar in Praxen, in denen die i.v.-Verabreichung die Standardbehandlung darstellt.

Anwendungserfahrungen

Die Komitee-Mitglieder stimmten überein, dass Patienten in Behandlung mit Velcade s.c. ihre Therapie länger fortführten als i.v.-Patienten. Sie merkten an, dass dies unter Umständen als ein Faktor eines überlegenen therapeutischen Index von Velcade s.c. gesehen werden könnte, der sich jedoch möglicherweise aus dem wöchentlichen Dosierungsplan ergibt, der oft mit der s.c.-Verabreichung von Velcade verbunden ist.

Irritationen an der Injektionsstelle stellen eine der häufigsten Herausforderungen bei der Behandlung mit subkutan verabreichtem Velcade dar. Die Komitee-Mitglieder boten eine Reihe von Empfehlungen an, die sich in den einzelnen Praxen als erfolgreich für die Verbesserung der s.c.-Verabreichung und die Verringerung von Irritationen an der Injektionsstelle erwiesen haben, darunter: Kalibrierung der Nadelgröße entsprechend des vorhandenen subkutanen Fettgewebes, Sicherstellen der Raumtemperatur des Arzneimittels vor der Verabreichung in den Körper, Aufteilung der Velcade-i.v.-Forumlierung (1 mg/mL anstelle von 2.5 mg/mL) auf zwei subkutane Injektionen und Verwendung der Sandwich-Technik mit Luft.

Dosierung und Management von Nebenwirkungen

Da die Datenlage zeigt, dass eine einmal wöchentliche Verabreichung von Velcade bei Patienten in Erhaltungstherapie nicht nur ebenso wirksam ist wie eine zweimal wöchentliche Gabe, sondern auch zu weniger Neuropathien und hämatologischer Toxizität führt, erhalten zahlreiche Patienten in Erhaltungstherapie Velcade ein Mal pro Woche. Die Komitee-Mitglieder merkten auch an, dass Patienten, die nicht mehr auf eine einmal wöchentliche Velcade-Gabe ansprechen, bei einem Wechsel auf eine Verabreichung zwei Mal pro Woche oft ein erneutes Ansprechen auf die Therapie zeigen. Tatsächlich bevorzugen einige Mitglieder bei Patienten mit Anzeichen eines Krankheitsfortschritts zunächst eine Erhöhung der Behandlungsfrequenz, bevor sie das Hinzufügen eines weiteren Wirkstoffes oder den Wechsel zu einer anderen Therapie in Erwägung ziehen.

Zusätzlich zu Veränderungen, die auf eine verbesserte Wirksamkeit hinarbeiten, können Dosisveränderungen zur Verbesserung der Verträglichkeit eingesetzt werden. Die Komitee-Mitglieder verfügen über beachtliche Erfahrungen bei der Dosisreduktion von Velcade zur Verringerung von Nebenwirkungen, wobei üblicherweise jedoch eine Dosis von 1 mg/m2 nicht unterschritten wird. In den seltenen Fällen, in denen die Dosis von 0,7 mg/m2 zum Einsatz kommt, handelt es sich um Patienten mit schweren Lebererkrankungen und schwerwiegender Neuropathie. Die Experten betonten, dass bei der Verwendung von Velcade s.c. zwar bedeutend weniger Neuropathien auftreten als mit Velcade i.v., dass Neuropathie jedoch auch bei s.c.-Patienten auftreten kann und auftritt. Daher ist es unabdingbar, dass Pflegefachkräfte auch weiterhin ihre Patienten bei jeder Visite bezüglich Neuropathie bewerten, selbst wenn diese mit Velcade s.c. behandelt werden.

MM-Patienten können infolge einer Krankheitsprogression oder aufgrund einer Nebenwirkung der Velcade-Behandlung an Zytopenie leiden. Daher stehen die Komitee-Mitglieder einer Dosisreduktion bis zur Klärung der eigentlichen Ursache einer vorliegenden Zytopenie eher vorsichtig gegenüber. Besteht der Verdacht, dass die Zytopenie infolge der Velcade-Behandlung bei Patienten auftritt, die keine Maximalbehandlung benötigen, so stellt die Dosisreduktion eine Option dar; steht die Zytopenie jedoch in Verbindung mit der Krankheitsprogression, wird die Behandlung während der Zytopenie fortgesetzt und der Patient unterstützend gepflegt. Erleben Patienten eine Zytopenie infolge des Fortschreitens ihrer Krankheit, wird die Velcade-Dosis üblicherweise nicht reduziert, da die Eindämmung des weiteren Krankheitsfortschritts als vorrangig betrachtet wird.

Mit der Verwendung von Velcade wurde auch eine Reaktivierung von Herpes-Viren in Verbindung gebracht, die bei 6-11 % der neu diagnostizierten und rezidivierenden refraktären Patienten auftritt. Obwohl die Verabreichung einer virostatischen Prophylaxe für Patienten in Velcade-Behandlung empfohlen wird, stellten die Komitee-Mitglieder fest, dass viele der mit Velcade s.c. behandelten Patienten keine antiviralen Arzneimittel erhalten. Die Experten berichteten über einige Fälle, in denen Velcade-Patienten während ihrer Therapie eine Herpes-Zoster-Erkrankung (Gürtelrose) entwickelten und betonten die Bedeutung der virostatischen Prophylaxe für Patienten in Velcade-Behandlung, unabhängig vom Verabreichungsweg.

Alle waren sich einig, dass ein Bedarf an auf Pflegefachkräfte ausgerichteten Fortbildungs- und Informationsstrategien bezüglich der Nebenwirkungen von Velcade besteht.

Dynamische Entwicklungen in der Praxis

Spezialisierte Pflegefachkräfte (nurse practitioners) und Krankenpfleger spielen nicht nur bei der Betreuung von Patienten eine einflussreiche Rolle, sondern auch bei der Veränderung der klinischen Praxis. Auch wenn es letztendlich die Ärzte sind, die entscheiden, welche Medikamente sie verschreiben, so haben spezialisierte Pflegefachkräfte und Krankenpfleger doch beträchtlichen Einfluss darauf, welche Arten von Arzneimitteln zum Einsatz kommen, welcher Verabreichungsweg gewählt wird und wie lange Patienten bei einer bestimmten Therapie bleiben.

Die Komitee-Mitglieder merkten an, dass die Behandlung von Patienten mit Velcade s.c. in einem „Injektionszimmer”, das von den für andere Patienten zum Verabreichen von Infusionen genutzten Räumlichkeiten abgetrennt ist, praktische Vorteile bringt. Diese Strategie kann zwar bei vielen Patienten funktionieren, die Velcade s.c. erhalten, doch Pflegefachkräfte müssen zuvor sorgfältig evaluieren, wo die einzelnen Patienten mit ihrer Krankheit stehen, wie schnell diese fortschreitet, wie lange sie sich schon in einer Behandlung befinden, wie gut sie ihre Therapie vertragen und welche Komorbiditäten vorliegen. Es ist von besonderer Bedeutung, dass allen Patienten im Rahmen ihrer Termine die notwendige und angemessene Zeit für direkte persönliche Gespräche mit ihren Betreuern geboten wird. In einer Praxis wurden die Pflegekräfte nach Tumortypen in Gruppen aufgeteilt (z.B. HCC-Team, MM-Team, Lungen-Team). Es stellte sich heraus, dass sich die Qualität der Patientenbetreuung dramatisch verbessert, wenn man Krankenschwestern und –pflegern die Möglichkeit bietet, sich auf einem bestimmten Gebiet zu spezialisieren.

Abschlusserklärung

Generell waren sich die Komitee-Mitglieder einig, dass sich Velcade s.c. zunehmend zu einem anerkannten Behandlungsstandard für Patienten in Erhaltungstherapie entwickelt. Auch wenn das NLB glücklicherweise bekanntgeben kann, dass die Prävalenz von Neuropathie bei der subkutanen Verabreichung geringer ist, bleibt es von grundlegender Bedeutung, weiterhin alle Patienten auf die Ausbildung von Neuropathien zu überwachen. Die Expertengruppe betonte den weiterhin bestehenden Bedarf an Ausbildung und Information von Pflegefachkräften zum Thema subkutane Velcade-Verabreichung und Management von Nebenwirkungen.



WORUM HANDELT ES SICH BEI POMALYST® (POMALIDOMID) UND WIE WIRD ES ANGEWENDET?

Worum handelt es sich bei Pomalyst® (Pomalidomid) und wie wird es angewendet?

 

Pomalyst® (Pomalidomid) ist eine oral einzunehmende Kapsel. Pomalyst ist das neueste oral einzunehmende immunmodulierende Arzneimittel (IMiD®). IMiDs können die Funktion des Immunsystems verändern oder regulieren. Da es sich beim Multiplen Myelom um eine Krebserkrankung bestimmter Zellen des Immunsystems handelt, sind IMiDs besonders wirksame Substanzen im Kampf gegen diese Krankheit. Pomalyst ist chemisch verwandt mit Thalomid® (Thalidomid), das in den frühen 2000er-Jahren erstmals gegen das Multiple Myelom zur Anwendung kam, und Revlimid® (Lenalidomid), das von der FDA im Jahr 2006 zugelassen wurde, nur dass Pomalyst weiterentwickelt und verbessert wurde, um eine noch bessere Wirksamkeit zu erzielen.

Die Kombination aus Pomalyst und Dexamethason, einem oralen Glukocorticoid, wurde von der amerikanischen Nahrungsmittelüberwachungs- und Arzneimittelzulassungsbehörde FDA am 8. Februar 2013 zugelassen. Pomalyst ist ein Thalidomid-Analog, das für Patienten mit rezidiviertem/refraktärem Myelom indiziert ist, welche zumindest zwei vorangehende Therapien mit Revlimid und Velcade® (Bortezomib) durchlaufen und innerhalb von oder nach 60 Tagen nach Ende der letzten Behandlung eine Krankheitsprogression aufwiesen. Die FDA-Genehmigung basierte auf der Ansprechrate. Klinische Vorteile wie die Verbesserung der Überlebensrate wurden nicht überprüft.

Die IMF organisiert unsere Fortbildungs-Informationen entsprechend des Konzepts „10 Steps to Better Care“®, von der Diagnose (Schritt 1) über klinische Studien und bis zur Informationsbeschaffung (Schritt 10). Relevante Informationen zu sämtlichen einzelnen Schritten, darunter Richtlinien für Tests, Behandlungen, Transplantationen, Bewertung des Ansprechens, Management von Nebenwirkungen und Behandlung rezidivierender Krankheiten stehen auf der IMF-Webseite in den jeweiligen Abschnitten bzw. Schritten auf dem Weg zu einer besseren Pflege zur Verfügung. Pomalyst fügt sich an den folgenden Stellen in das Konzept „10 Steps to Better Care“
ein:
• Schritt 4 – Unterstützende Behandlung (Management von Nebenwirkungen)
• Schritt 9 – Rückfall: Ist ein Wechsel der Therapie für Sie notwendig?
• Schritt 10 – Neue klinische Studien.

Die Pomalyst-Kapsel wird ein Mal täglich zwei Stunden vor oder nach einer Mahlzeit unzerkaut mit einem Glas Wasser eingenommen. Pomalyst wird oral in einer Dosierung von 4 mg pro Tag von Tag 1 bis Tag 21 eines zu wiederholenden 28-tägigen Zyklus bis zur Krankheitsprogression verabreicht. Die empfohlene Dexamethason-Dosis beträgt 40 mg pro Tag an Tag 1, 8, 15 und 22 jedes 28-tägigen Behandlungszyklus. Pomalyst-Kapseln werden in den Dosisstärken 1 mg, 2 mg, 3 mg und 4 mg hergestellt. Ihr Arzt wird entscheiden, ob es notwendig und/oder angemessen ist, Sie mit einer Dosierung zu behandeln, die unter der empfohlenen Dosis von 4 mg liegt.

Im Rahmen der Jahreskonferenz der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie (ASH) im Dezember 2012 in Atlanta, Georgia, wurden die Daten aus der umfangreichen, randomisierten, internationalen Studie MM-003 der Phase III an 455 Patienten mit rezidiviertem/refraktärem Myelom präsentiert. Diese Studie war dazu konzipiert, die Kombination von 4 mg Pomalyst, verabreicht über 21 Tage eines 28-tägigen Zyklus mit niedrig dosiertem Dexamethason, verabreicht in einer Dosierung von 40 mg einmal pro Woche (20 mg pro Woche für Patienten im Alter von über 75 Jahren), mit hochdosiertem Dexamethason zu vergleichen, das in einer Dosierung von 40 mg an den Tagen 1-4, 9-12 und 17-20 im Verlauf eines 28-tägigen Behandlungszyklus (20 mg für Patienten im Alter von über 75 Jahren) verabreicht wurde. Patienten mussten im Vorfeld zumindest zwei aufeinanderfolgende Behandlungszyklen mit Velcade und Revlimid abgeschlossen haben, entweder als Monotherapie oder in Kombination, und eine Krankheitsprogression während der Therapie oder innerhalb von 60 Tagen nach ihrer letzten Myelom-Therapie aufweisen. Zu einem vorab festgelegten Zeitpunkt wurde das zwischenzeitliche Gesamtüberleben (overall survival, OS) bewertet und festgestellt, dass dieses unter Pomalyst in Kombination mit niedrig dosiertem Dexamethason im Vergleich zu hochdosiertem Dexamethason signifikant länger war. Das Komitee für Datensicherheit der Studie empfahl den unmittelbaren Wechsel (Cross-over) der Patienten im hochdosierten Dexamethason-Arm zur Behandlung mit Pomalyst in Kombination mit niedrig dosiertem Dexamethason.

Im Rahmen derselben ASH-Konferenz fasste Dr. Martha Lacy von der Mayo Clinic in Rochester, Minnesota, die Phase-II-Daten von 345 Patienten mit rezidiviertem/refraktärem Myelom zusammen, die an dieser Klinik in sechs aufeinanderfolgenden Phase-II-Studien mit unterschiedlich hohen Pomalyst-Dosen in Kombination mit einer wöchentlichen 40 mg-Dosis Dexamethason behandelt worden waren. Über alle sechs Studien hinweg wurden ein partielles Ansprechen (PR, definiert als Verringerung monoklonaler Proteine um mindestens 50 %) oder bessere Ergebnisse bei 34 % der Patienten beobachtet. Mit der 4 mg-Dosis zeigte sich bei Patienten, die sowohl gegenüber Velcade als auch Revlimid refraktär waren, bei 29 % ein bestätigtes Ansprechen, dass über PR hinausging. Pomalyst in Kombination mit niedrig dosiertem Dexamethason erwies sich selbst bei intensiv vorbehandelten sowie Hochrisiko-Patienten als aktiv und gut verträglich.

Zu den bedeutendsten Erkenntnissen der Laborstudien über Pomalyst gehört die Tatsache, dass Pomalyst eine schädliche Auswirkung auf die Entwicklung der Föten von Labortieren hat. Da Pomalyst eine ähnliche chemische Struktur aufweist wie Thalidomid, von dem bekannt ist, dass es schädliche Auswirkungen auf die Entwicklung ungeborener Kinder hat, sollte Pomalyst niemals von Schwangeren oder gebärfähigen Frauen eingenommen werden.

Da Pomalyst auch in die Samenflüssigkeit von männlichen Patienten übergeht, die dieses Arzneimittel einnehmen, müssen diese ebenfalls verpflichtende Verhütungsmaßnahmen einhalten.

Aufgrund des Risikos der Schädigung des ungeborenen Kindes ist Pomalyst nur im Rahmen eines eingeschränkten Programms zur Risikobewertung und –begrenzung (Risk Evaluation and Mitigation Strategy, REMS) namens „POMALYST REMS“ verfügbar. Verschreibende Ärzte und Apotheker müssen sich für dieses Programm zertifizieren, Patienten müssen eine Einwilligungserklärung unterzeichnen und sich an die entsprechenden Vorgaben halten. Sie oder Ihr Arzt müssen jegliche vermutete Pomalyst-Exposition eines ungeborenen Kindes über das MedWatch-Programm unter der Nummer 800-332-1088 an die FDA sowie an die Celgene Corporation unter 888-423-5436 berichten.

Frauen im gebärfähigen Alter sowie alle männlichen Patienten sind verpflichtet, monatlich an einer Telefonbefragung teilzunehmen. Ärzte müssen allmonatliche Schwangerschaftstests überprüfen, Verschreibungen auf einen Vorrat für eine 28-tägige Behandlung beschränken und Schwangerschaften an die FDA melden.

Da zahlreiche Medikamente in die menschliche Muttermilch übergehen und aufgrund der potenziellen unerwünschten Ereignisse, die sich aufgrund des Stillens von Kindern bei gleichzeitiger Einnahme von Pomalyst ergeben können, sollte entweder das Stillen beendet oder das Medikament abgesetzt werden, wobei die Bedeutung des Arzneimittels für die Mutter zu bedenken ist.

Es gibt Fallberichte über akute myeloische Leukämie bei Patienten, die Pomalyst in klinischen Studien erhielten, doch keiner dieser Patienten nahm an einer Myelom-Studie teil.

Es wurden noch keine formalen Arzneimittel-Interaktionsstudien mit Pomalyst durchgeführt, welches hauptsächlich durch die Enzymsysteme CYP1A2 und CYP3A metabolisiert wird. Pomalyst ist auch ein Substrat von P-Glykoprotein (P-gp). Nehmen Sie Pomalyst nicht zusammen mit Arzneimitteln, die als starke Inhibitoren von CYP1A2, CYP3A, oder P-gp fungieren. Zigarettenkonsum verringert möglicherweise die Pomalyst-Exposition aufgrund einer CYP1A2-Aktivierung. Patienten sollten sich darüber im Klaren sein, dass Zigarettenkonsum die Wirksamkeit von Pomalyst verringern kann. Besprechen Sie sämtliche Bedenken oder Fragen bezüglich möglicher Arzneimittelinteraktionen mit Ihrem Arzt und Apotheker.

Pomalyst wird in der Leber verstoffwechselt. Pomalyst und die daraus entstehenden Stoffwechselprodukte werden über die Niere ausgeschieden. Der Einfluss von Nieren- und Leberfunktionsstörungen auf die Sicherheit, Wirksamkeit und Pharmakokinetik von Pomalyst wurde noch nicht bewertet. Folgende Patienten sollten von einer Pomalyst-Einnahme absehen:
• Patienten mit einem Serum-Kreatinin von >3,0 mg/dL
• Patienten mit einem Serum-Bilirubin von >2,0 mg/dL
• Patienten mit AST/ALT-Werten von >3,0 x ULN (upper limit of normal, obere Grenze des Normalbereichs)

Patienten müssen sich vor der Pomalyst-Einnahme dieser und anderer Warnungen und Vorsichtsmaßnahmen bewusst sein. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder mit Ihrer Pflegefachkraft, wenn Sie Veränderungen Ihres Gesundheitszustands bemerken. Ein „guter Patient” zu sein, bedeutet nicht, still vor sich hin zu leiden; es bedeutet vielmehr die genaue und rasche Bekanntgabe von Problemen oder Veränderungen in Zusammenhang mit Ihrem Gesundheitszustand an Ihren Gesundheitsdienstleister, was diesem ermöglicht, angemessene Maßnahmen zu treffen.

Für einen umfassenderen Überblick zu Pomalyst lesen Sie bitte die neue von der IMF herausgegebene Broschüre mit dem Titel  „Understanding Pomalyst® (pomalidomide) capsules“, die auf der IMF-Webseite unter myeloma.org verfügbar ist oder fordern Sie diese telefonisch unter der Nummer 800-452-CURE (2873). 

 

Anmerkung des Verfassers: Besuchen Sie die Webseite myeloma.org, um auf die besten und aktuellsten Informationen zum Thema Myelom zuzugreifen. Mit Fragen oder Bedenken in Verbindung mit MM wenden Sie sich bitte an die IMF-Hotline. Die IMF-Hotline ist in den USA und in Kanada unter der Nummer 800-452-CURE (2873) erreichbar, aus dem Ausland unter 818-487-7455. Hier werden Anrufer von fürsorglichen und mitfühlenden Menschen mit hochqualitativen Informationen versorgt. Die Hotline-Mitarbeiter sind Debbie Birns, Paul Hewitt, Missy Klepetar und Judy Webb. Anrufe werden von Montag bis Freitag von 09.00 bis 16.00 Uhr (Pacific Standard Time, UTC-8) entgegengenommen. Wenn Sie Ihre Fragen online einreichen möchten, tun Sie dies bitte unter folgender E-Mail-Adresse: hotline@myeloma.org.

 

 

Die besten Wünsche für IMF-Mitglied Gregor Brozeit


Gregor Brozeit hat sich von seinem Amt im IMF nach 15 Jahren Dienst im Namen der Myelom-Gesellschaft in Deutschland und anderen Teilen Europas pensionieren lassen. Wir danken ihm für seine Unterstützung der Patienten und Pflegefachkräfte durch Fürsprache und für die Organisation von Informationsseminaren für Patienten, Pflegefachkräfte und Angestellte im Gesundheitswesen. Gregor Brozeit hat die Mentalität der Myelom-Gesellschaft in Europa mit verändert und wir werden seinen professionellen Beitrag während seiner IMF-Amtszeit vermissen. Wir wünschen ihm alles Gute für seine Zukunftspläne.

 

 


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