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Juni 2010
4. Jahrgang, 2. Ausgabe

Herzlich willkommen zu einer Spezialausgabe der Myelom-Merkur
In dieser Ausgabe bringen wir Ihnen einen Bericht des sehr erfolgreichen Patiententages, der kürzlich in Berlin stattfand, zusätzlich die Ankündigung einer wichtigen Studie der Universität Heidelberg und eine Ankündigung von Video-links zu der Myelom-Tagung vom Oktober 2009 in Heidelberg.

Der Bericht über den Berliner Patiententag wurde von Dr. Heiko Dau aus Neumünster geschrieben. Heiko ist ein Myelom-Patient, der sich im vierten Jahr nach allogener Stammzelltransplantation befindet und in Vollremission seit November 2009 ist. Er war vor seiner Erkrankung als Unfallchirurg tätig. Er zeigt besondere Betrachtungen und Brennpunkte der Schlüsselelemente jedes Vortrages und Gespräches des Patiententages.

Wie viele von Ihnen wissen, gab es eine Pause in der Produktion des Myelom-Merkur. Zusätzlich habe ich bemerkt, dass viele e-Mail-Adressen verloren gegangen sind, als die IMF eine große Änderung ihrer Datenbank und des Servers vorgenommen hat. Wir hoffen, die meisten bald wieder rekonstruieren zu können. Wenn Sie im April keine Sendung erhalten haben, sehen Sie bitte auf unserer Website für eine Rückfrage nach. Wenn Sie andere Interessierte kennen, die bisher den Myelom-Merkur erhalten haben und befürchten, aus der Liste gefallen zu sein, so möchten diese bitte eine e-Mail an merkur@myeloma.org senden mit dem Begriff „Anmelden“ in der Betreff-Zeile. Wir werden ebenfalls mit der Myelom-Gemeinschaft kommunizieren, um dies bekannt zu machen.

Patiententag in Koblenz

Prof. Dr. Ralph Naumann, die Selbsthilfegruppe Multiples Myelom Mayen-Koblenz und die IMF werden am Sonntag, den 13. Juni, in der Zeit von 12:00 – 15:00 Uhr Gastgeber des Patiententages am Stiftungsklinikum Mittelrhein in Koblenz sein. Hauptvortragende werden Prof. Naumann und Prof. Einsele ( Würzburg ), Prof. Goldschmidt ( Heidelberg ) und Prof. Weide ( Koblenz ) sein. Zusätzlich wird es ein Kurzprogramm für neu diagnostizierte Patienten und diejenigen geben, die eine kurze Einführung in das Myelom haben möchten. Dieses kurze Einführungsprogamm beginnt um 11:00 Uhr. Die Registration für die gesamte Veranstaltung findet in der Zeit von 10:30-12:00 Uhr statt. Für weitere Informationen gehen Sie bitte auf greg.brozeit@sbcglobal.net  oder  H.Eberwein@web.de.

Patiententag in Leipzig

Prof. Dr. Dietger Niederwieser von der Universität Leipzig und die Selbsthilfegruppe Multiples Myelom/Plasmozytom Leipzig sind in Kooperation mit der IMF Gastgeber des Patiententages am Sonnabend, den 19. Juni, im Westin Leipzig in der Zeit von 15:00-18:00 Uhr. Dr. Wolfram Pönisch (Universität Leipzig ) ist ebenfalls einer der Hauptvortragenden. Für weitere Informationen gehen sie bitte auf das entsprechende Program.

Heidelberger Patiententags
Wir freuen uns, Ihnen heute Filmaufnahmen des Heidelberger Patiententags im Oktober 2009 präsentieren zu dürfen. Bitte wählen sie den gewünschten Vortrag durch Anklicken des entsprechenden Links aus.

Neue Substanzen in der Therapie des Multiplen Myeloms
Dr. Marc-Steffen Raab
Neue Klassifikationen des Multiplen Myeloms - Welche Relevanz haben sie für den Patienten?
Dr. Kai Neben
Multiples Myelom - Grundbegriffe
Profess
Selbsthilfe und ihre Bedeutung
Frau B. Reimann
Malen als Therapie
B. Natusch
Bildgebung beim Multiplen Myelom
"MRT/CT/Röntgen - wann indiziert?"
Jens Hillengaß
Progress in Treating Multiple Myeloma
Brian G.M. Durie, MD
Neue Substanzen: Zukunftsperspektiven in der Therapie des Multiplen Myeloms
Dr. Klaus Podar
Onkologische Nachsorge
Psychologische Betreuung für Patienten & Angehörige
Monika Keller
Bisphophonate
Ballon Kyphoplastie
Dr. Christian Kasperk
Knochenmarkdiagnostik
muß dies sein
Dirk Hose
Multiples Myelom: Wann behandeln? Wie kontrollieren?
Dr. Markus Mun

Patiententag am 09.05.2010 im Campus Benjamin Franklin der Charité, Berlin

Die Veranstaltung fand im Hörsaal West des Klinikums statt, der ausreichend Platz und gute Sitz- und Projektionsmöglichkeiten bot. Zur Vereinfachung wird in diesem Bericht auf die ausgewogene Nennung aller Begriffe in beiderlei Geschlecht verzichtet. Markennamen von Medikamenten sind nicht extra als solche gekennzeichnet.

Die Begrüßung der 113 Besucher erfolgte durch Dr.Blau, Oberarzt am Klinikum der Charité am Campus Benjamin Franklin und Gregor Brozeit, Direktor der IMF Europe.

Allgemeine aktuelle Therapiestandards beim Multiplen Myelom – Ein Überblick
Dr. Hans Salwender, Hamburg Asklepios Klinik

Zunächst wurde ein Überblick zur Einteilung der Erkrankung, ausgehend von der Plasmazelle gegeben. Neben einem Einzelherd außerhalb des Knochenmarks (solitäres extramedulläres Plasmozytom) gibt es den Einzelherd im Knochenmark (solitäres medulläres Plasmozytom) oder mehrfache Herde, egal welcher Lokalisation (multiples Myelom) und andere Plasmazellerkrankungen.

1988 überlebten nur 50% diese Erkrankung. Das hat sich bis heute erfreulicherweise gebessert.

Seit 1975 wird die Stadieneinteilung nach Durie und Salmon vorgenommen. Sie unterscheidet drei Stadien, Details können der Broschüre der IMF „Patientenhandbuch“ entnommen werden. Diese Stadieneinteilung dient als Basis für den Behandlungsansatz.
 
Ein anderer Ansatz ist, Aussagen zur Prognose zu machen, also Aussagen zur Überlebenswahrscheinlichkeit zu machen. Dieser Weg ist deswegen kritisch, weil die Einteilung in Prognosegruppen keine Aussage über die individuelle Situation des Betroffenen zulässt.

Anhand der Einführung einzelner Therapien, z.B. Melphalan/Prednisolon 1962, Hochdosis-Melphalan 1983, Hochdosis/Dexametason 1986, eigene Stammzellen 1996, Thalidomid, fremde Stammzellen, Valcade, und eines Entscheidungsbaumes wurde dargestellt, dass für jeden Patienten individuell zu entscheiden ist, welcher Therapieweg in der Ersttherapie der geeignete ist, um die Prognose zu verbessern.

Hochdosis-Melphalan verbessert die Prognose für Jüngere und Ältere, wenn diese Therapie ihnen zugemutet werden kann.

Wenn nicht, kommt eine Kombination verschiedener Substanzen in Frage, z.B.
Melphalan/Prednisolon (M/P) oder
M/P und Thalidomid (M/P/T) oder
M/P und Valcade (M/P/V).

Vorteile ergeben sich aus der Kombination von Melphalan und Prednisolon mit einem Zusatzpräparat, sodaß eine volle Rückbildung(Vollremission) der Erkrankung bei 30% der Patienten mit der Kombination M/P/V erreicht werden kann.

Neben den üblichen Nebenwirkungen tritt hauptsächlich die Polyneuropathie, eine Nervenstörung, auf.
 
Zur Behandlung des Rückfalls ist Revlimid geeignet. Hier hängt der Therapieerfolg von der Länge der Remissionsdauer ab. Ebenfalls muß berücksichtigt werden, in welchem Zustand der Patient ist, hat er Begleiterkrankungen wie Nierenstörungen oder Polyneuropathie, was wünscht er an Behandlung. Die Substanz ist bisher nicht zur Ersttherapie zugelassen.

Im Anschluß werden fragen der Besucher besonders hinsichtlich der therapeutischen Vorgehensweise beantwortet, wobei einige Fragestellungen auf die nachfolgenden Vorträge verwiesen werden.

Die Frage nach der Reihenfolge konventionelle Therapie danach eigene Stammzellen und dann fremde Stammzellen oder alles in umgekehrter Reihenfolge muß letztlich als individuelle Therapieentscheidung in Abhängigkeit vom Stadium der Erkrankung und vom Patientenalter beantwortet werden.

Einige  Begriffe, z.B. Hochdosistherapie(Melphalan/eigene Stammzellen), bedürfen der Erklärung.
Insgesamt konnte das Risiko der Therapien deutlich reduziert werden. Todesfälle gibt es bei der Hochdosistherapie kaum noch.

Insgesamt stehen zur Zeit 5 alte und 4 neue Substanzen zur Verfügung, die heutzutage in nahezu allen denkbaren Kombinationen Eingang in die Therapie gefunden haben.

Diagnostische Standards und Beurteilung des Therapieerfolgen – Was gibt es Neues
Prof. Hartmut Goldschmidt, Universität Heidelberg

Die Diagnostik orientiert sich an der Eiweißproduktion der bösartigen Zellen und deren Folgen für den Organismus: Blutarmut, erhöhter Calziumwert, Infektionen, Blutungen, Nierenstörungen, Knochenprobleme(Lysen((Löcher im Knochen)), Schmerzen, Brüche).

Nach Durie ergibt die Kombination von großen(major) und kleinen(minor) Kriterien die Diagnose.
Zusätzlich gibt es noch das schlafende Myelom, was keine Therapie nur Überwachung erfordert, vermutlich aber innerhalb von 4-5 Jahren aufwacht.

Das Myelom unklarer Signifikans(Bedeutung) wird heute als Vorstufe des aktiven Myeloms angesehen.

Zusätzlich zu den üblichen Laboruntersuchungen, Blut und Urin, werden Serum- und  Urinelektrophorese(Kurvendarstellung der im Blut und Urin gelösten Einweiße) und Knochenmarkausstrich erforderlich.

In der konventionellen Röntgenaufnahme sind nur größere Lysen im Knochen erkennbar. Die Magnetresonanztomographie(MRT) zeigt besonders den Weichteilbefall.

Die Computertomographie(CT) eignet sich besonders zur Verlaufsbeobachtung der Schäden am Knochen.

Die Diagnostik ergibt Konsequenzen für die Therapie und dient der Verlaufskontrolle als Basis, ist also nicht vom Beschwerdebild abhängig. Das heißt, bei hinreichendem Verdacht auf ein Plasmozytom/Multiples Myelom muß die gesamt Palette abgearbeitet werden.

Ein neues Verfahren:
Anfärbung der Zellen mit verschiedenen Stoffen, die dann eine Aussage über das Innenleben der Zelle inklusive des Erbmaterials zulassen. Hieraus werden hinsichtlich der Prognose Konsequenzen gezogen.

PET(Positronen-Emissions-Tomographie) ist eine MRT-Untersuchung mit radioaktiv markiertem Zucker als Kontrastmittel. Diese Untersuchung ist nur Studien vorbehalten, um zukünftige, optimale Therapien zu finden.

Daraus ergibt sich der Aufruf, an Studien als Patient teilzunehmen und nicht nur von der Teilnahme anderer Patienten an Studien zu profitieren, natürlich unter einer persönlichen Risiko-/Nutzenabwägung!

Zusätzlich wird zur Bildung von Ärzte-, Patienten- und Arzt-Patienten-Netzwerken geraten.

Im Anschluß werden hauptsächlich Fragen zur Schmerzdiagnostik gestellt. Es zeigt sich, dass die Unterscheidung von myelombedingten und verschleißbedingten Schmerzen schwierig sein kann. Der Schmerz, versacht durch das Myelom, sitzt hauptsächlich in der Wirbelsäule und im Becke, Arthritisschmerz(Gelenkentzündung)  eher in den Händen und Fingern. Allerdings sind auch Ausnahmen möglich.

Die Frage, ob bei Röntgenuntersuchungen konventionelles Kontrastmittel eingesetzt werden soll, kann nur individuell entschieden werden. In jedem Falle muß darauf geachtet werden, die Nieren dadurch nicht weiter geschädigt werden, also ein nierenschonendes Kontrastmittel ausgesucht werden, wenn die Untersuchung unbedingt mit Kontrastmittel durchgeführt werden soll. Ob ein spezielles Kontrastmittel beim MRT die Myelomzellen stimulier, das heißt zum Wachstum anregt, ist zur Zeit noch nicht bewiesen.

Individuelle Fragen zur Labordiagnostik werden ausführlich beantwortet.

Zur Frage der Auslösung des Multiplen Myeloms durch Chemikalien im Friseurberuf liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor.

Ein gehäuftes Auftreten von Herpeserkrankungen bei Therapie mit Valcade ist bekannt. Seit Einführung eines Schutzmedikamentes bei Therapie mit Valcade kommt es heute dabei kaum noch zu Herpeserkrankungen.

Die Frage nach aktiver Impfung gegen Lungenentzündung wurde positiv beantwortet.

In der Mittagspause bot sich bei äußerst großzügiger Bewirtung die Möglichkeit sowohl zum ausführlichen Gespräch der Besucher untereinander als auch mit den Vortragenden. Davon wurde intensiv Gebrauch gemacht.

Ist die Therapiemaximierung der Weg zur Heilung des Multiplen Myeloms?
Prof. Hermann Einsele, Würzburg

„Von echter Heilung sind wir weit entfernt, aber wir schon für sehr viele Patienten eine lang anhaltende Kontrolle über die Erkrankung, so dass sie mit Qualität leben können.“

Zur Hochdosistherapie mit eigenen Stammzellen:
 
Die Dosissteigerung bringt neben dem vermehrten Absterben von Tumorzellen auch ein deutlich vermehrtes Auftreten von widerstandsfähigen Tumorzellen. Die Gabe der eigenen Stammzellen verkürzt deutlich den Zeitraum, in dem keine eigenen Blutzellen vorhanden sind. Diese Phase kann durch zusätzliche Gabe von Wachstumsfaktoren zusätzlich verkürzt werden. Als Nebenwirkungen können Haarausfall, Infektionen, Übelkeit und Erbrechen und Appetitlosigkeit, Organschäden und Mundschleimhautentzündung(besonders bei der ersten Therapie) auftreten.

Langzeitüberleben ist nur mit Gabe eigener Stammzellen möglich!

Die beste Prognose haben Patienten, die nach Stammzellgabe, evtl. in Kombination mit einer Erhaltungstherapie, in eine Vollremission, also eine volle Rückbildung der Krankheitserscheinungen, kommen.

Man hofft, mit neuen Substanzen auf eine Langzeitüberlebensrate von 80% zu kommen.

Zur Gabe fremder Stammzellen:

Gegenüber der Gabe von eigenen Stammzellen ist diese Therapie aufwändiger wegen des verzögerten Aufbaus einer neuen, eigenen Immunität.

Diese Therapie hat eine geringere Rückfallrate als die Gabe eigener Stammzellen, von ihr profitieren hauptsächlich jüngere Patienten.

Zum Fortschreiten der Erkrankung nach Gabe eigener Stammzellen:

Es ist ein neues Therapieschema entwickelt worden, in dem zunächst Valcade und eigene Stammzellen gegeben werden, dann weiter Valcade.

Zu Fremdspendern von Stammzellen:

Es gibt hinsichtlich des Therapieerfolges keinen Unterschied zwischen Familienspendern und Fremdspendern.

Zum Rückfall nach  Gabe fremder Stammzellen:

Bei Rückfall nach Gabe von fremden Stammzellen gibt es durch neue Substanzen(6 an der Zahl), Gabe von Spenderlymphozyten und Antikörper weitere Therapieoptionen in einer großen Zahl.

In Anschluß kam es zu einer Flut von Fragen.

Eine Wiederholung der Gabe von fremden Stammzellen ist möglich, sollte jedoch genügend groß sein, damit die Möglichkeiten des Immunsystems genügend ausgeschöpft werden können und der Körper Zeit hat, sich zu erholen. Ein Ansprechen der Erkrankung auf die erste Gabe fremder Stammzellen sollte erreicht worden sein.

Die Frage der Erhaltungstherapie nach Gabe von eigenen Stammzellen wird kontrovers diskutiert. In Würzburg wird diese nur im Rahmen von Studien durchgeführt, sonst nicht.

Von der sogenannten Tandem-Therapie, also zweimalige Gabe eigener Stammzellen, profitieren nur Patienten, die auf die erste Gabe nur unvollständig angesprochen haben. Das heißt, dass bei sehr gutem Ergebnis nach erster Gabe eigener Stammzellen die zweite Gabe nicht sinnvoll ist.

Für Patienten, für die aus Altersgründen keine Stammzelltherapie in Frage kommt, bietet die Kombination alter und neuer Substanzen eine Fülle von Therapieansätzen.

Antikörper, die die Tumorzelle direkt angreifen und zusätzlich noch Immunzellen an die Tumorzelle heranführen, bieten zukünftige Therapieoptionen. Diese Antikörper sind in der Entwicklung, stehen aber in absehbarer Zeit noch nicht zur Verfügung.

Neue Studienergebnisse und neue Studie
Dr. Wolfgang Blau, Berlin Charité Benjamin Franklin

Das Ziel der Therapie ist die Kontrolle der Erkrankung. Dazu gehören die Einleitung der Rückbildung von Erkrankungserscheinungen, die Stabilisierung des erreichten Therapieergebnisses oder eine spätere Stabilisierung des Therapieergebnisses.

So kam es in der Zeit von 2001 – 2006 erstmalig zu einer deutlichen Verbesserung der Überlebenszeiten und Zahl der überlebenden Patienten.

Es wurde Kriterien für die Stammzelltransplantation und die konventionelle Therapie gegenübergestellt:
Transplantation                                            Keine Transplantation
-Patientenalter jünger als 70 Jahre            -hohes Alter
-Organe gesund                                            -mehrfache Organerkrankungen
-Stammzellen vorhanden                             -keine brauchbaren Stammzellen vorhanden
-Patientenentscheidung                               -Patientenentscheidung

Im Allgemeinen bedeutet eine komplette Rückbildung der Krankheitserscheinungen auch ein längeres Überleben.

Gibt es eine Rückbildung, die auf molekularer Ebene nachweisbar ist? Hierzu läuft eine Studie mit Valcade und Thalidomid. Es gibt allerdings noch nicht ausreichende Verfahren auf molekularer Ebene, um hier Erfolge ausreichend nachzuweisen.

Die Einbindung neuer Substanzen in die Therapie mit/ohne Stammzellgabe zeigt Erfolge.

Eine vergleichende Therapiestudie von Valcade/Melphalan/Prednisolon zeigt gegenüber Valcade/Thalidomid/Prednisolon deutlich bessere Ergebnisse für die Kombination mit Melphalan, so dass Melphalan immer in die Induktionstherapie eingebunden werden sollte. In dieser Studie wurde die Erhaltungstherapie bei beiden Kombinationen dann mit verschiedenen neuen Substanzen durchgeführt. Der entscheidende Unterschied ergab sich jedoch aus der Verwendung von Melphalan in der Induktionstherapie.

Revlimid hebt die Rate der vollen Rückbildungen von Krankheitserscheinungen an. Über die Langzeitwirkung kann noch keine Aussage gemacht werden.

Die Dexametasondosis kann in der Kombinationstherapie mit anderen Substanzen ein verbessertes Kurzzeitergebnis bis etwa 2,5 Jahre bringen, danach wirkt sie sich scheinbar nachteilig aus.

Alle Aussagen über neue Substanzen müssen Langzeitkontrollen erfahren, um Aussagen über die Zukunft machen zu können.

Auf  die Kombination Valcade/Dexametason/Revlimid sprechen alle Patienten an.

Die Ergebnisse einer Studie zur Kombination Valcade/Dexametason/Revlimid/Cyclophosphamid(ähnlich Melphalan) stehen noch aus.

Die Gabe von Valcade bei Wiederauftreten der Erkrankung zeigt eine Ansprechrate von 75%. Das beweist, dass neue Substanzen auch beim Wiederauftreten der Erkrankung eingesetzt werden können, auch wenn sie schon davor eingesetzt worden sind.

Die Gabe von Revlimid ist nach vorheriger Gabe von Thalidomid im Falle eines Wiederauftretens der Erkrankung möglich. Ob dies auch umgekehrt möglich ist, wird noch geprüft.

Die früher vorhergesagte schlechte Prognose bei nachgewiesenen Chromosomenschäden, z.B. Translokation(Vertauschung) t(4/14) oder Deletion(Fehlen) del(17p) kann durch neue Substanzen verbessert werden.
 
Die Substanz Carfilzomib steht zur Therapieerprobung an. Man erhofft sich reduzierte Nebenwirkungen, besonders am Nervensystem. Die Zulassung wird in etwa 1 – 1,5 Jahren erwartet.

Pomalidomid wirkt auch als Einzelsubstanz, wird aber wohl in der Hämatologie Verwendung finden. Mit einer Zulassung wird in 1 Jahr gerechnet.

Vorinostat scheint auch als Einzelsubstanz wirksam zu sein. Der Zeitpunkt der Zulassung ist noch unbekannt.

Viele Studien zu neuen Substanzen stehen an. Es gibt also weiterhin berechtigten Grund zur Hoffnung.

Im Anschluß wurden die vielen Fragen der Zuhörer beantwortet:

Die Erhaltungstherapie moduliert das Immunsystem, hat aber keinen vordergründigen Therapieeffekt. Sie hilft also in dieser Dosierung(z.B. 10mg Revlimid) nicht gegen das aktive Myelom.

Eine Aussage über die zeitliche Notwendigkeit der Erhaltungstherapie ist noch nicht möglich, Studien laufen.

Wie kommen überhaupt ausreichende Patientenzahlen für die Vielzahl der Studien zusammen? In Deutschland meist über die Motivation durch Selbsthilfegruppen. Leider sind es hier nur etwa 20% der Patienten, weil die Therapie gemäß der Studienprotokolle leider auch außerhalb von Studien erfolgt.

Patienten, die die Einschlusskriterien für eine Studie nicht erfüllen, können außerhalb der Studie nach dem Studienprotokoll behandelt werden.

Fragen nach Therapien außerhalb der Schulmedizin konnten naturgemäß nicht beantwortet werden.

Begleitende Maßnahmen psychisch/psychologischer Art werden von allen Vortragenden als positiv angesehen.

Tun Sie Dinge, die Ihnen gut tun!

Die Gabe von Mistelpräparaten ist nachweislich schädlich und deswegen verboten!

Grüner Tee in Kombination mit Valcade ist kontraproduktiv!

Die Wahrscheinlichkeit, an einem Zweitkrebs zu erkranken, ist grundsätzlich höher nach einer bösartigen Ersterkrankung.
Fazit: Vorsorgemöglichkeiten sollten wahrgenommen werden.

Die Rolle der Selbsthilfegruppen und Patienteninformation

Leider fiel dieser Programmpunkt wegen massiver Zeitüberschreitung des vorherigen Vortrags aus.

Gespräche mit den fünf Vortragenden

Die Vortragenden standen in fünf verschiedenen Räumen für Kleingruppengespräche zur Verfügung. Hiervon wurde reger Gebrauch gemacht.


Gute Prognose ist vorhersagbar
Heidelberger Wissenschaftler entwickeln Kriterien für die Risikobewertung des Knochenmarkkrebses Multiples Myelom

Der Knochenmarkkrebs Multiples Myelom kann einen guten Verlauf nehmen. Eine Abgrenzung der Patientengruppe mit einem geringen Risiko ist der Arbeitsgruppe um Dr. Jens Hillengaß in der Sektion Multiples Myelom der Medizinischen Klinik Heidelberg gelungen. Wichtiger Hinweis sind Tumorzell-Ansammlungen, sogenannte „fokale Läsionen“ im Knochen und Knochenmark, deren Häufung auf ein höheres Risiko hinweist.

Diese bedeutende Arbeit wurde gemeinsam mit Wissenschaftlern des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Abteilung Radiodiagnostik des Universitätsklinikums erstellt und im „Journal of Clinical Oncology“ publiziert und von der Dietmar-Hopp-Stiftung, Walldorf, finanziell unterstützt.

Symptomatische und asymptomatische Erkrankungsform

Das Multiple Myelom ist eine Krebserkrankung, bei der sich bösartige, Antikörper produzierende Zellen des Immunsystems (sogenannte Plasmazellen) im Knochenmark vermehren. Es lassen sich zwei Formen unterscheiden: das symptomatische und das asymptomatische Multiple Myelom (sMM bzw. aMM). Rund 70 Prozent der Patienten leiden bei Erstdiagnose an der symptomatischen Form.

Bei der ersten Krankheitsform kann es zum Abbau der Knochensubstanz mit der Folge von Schmerzen und Knochenbrüchen kommen; es können Beeinträchtigungen der Nierenfunktion sowie Blutarmut auftreten. Darüber hinaus weisen einige Betroffene erhöhte Konzentrationen an Kalzium sowie bestimmter Proteine im Blut und Urin auf und erkranken aufgrund des geschwächten Immunsystems häufiger an Infektionen.

Chemotherapie, der Einsatz neuer Wirkstoffe, die zelluläre Signalwege beeinflussen, sowie gegebenenfalls die Transplantation von Blutstammzellen sind zurzeit die Behandlungsoptionen.

Kein Handlungsbedarf ist dagegen nach dem gegenwärtigen Stand der Medizin beim asymptomatischen Multiplen Myelom gegeben, solange keine der oben genannten Anzeichen festzustellen sind. Auch beim aMM lassen sich vermehrt Produkte des Immunsystems im Blut nachweisen und die entarteten Immunzellen wandern ebenso ins Knochenmark ein. Dies wirft unweigerlich die Frage auf, ob und wie schnell sich aus einer asymptomatischen Plasmazellerkrankung ein lebensbedrohliches Multiples Myelom entwickelt.

Drei Viertel der asymptomatischen Patienten erkranken

Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge steigt die Wahrscheinlichkeit für ein sMM tatsächlich im Laufe der Zeit an: Innerhalb von 15 Jahren gehen fast drei Viertel der asymptomatischen Erkrankungen in die therapiebedürftige Krebsform über. Das Fortschreiten der Krankheit kann dabei von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein. So ist es mehr als verständlich, wenn sich die Patienten in dieser prekären Lage fragen: „Gehöre ich zu den Risikopatienten?“ Dies macht die absolute Dringlichkeit deutlich, Faktoren zu identifizieren, die mit einem ungünstigen Krankheitsverlauf verknüpft sind.

Dr. Hillengaß und seinen Kollegen gelang es nun, Risikopatienten präziser von Betroffenen mit mildem Krankheitsverlauf abzugrenzen: Mittels des sehr sensitiven Verfahrens der Magnetresonanztomografie (MRT) sind auch bereits bei aMM-Patienten kleine Tumorzell-Ansammlungen, sogenannte „fokale Läsionen“ im Knochen und Knochenmark darstellbar. Patienten mit mehr als einer fokalen Läsion müssen mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem früheren Voranschreiten der Erkrankung rechnen. Auch die diffuse Anreicherung von entarteten Plasmazellen im Knochenmark ist offenbar mit einer schlechten Prognose verbunden.

Ganzkörperaufnahmen zeigen Tumorzellherde

Die Wissenschaftler hatten für diese Erkenntnisse eine Gruppe von 149 Patienten mit aMM auf Anzeichen von fokalen oder diffusen Knochenmarkläsionen untersucht und die Blutkonzentration an Aktivitätsparametern des Multiplen Myeloms bestimmt. Dr. Hillengaß untersuchte die Verläufe der Betroffenen z.T. mehr als fünf Jahre, um herauszufinden, wer innerhalb dieses Zeitraums ein symptomatisches Myelom entwickelte. Anschließend wurde geprüft, inwieweit sich der Krankheitsverlauf mit den untersuchten Parametern in Verbindung bringen lässt.

Für ihre Untersuchungen setzten die Forscher die Ganzkörper-Magnetresonanztomografie ein. Sie wählten diese Nachweismethode, da sich Knochenmarksveränderungen besser darstellen lassen als mit anderen bildgebenden Verfahren wie Röntgen oder Computertomografie (CT). Die Ganzkörperaufnahmen erwiesen sich dabei als präziser als die alleinige Darstellung von Wirbelsäule und Becken: Jeder fünfte untersuchte Patient hatte auch außerhalb von Wirbelsäule und Becken fokale Läsionen, die bei einer partiellen MRT (Wirbelsäule plus Becken) übersehen worden wären.

Höhere Lebenserwartung durch rechtzeitige Therapie?

Dr. Hillengaß bringt die Ergebnisse seines Forschungsteams auf den Punkt: „Die Ergebnisse der Ganzkörper-MRT sind für uns eine wichtige Hilfe, um den Krankheitsverlauf unserer Patienten frühzeitig einschätzen zu können. Es wäre wünschenswert, dieses Verfahren routinemäßig in der Diagnostik von Patienten mit asymptomatischem Multiplen Myelom anzuwenden.“

Noch lässt sich nicht sagen, ob Risikopatienten bei einer frühzeitigen Diagnose von daraufhin eingeleiteten Behandlungsmaßnahmen profitieren und länger leben würden. Dies muss in einer prospektiven Studie im Vergleich zur Standarddiagnostik erst noch untersucht werden. „Wir halten dies aber für einen viel versprechenden Ansatz und versuchen möglichst vielen Patienten auch solch innovative Methoden wie die Ganzkörper-MRT in der Routinediagnostik anzubieten.“

Literatur:
Prognostic significance of focal lesions in whole body magnetic resonance
imaging in patients with asymptomatic multiple myeloma

Jens Hillengaß, Kerstin Fechtner, Marc-André Weber, Tobias Bäuerle, Sofia
Ayyaz, Christiane Heiss, Thomas Hielscher, Thomas M Moehler, Gerlinde
Egerer, Kai Neben, Anthony D Ho, Hans-Ulrich Kauczor, Stefan Delorme2,
Hartmut Goldschmidt, Journal of Clinical Oncology.

Weitere Informationen im Internet:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Bildgebung-beim-Multiplen-Myelom.109136.0.html

Ansprechpartner:
Dr. Jens Hillengaß
Leiter der Arbeitsgruppe "Bildgebung beim Multiplen Myelom"
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 80 03
E-Mail: Jens.Hillengass@med.uni-heidelberg.de


Veröffentlichung durch: International Myeloma Foundation
Herausgeber
: Gregor Brozeit
Hauptverantwortliche Übersetzer:
Dr. Nina Chevalier, Universitätsklinikum Freiburg
Dr. Alexander Kühnemund, Universitätsklinikum Freiburg
Dr. Ute Hegenbart, Universitätsklinikum Heidelberg
Dr. Niklas Zojer, Wilhelminenspital, Wien, Österreich
Korrekturen:
Dr. Heiko Dau
*
Dr. Rolf Pelzing


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