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Myelom Merkur - Dezember 2007
01.05.08

Der Myelom Merkur wird 7x /Jahr veröffentlicht werden und ist kostenlos verfügbar durch eine Registrierung bei merkur@myeloma.org.


7. Ausgabe, Dezember 2007

Bitte entschuldigen Sie die Verzögerung, mit der Sie diese Ausgabe des Merkur erhalten. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist, dass die nächste Ausgabe schon in wenigen Wochen erscheint. Und wir beabsichtigen, die jährliche Videoausgabe von der Jahrestagung der American Hematological Society (ASH) in Atlanta, Georgia (USA) auch bald zu verschicken. Wir werden auch einen kurzen Bericht bringen über Veranstaltungen in Deutschland im Oktober und im November mit Dr. Robert Kyle von der Mayo-Klinik in Rochester, Minnesota (USA), Mitglied des Vorstandes der IMF und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates.

Wie immer, bitte schreiben Sie greg.brozeit@sbcglobal.net falls Sie Fragen oder Empfehlungen haben.


Susie Novis

Lieber Leser,


die internationale Myeloma Stiftung präsentiert stolz den Preisträger des 5. Robert-A.-Kyle-Preises für sein Lebenswerk, Prof. Dr. Heinz Ludwig. Dieser Preis wurde 2003 eingeführt und ehrt insbesondere den Arzt, dessen Lebenswerk beispielloses Mitgefühl mit Myelompatienten und einzigartige Hingabe an die Behandlung dieser Krankheit widerspiegelt. Prof. Ludwig wurde für seine Arbeit im Bereich der medizinischen Hämatologie und Onkologie und hier im besonderem im Bereich des Multiplen Myeloms ausgezeichnet.

Das Ereignis fand am 7. Juni 2007 in Wien, Österreich, in dem historischen und wunderschönen Wiener Kursalon statt, der berühmt dafür ist, exquisiten Veranstaltungen wie klassischen Konzerten, Opern und Musicals eine Bühne zu bieten. Das historische Wien ist eine der schönsten Städte der Welt, bekannt für Musik, Kunst, Architektur und die berühmten Lipizzanerpferde. Es ist auch der Ort, an dem Prof. Ludwig lebt und arbeitet. Er ist Direktor der Abteilung für Medizin I, Zentrum für Onkologie und Hämatologie im Wilhelminenspital, Wien.

Wegen der wundervollen Parklandschaft hatten wir erwogen, das Treffen im Freien abzuhalten, aber an den Tagen vor der Veranstaltung verdunkelte sich abends der Himmel und es goß in Strömen. Also wurde entschieden, alles für drinnen zu richten. Am Vorabend des Treffens jedoch erklärten die Meteorologen, dass es nicht regnen würde. Wie es das Glück wollte, behielten sie Recht. In letzter Minute wurden die Tische nach draußen getragen, so dass beim Eintreffen der ersten Gäste alles perfekt war.

Der Abend begann mit einer schönen Cocktailrunde, man schlürfte Drinks und mischte sich unter einem klaren Himmel am Rand eines schönen Parks unter die Gäste, traf alte Freunde und schloss neue Freundschaften. Alle waren bester Stimmung, begeistert davon, dass Prof. Ludwig geehrt werden würde. Die Atmosphäre verlieh dem Abend eine magische Komponente.

Sobald alle saßen, begann das Programm mit einem sehr herzlichen Willkommensgruß von Dr. Brian Durie, der Prof. Ludwig beglückwünschte und den Grundstein für die Verleihung des Dr. Kyles-Preises und auch für einige Überraschungen dieses Abends legte.

Da ja Wien für Musik bekannt ist, waren wir nicht überrascht, als wir zu einem kleinen Konzert der Wiener Philharmoniker eingeladen wurden.

Prof. Ludwig dagegen war sehr überrascht, als seine zwei Kinder, Claudia und Michael, ein vorbereitetes Video präsentierten, welches die Meilensteine im Leben ihres Vaters zeigte, alles von Musik untermalt. Das Video hieß treffend "Heinz von A bis Z". Die Kinder hatten perfekt geeignete Fotographien ausgewählt, die Heinz zu verschiedenen Zeiten seines Lebens zeigten - als kleinen Jungen, als Sportler, im Laufe seiner medizinischen Karriere, als Familienmenschen und hauptsächlich als ein Mann, der seine Frau, seine Familie und sein Leben über alles liebt! Er war völlig überrascht und genoss jeden Moment – wie wir alle auch!

Danach kam der Moment, auf den wir alle gewartet hatten: Dr. Kyles Überreichung des Preises an Prof. Ludwig. Dr. Kyle betrat die Bühne und erklärte dem Publikum, warum Prof. Ludwig den Preis erhielt, und er rekapitulierte seine zahlreichen Leistungen. Danach gehörte die Bühne Prof. Ludwig, der in seiner sehr eleganten und eloquenten Art jedem dankte und dabei mehrere Personen im Publikum besonders hervorhob.

Anschließend gehörte die Nacht noch einmal der Musik, als zwei hervorragende Opernsänger auf der Bühne erschienen, während wir tief bewegt und wie verzaubert von der Magie und Schönheit ihrer Stimmen unter den Sternen saßen.

Der Abend endete mit einem phantastischsten Nachtischbuffet, damit wir niemals vergessen, dass Wien auch für sein Gebäck berühmt ist. So warfen wir alle Vorsicht über Bord, kosteten von allem, was es gab, so dass der Abend mit einer sehr süßen Note endete.

Liebe Grüße, Susie Novis


Pieter Sonneveld

HOVON, die holländisch belgische Hämato-Onkologen Gruppe.
Interview mit Prof. Pieter Sonneveld

Bitte erzählen Sie uns von den Ursprüngen von HOVON.
HOVON, die holländische-belgische Hämato-Onkologie Gruppe, wurde im Jahr 1981 gegründet. Zu Beginn war unser Ziel, klinische Studien über Leukämien durchzuführen. Bald danach dehnte die Gruppe ihre Aktivitäten auch auf klinische Studien bezüglich Lymphomen und dem Multiplem Myelom aus. Als die Mitglieder aus Belgien der Kooperation beitraten, wurde sie zur holländisch–belgischen Hämato-Onkologie Gruppe, kurz genannt HOVON. Innerhalb von HOVON gibt es drei Hauptarbeitsgruppen, jeweils für Leukämien, Lymphome und das Myelom. Die Myelom-Gruppe besteht aus Hämatologen von allen größeren Zentren in Holland und Belgien. Sie wird gemeinsam geführt von mir und Dr. Henk Lokhorst, welcher auch den Vorsitz in der HOVON Gruppe innehat.

Was ist die historisch bedeutsamste HOVON Studie hinsichtlich des Myeloms gewesen?
Anfang 1990 gab es eine klinische Studie der Phase II der HOVON-Gruppe, welche die Gabe von Hoch-Dosis-Melphalan in der Therapie des Myeloms untersuchte. Aufgrund dieser Studie konzipierten wir eine Phase-III-Studie bekannt als HOVON 24. Diese verglich einfach- und doppel-autologe Stammzellentransplantationen bei Patienten mit neu-diagnostiziertem Multiplen Myelom. Die erste Analyse wurde 2002 durchgeführt und die Studie wurde in „Blood“ im Jahr 2003 veröffentlicht. Die letzte Analyse wurde im Jahr 2006 durchgeführt und wurde im Jahr 2007 in „Haematologica“, der offiziellen Zeitschrift des europäischen Hämatologieverbandes (EHA), veröffentlicht. Wir führten weiterhin auch klinische Studien zur allogenen Stammzell-Transplantation durch, und 2003 wurden die Ergebnisse einer prospektiven Studie mit Patienten der HOVON24-Studie in der ZeitschriftJournal of Clinical Oncology“ veröffentlicht.

Was können Sie unseren Lesern über neue und gegenwärtige HOVON-Aktivitäten erzählen?
Die Myelom Arbeitsgruppe beendet aktuell die prospektive Studie HOVON 50. Diese untersucht die Wirkung des Thalidomids zum einen vor einer autologen Stammzelltransplantation und zum anderen als Erhaltungstherapie danach (bei erst-diagnostizierten Myelompatienten). Wir verglichen als Induktionstherapie VAD (Vincristine, Doxorubicin und Dexamethason) mit TAD (Thalidomid, Doxorubicin und Dexamethason), gefolgt von einer peripheren Blutstammzell- (PBSC) Sammlung und einer Transplantation. Diese multizentrische Phase-III-Studie wurde in Kooperation mit einer der deutschen Myelom-Gruppen, der GMMG (German-speaking Myeloma Multi-center Group), durchgeführt und schloss 1150 Patienten ein.

Es ist noch zu früh, um Aussagen über das Gesamtüberleben zu treffen, aber wir haben bereits das Ansprechen analysiert. Bezüglich des Engraftments nach der Transplantation zeigte sich kein Unterschied zwischen der TAD- und der VAD-Gruppe. Zusätzlich können wir sagen, dass Thalidomid als Teil der Induktion mit einem besseren Ansprechen verbunden ist. TAD ist zudem viel wirksamer beim Erreichen von kompletten Remissionen (CR) oder sehr guten partiellen Remissionen (VGPR).

Vor kurzem beendeten wir HOVON 49, eine prospektive Phase-III-Studie für ältere Patienten, die die Therapie von Melphalan plus Prednison (MP) mit Melphalan, Prednison plus Thalidomid (MPT) verglich. Die Ergebnisse dieser Studie werden zurzeit analysiert.

Gegenwärtig hat HOVON eine Vielzahl von laufenden klinischen Studien, inklusive einer mit Bortezomib (VELCADE ®) als Induktionstherapie gefolgt von Hochdosis-Melphalan bei Myelom-Patienten über 65 Jahre, und einer anderen Studie (HOVON 65), die Bortezomib mit Thalidomid als Erhaltungstherapie vergleicht. HOVON 85 vergleicht MPT mit Lenalidomid (REVLIMID ®) gegen Standard-MP (RMP) bei älteren Patienten.

Was ist der gegenwärtige Fokus Ihrer Forschung?
In erster Linie konzentriert sich meine Gruppe auf die Verwendung von Bortezomib
und das Definieren von prognostischen Untergruppen für Bortezomib.

In Bezug auf die Hauptendpunkte der nächsten Generation klinischer Studien hinsichtlich des Myeloms wollen wir uns auf die Integration neuer Medikamente in bereits bestehende Behandlungregimes, die Evaluation von pharmakogenetischen, molekularen und epigenetischen Faktoren, Definitionen von krankheitsbezogenen Risikoprofilen und Therapie-bezogenen Risikoprofilen sowie die Entwicklung von maßgeschneiderten Behandlungen für prognostische Subgruppen basierend auf der Verfügbarkeit von neuen zielgerichteten Therapien konzentrieren.

Wie ist HOVON mit der IMF „Bank ON A CURE®“ Forschungsinitiative verbunden?
Die erste Analyse von Thrombosen bei Patienten, die Thalidomid bekamen, wurde von Dr. Gareth Morgan (königliches Marsden Krankenhaus, London, Vereinigtes Königreich) basierend auf Daten von HOVON und aus den USA durchgeführt. Im Dezember 2006 wurde während des ASH-Kongresses eine Präsentation gezeigt, in der bestimmte genetische Signalwege identifiziert wurden, die erklären könnten, warum einige Myelom-Patienten unter Thalidomid-Therapie Thrombosen bekommen.

Dies kann neues Licht auf individuelle Unterschiede in Bezug auf das Ansprechen eines Tumors und seiner Behandlung werfen und kann zur Entwicklung von Screening-Techniken und maßgeschneiderten Interventionen führen, um diese Nebenwirkung zu verhindern.
Gene, die mit Medikamentenstoffwechsel, DNA-Reparatur und Entzündungsvorgängen verbunden sind, konnten als Prädiktor identifiziert werden, mit denen Patienten wahrscheinlicher venöse thromboembolische Ereignisse (VTE) bekommen.

HOVONs nächstes „Bank On A Cure“- Projekt ist ein Vergleich von Patienten bezüglich des Ansprechens auf Bortezomib. Diese Studie wird in der zweiten Hälfte von 2007 an unserem Zentrum durchgeführt. Dies geschieht in Kooperation mit Dr. Morgan und der GMMG mit Hilfe von Daten der HOVON-65-Studie. In HOVON 65 sammeln und reinigen wir Stammzellen, und verwenden den Bank On Cure single nucleotide Polymorphismus- (SNP) Chip für die Analyse, um Gene zu identifizieren, die für das Ansprechen auf Bortezomib, Thalidomid und Hochdosis-Melphalan verantwortlich sind. Zusätzliche Ziele von biologischen Studien sind die Analyse der Rolle von genetischen Polymorphismen (bezüglich Stoffwechsel, Knochenkrankheiten, Thrombosen, Polyneuropathie und dem Multiplen Myelom).


Dr. Asher A. Chanan-Khan
Mapatumumab: eine neue Krebstherapie in der Entwicklung

Ein Gespräch mit Dr. Asher A. Chanan-Khan

Was machen Sie in Bezug auf das Myelom?
Ich habe die letzten sieben Jahre auf dem Gebiet des Multiplen Myeloms gearbeitet. Gegenwärtig leite ich die klinischen und translationalen (vom Labor in die Klinik) Forschungsbemühungen am „Myeloma-Roswell-Park-Krebsinstitut“. Meine Forschungsinteressen schließen die Entwicklung von neuen Therapien für die Behandlung dieser Krankheit ein. Ich war an der Entwicklung von Bortezomib (VELCADE ®) und Lenalidomid (Revlimid ®) beteiligt und habe an zahlreichen klinischen Studien zum Myelom mitgearbeitet.

Bitte erzählen Sie uns etwas über Mapatumumab.
Mapatumumab (bekannt auch als HGW-ETR1; TRM -1; und HGS1012) ist eine neue Krebstherapie, entwickelt vom Human Genome Scienes (HGS). Genomische Techniken verwendend konnte HGS den TRAIL (tumor necrosis factor apoptosis-inducing ligand) Rezeptor -1 als Mitglied der Tumor-Nekrosefaktor-Rezeptor-Super Familie von Eiweißen identifizieren. HGS-Untersuchungen und auch von anderen durchgeführte Studien zeigen, dass dieser TRAIL-Rezeptor -1 eine Schlüsselrolle im direkten Auslösen der Apoptose in Krebszellen spielt.

Könnten Sie uns mehr über den TRAIL-Rezeptor und die Apoptose berichten?
Apoptose ist der programmierte Zelltod. Es ist ein komplexer Prozess, in den viele Eiweiße involviert sind. Alle normalen Zellen und besonders Krebszellen benötigen bestimmte Proteine, um zu überleben. Caspasen, eine Familie von Cystein Proteasen, sind Schlüsselenzyme bei der Kontrolle und Vermittlung der apoptotischen Antwort. Es existieren verschiedene Mechanismen, um Apoptose in Krebszellen zu induzieren. Der "extrinsische" Pfad zur Apoptose beginnt außerhalb einer Zelle, wenn Caspasen aktiviert werden, um andere Proteine zu schneiden und wenn ein Signal zur Zelle geschickt wird, dass es Zeit wird, zu sterben. Der "intrinsische" Pfad beginnt innerhalb der Zelle mit dem TRAIL-Mechanismus, wenn der Rezeptor, der auf der Oberfläche einer Zelle ist, von einem Medikament aktiviert wird, und dadurch auslöst, dass ein Signal an die Zelle gesandt wird, welches den Zelltod auslöst. Betrachten Sie eine Krebszelle als ein Haus mit mehreren Türen. Wenn Sie nicht den Schlüssel zu der Haustür haben, sind Sie immer noch in der Lage, über die Hinter- oder Terrassentür einzutreten.

Wie funktioniert Mapatumumab?
Die Ergebnisse von vorklinischen und klinischen Studien zeigen, dass Mapatumumab den Zelltod durch Apoptose direkt auslöst, Tumorwachstum in verschiedenen Tumoren hemmt und die Größe von Tumoren in bestimmten Krebsarten reduziert. Mapatumumab löst Apoptose aus, indem es die Aktivität des natürlichen Eiweißes TRAIL nachahmt. Es bindet an die Oberfläche der Zelle und sendet ein Signal von der Außenseite in die Zelle, und löst so den Tod der Zelle aus. Dies ist eine potentiell nützliche neue Möglichkeit in der Krebszelle, die vorher noch nicht erforscht wurde. Es ist eine sehr attraktive Idee in Bezug auf neue therapeutische Optionen für viele verschiedene Tumoren. Mapatumumab hat als ein einzelnes Agens oder in Verbindung mit anderen Chemotherapien bedeutsames Potential in therapeutischen Settings für die Behandlung eines breiten Spektrums von menschlichen Tumoren.

Was konnten die beendeten Phase-II-Studien zeigen?
Die HGS beendete drei klinische Phase-II-Studien mit Mapatumumab als Monotherapie bei Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom, Darmkrebs und Nicht-kleinzelligem-Lungenkrebs. Die Ergebnisse der Phase-II-Studien bei Non-Hodgkin Lymphom zeigten, dass Mapatumumab gut toleriert wird und sicher verabreicht werden konnte bei einer Dosis bis zu 10 mg/kg intravenös alle 21 Tage. Es konnte außerdem bei Patienten mit einem fortgeschrittenem Non-Hodgkin-Lymphom ein klinisches Ansprechen gezeigt werden.

Was ist mit der Studie mit Mapatumumab bei Patienten mit Multiplem Myelom?
Die Ergebnisse von vorklinischen Studien demonstrieren, dass Mapatumumab die tumortötetende Aktivität von Bortezomib verbessert. Für Bortezomib, welches bereits von der FDA für die Anwendung beim Myelom zugelassen ist, ist gezeigt worden, dass die Krebszellen durch das Blockieren des Eiweißstoffwechsels der Zelle getötet werden. Die Kombination von Mapatumumab und Bortezomib attackiert die Myelom-Zelle von der Innen- und von der Außenseite. Wissenschaft, Theorie und der Ansatz, diese zwei Medikamente zu kombinieren, erscheinen sinnvoll. Wir müssen jetzt beurteilen, wie gut diese Idee zum klinischen Setting passt.

Die HGS hat eine randomisierte, multizentrische Phase-II-Studie initiiert, um zu beurteilen, wie gut die Wirksamkeit und die Sicherheit von Mapatumumab in Kombination mit Bortezomib für Patienten mit einem therapierefraktären oder rezidivierten Myelom ist. Etwa 100 Patienten aus den Vereinigten Staaten und Kanada werden in diese Studie eingeschlossen und in zwei Behandlungsarme randomisiert. Das Hauptziel dieser Studie ist es, das Ansprechen von Patienten, die die Kombination erhalten, mit dem Ansprechen derjeniger, die Bortezomib allein erhalten, zu vergleichen. Als sekundäre Ziele sollen Sicherheit und Verträglichkeit beurteilt werden. Außerdem soll die Plasmakonzentrationen von Mapatumumab in einer pharmakokinetischen Analyse bestimmt werden. Die Patienten, die wir an unserem Zentrum behandelt haben, haben das Mapatumumab sehr gut vertragen. Es scheint auf Grundlage von unserer Erfahrung unwahrscheinlich, dass die Addition von Mapatumamab mehr Nebenwirkungen verursacht als Bortezomib allein. Die Ein- und Ausschluss-Kriterien für diese Studie sowie eine Liste von Institutionen, die gegenwärtig Patienten für die USA und Kanada einschließen, können unter www. clinicaltrials.gov oder über die IMF-Hotline unter 001800-452-CURE (2873) gefunden werden.

Was ist abschließend Ihre Meinung über Entwicklungen im Bereich der Myelomforschung in der nahen Zukunft?
Das neue Medikament und die klinische Studie, die wir gerade erörtert haben, sind nur Beispiele unserer Forschung hinsichtlich des Myeloms. Wir untersuchen, ob wir diese Krankheit auf neue Weisen von verschiedenen Seiten aus angreifen können. Wir forschen nach Nicht-Chemotherapie-Medikamenten, alleine oder in Kombination. Wir richten unsere Bemühungen sowohl auf das „Microenvironment“ als auch auf die Myelom-Zelle selbst und die verschiedenen Prozesse in und außerhalb der Zelle. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass wir auf einem guten Weg sind, eine sehr wirksame Strategie zu entwickeln, das Myelom von verschiedenen Seiten anzugreifen


Dr. Asher A. Chanan-Khan
Thrombembolische Ereignisse

Ein Gespräch mit Deborah Doss, RN, OCN

Was sind thrombembolische Ereignisse?
Thrombembolische Ereignisse (TE) schließen tiefe Venenthrombosen (TVT), Lungenembolie (LE), transiente ischämische Attacken (TIA) und Schlaganfälle ein. Die TVT ist die Bildung eines Thrombus in einer tief gelegenen Vene, sehr oft im Bereich der Beine oder der Arme.
Die LE ist ein medizinischer Notfall und tritt ein, wenn ein Thrombus aus einer anderen Region in die Lungenarterien „schießt“.

Die TIA ist ein "Warn-Schlaganfall" oder ein "Mini-Schlaganfall", der auftritt, wenn ein Thrombus kurzfristig eine gehirnversorgende Arterie blockiert und ein Teil des Gehirns nicht genug Blut bekommt und somit Schlaganfallsymptome verursacht, aber kein anhaltender Schaden entsteht. Dies zu erkennen und TIAs zu behandeln, kann das Risiko eines größeren Schlaganfalls reduzieren, obwohl den meisten Schlaganfällen keine TIAs vorrausgehen.

Wer hat das größte Risiko, ein TE zu bekommen?
Im Allgemeinen haben Patienten mit hämatologischen Erkrankungen ein erhöhtes Risiko für ein TE oder eine Blutung. Patienten mit Multiplem Myelom haben ein noch höheres Risiko für das Auftreten von TEs als Folge von malignen Proteinen (Antikörpern) im Blut, welche das Blut verdicken und so die Gefahr der Koagulation erhöhen. Andere Risikofaktoren können u.a. sein: Fettleibigkeit, Familienanamnese, wenn bereits schon einmal eine TVT aufgetreten ist, Immobilität, ein zentralvenöser Katheter, neue chirurgische Verfahren, Erythropoetin und Hoch-Dosis Dexamethason, allein oder in Kombination mit anderen Medikamenten eingenommen. Einige Myelom-Therapien wie Thalidomid plus Dexamethason oder Revlimid ® plus Dexamethason erhöhen auch das Risiko eines TE bei den Patienten.

Was sind die Gefahren von TEs?
Ein TE kann das Leben sowohl vom Patienten selbst als auch das seiner Familie durch Komplikationen, die das Leben ändern, nachhaltig beeinflussen. Komplikationen können die Atmung, das Erkennungsvermögen und andere übergeordnete Funktionen sein. Patienten-Weiterbildungen über mögliche Symptome von TEs sowie der rechtzeitige Arztbesuch sind wichtig für das Abwenden dieser möglichen Gefahren. Rechtzeitiges Erkennen und diagnostisches Aufarbeiten kann das positive Outcome steigern.

Auf welche Zeichen und Symptome sollten Patienten und Ärzte achten?
Die Zeichen einer TVT können geschwollene, rote oder warme Gliedmaßen, ein schneller Herzschlag, blaue Finger oder Zehen, ein dumpfer Schmerz oder ein „festsitzendes“ Gefühl in dem betroffenen Bereich und ein plötzliches Anschwellen der Venen sein. Zeichen einer LE können Angst, plötzliche Kurzatmigkeit, Keuchen, Brustschmerz oder Schmerzen beim Einatmen und ein erhöhter Puls sein. Die Zeichen einer TIA sind die gleichen wie die eines Schlaganfalls, einschließlich plötzlicher Taubheit oder Schwäche von Gesichtsmuskeln, Arm oder Bein auf einer Seite des Körpers, plötzliche Schwierigkeiten zu sprechen oder zu verstehen, plötzliche Schwierigkeiten, auf einem oder beiden Augen zu sehen, plötzliche Schwierigkeiten zu gehen, Schwindel, Verlust von Gleichgewicht oder Koordination, plötzliche starke Kopfschmerzen ohne bekannte Ursache. Die kurze Dauer diese Symptome und dass es keine bleibende Gehirnverletzung ist sind der Hauptunterschied zwischen der TIA und einem Schlaganfall.

Welcher diagnostische Test kann benutzt werden, um einen Patienten zu beurteilen?
Wenn ein Patient mit einer geschwollenen Extremität hereinkommt und eine TVT vermutet wird, wird häufig ein Ultraschall von der Extremität gemacht. Verschiedene Labortests können auch durchgeführt werden. Wenn eine LE vermutet wird, kann eine Lungenszintigraphie der Lunge gemacht werden.

Welche prophylaktischen Optionen sind für Patienten verfügbar ?
Einige Myelom-Therapien verlangen, dass eine Thrombose-Prophylaxe eingenommen wird. Die am häufigsten benutzte Prophylaxe ist Warfarin (Coumadin ®). Niedriges molekulares Heparin (LMWH) ist eine andere häufige Behandlung, um das Blut zu verdünnen. Aufgrund der Kosten von LMWH verwenden einige Ärzte noch Heparin-Spritzen. Aspirin wird auch von medizinschem Personal empfohlen. Mechanische Prophylaxen könnten Maschinen (sequentielle Kompressionsgeräte) oder antiembolische Strümpfe (Stützstrümpfe) sein. Eine Übungstherapie könnte von einem Physiotherapeuten geplant werden, aber aufgrund des Skelettbefalls beim Myelom muss ein Doktor konsultiert werden, bevor irgendwelche Übungsprogramme in Angriff genommen werden.

Welche Myelom-Therapien erhöhen das Risiko eines TE?
Ein vermindertes Auftreten von TEs ist bei weniger aggressiven Therapien mit niedrigeren Dosen von Thalidomid und Steroiden berichtet worden (allein oder in Kombination). Geeignete Dosisreduktion durch den Arzt kann die Lebensqualität steigern, ohne die Therapie zu unterbrechen. Als Beispiel: Dosis-Reduktionen können bei Patienten mit Thalidomid (50-100 mg täglich) und/oder Dexamethason (20-40 mg einmal pro Woche oder 20 mg an den Tagen 1-4 eines Monatszyklus) vorgenommen werden. Es ist wichtig zu bedenken, dass die Prophylaxe vom Arzt entsprechend dem Risikoprofil jedes einzelnen Patienten geschneidert sein muss. Viele der Myelom-Patienten sind heute ziemlich gebildet hinsichtlich ihrer Krankheit und ich hoffe, dass diese Information ihnen hilft, über diese Punkte mit ihren betreuenden Ärzten zu reden.


Updates vom IMF Europa

Studienjahre sind immer hart, egal, ob Sie ein Baby, ein Student oder ein neues Programm in Europa sind. Aber sie sind auch eine gute Zeit, um die ersten Schritte für zukünftige Erfolge zu tun, egal ob als Erwachsener, als Berufstätiger oder als Ansprechpartner für Patienten.

Dr. Morie Gertz von der Mayo Klinik (Rochester, MN) beendete vor kurzem seine sehr erfolgreiche Reise nach Deutschland. Am 16. Mai traf er sich mit 50 Mitgliedern der Myelom Hilfe München, der Münchener Myelom-Selbsthilfegruppe, die der Myelompatient Volker Filipp leitet. Dr. Gertz beantwortete mehr als 40 Fragen mit anschließender Diskussion in zweieinhalb Stunden, was nicht möglich gewesen wäre ohne die Übersetzungsdienste von Dr. Christian Straka aus der Medizinischen Klinikum und Dr. Argirov (München), Ko-Vorsitzender der deutschen Studiengruppe DSMM.

Drei Tage später nahm Dr. Gertz an einer gut besuchten Patienten-Veranstaltung mit mehr als 120 Teilnehmern teil, die von der Myelom Hilfe Würzburg (die Myelom-Selbsthilfegruppe Würzburg), der IMF und der Universitätsklinik Würzburg gesponsort wurde. Vorsitzender dieses Treffens war Dr. Hermann Einsele, der im Dezember 2006 zum Wissenschaftlichen Beirat der IMF berufen wurde. Dr. Gertz präsentierte eine Variante seiner sehr effektiven Einführung zum Thema Multiples Myelom, indem er die "Unkraut im Garten"-Metapher verwendete, um diese Krankheit gut verständlich zu machen.

Dr. Gertz´ Darstellungen folgten Präsentationen von den Kollegen der Universitätsklinik Würzburg Drs. Ralf Bargou, Volker Kunzman, und Einsele. Nach dem Patiententreffen lud die Leiterin der Selbsthilfegruppe Karin Kleineberg Wolfgang Zöller, Mitglied des deutschen Parlaments und Schutzpatron der Selbsthilfegruppe, ein, eine Rede zu halten und danach das Unterhaltungsprogramm zu beginnen.

Einige bevorstehende Ereignisse für die Zukunft von IMF Europa sind IMF Patienten- und Familienseminare in Paris, Neapel, Barcelona und Heidelberg. Zusätzliche Treffen sind für Deutschland, die Tschechische Republik, Frankreich, Spanien und Italien geplant.
Die deutsch- und spanischsprachigen IMF E-Mail-Newsletter, „Myeloma Merkur“ und „Mensajero de Mieloma“, werden in Kürze von französischen und italienischen Auflagen ergänzt werden. Erscheinungsdatum und Titel werden auf der IMF-Website angekündigt.

Während ich den 19. Monat meiner Zeit bei der IMF Europa beginne, denke ich über die Unterschiede zwischen dem, was ich in Europa erfahren habe, und meinen vorherigen sechseinhalb Jahren, als ich die IMF in der amerikanischen Öffentlichkeitsarbeit vertreten habe. Während dieser Zeit hatte ich die Ehre, die IMF bei zahlreichen Besuchen von Selbsthilfegruppen überall in den Vereinigten Staaten zu vertreten, während ich gleichzeitig inmitten der Krebspolitik von Washington D.C. gearbeitet habe.

Die erstaunlichste Sache, die mir aufgefallen war, ist die verblüffende Ähnlichkeit der Ängste, Hoffnungen und Wünsche, die Myelompatienten überall auf der Welt hegen. Wie Dr. Kyle es so direkt zu mir nach seiner Rede letztes Jahr in Berlin sagte, "Patienten sind Patienten.". Sie wollen dieselben Sachen wissen, ohne Rücksicht auf politische Grenzen. Deshalb würde ich gern kurz ausführen, was ich während der letzten 18 Monate gelernt habe:

  1. Grenzen. Es muss erst noch eine Krankheit gefunden werden, die irgendwelche vom Menschen geschaffenen Grenzen beachtet - geographisch, politisch oder historisch. Krankheiten kennen einzig und allein genetisch definierte Grenzen, die wir noch nicht verstehen.

  2. Politik. Eine Ähnlichkeit, die ich auf beiden Seiten des Atlantiks gefunden habe, ist, dass feststehende Kundenkreise manchmal von kurzfristigen Überlegungen über langfristigen Fortschritt geblendet werden können. So ist die menschliche Natur. Mit meinen Erfahrungen bei der IMF habe ich festgestellt, dass kurzfristige Fehltritte immer korrigiert werden können durch langfristige Ideale und organisatorische Integrität. Indem wir fortfahren, diese Philosophie überallhin dorthin zu bringen, wo die IMF hingeht, fahren wir ebenso fort, die Interessen unserer Gemeinschaft an die erste Stelle zu setzen.

  3. Richtlinien. Mitglieder der Myelom-Gemeinschaft müssen, egal, wo sie leben, wissen, dass sie auf verschiedenen Ebenen von der öffentlichen Politik und Grundsätzen der Gesundheitspolitik beeinflusst werden. In den USA bedeutet das, den föderalistischen Staat und die Lokalpolitik zu verstehen und sich bewusst zu sein, wie diese die Mitglieder unserer Gemeinschaft betreffen können, um dann bei Bedarf angemessen darauf zu reagieren. In Europa bedeutet das, die Europäische Union und die nationalen Regierungen, die Staaten und die lokalen medizinischen Verwaltungsbezirke zu verstehen. Sie alle nehmen Einfluss auf die Forschung, die Entwicklung und die Zulassung von Medikamenten sowie auf Angelegenheiten der Patienten auf allen Ebenen.

  4. Kollaborationen. Kleine Krankheitsgruppen wie die Myelom-Organisationen müssen international und kooperativ arbeiten, um Ergebnisse zu erzielen.

  5. Pflegepersonal, Freunde und Familie. Wenn es einen Bereich gibt, in dem die IMF international führend gewesen ist, ist es im Verständnis und Ausdruck der Idee, dass Pflegepersonal, Freunde und Familie wichtig sind. Dies ist eine der wichtigsten Ideen, die wir weltweit und untereinander teilen müssen.

  6. Patienten. Weil engstirnige und beschränkte Interessen manchmal positive Veränderungen übertrumpfen können, müssen wir uns immer fragen – ganz gleich, was unser persönliches, organisatorisches oder kommerzielles Anliegen ist – "Ist das für die Patienten wichtig?". Forscher müssen darüber hinausgehen, nur alles über die Krankheit zu lernen und sich zusätzlich zu vergewissern, dass ihre Arbeit zu längerem Patienten-Überleben beiträgt. Ärzte müssen alles Mögliche dafür tun, jeden Fall individuell zu behandeln, und mit dem Patienten in einfühlsamer Partnerschaft zusammenzuarbeiten. Und der Rest von uns in der Gesellschaft muss sich jeden Tag erneut fragen, ob wir die Patienteninteressen an erste Stelle setzen.

Die IMF ist immer bestrebt, noch bessere Möglichkeiten zu finden, unserer Gemeinschaft zu helfen - wo auch immer in der Welt das sein mag. Wenn Sie Ideen haben, um zu unserem andauernden Wachstum und unserer Entwicklung beizutragen, kontaktieren Sie mich bitte gerne unter greg.brozeit@sbcglobal.net.


Brian Durie
Updates über neue wissenschaftliche und klinische Konferenzen

„Myeloma today“ im Gespräch mit Dr. Brian G.M.Durie

Was können Sie uns über die Präsentationen bei dem kürzlich stattgefundenen EHA-Kongress erzählen?
Es gab einige wichtige Präsentationen auf dem 12. Kongress der Europäischen Hämatologie Assoziation (EHA), der Anfang Juni in Wien, Österreich, stattfand. Eine italienische Studie über mini-allogene Transplantationen, die bereits im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurde, wurde von Mario Boccadoro (Medizinische Universitätsklinik Turin, Italien) auf dem Kongress vorgestellt. Diese sehr interessante, aber kontrovers diskutierte Studie zeigte, dass eine doppelte autologe Transplantation nicht so erfolgreich war wie eine autologe Transplantation gefolgt von einer mini-allogenen Transplantation. Diese Ergebnisse werden aktuell in wissenschaftlichen Kreisen diskutiert. Die Hauptpunkte sind: ist die mini-allogene Transplantation tatsächlich besser als eine doppelt-autologe Transplantation? Ist die GvHD eine absolute Kontraindikation? Wird die Einführung neuer Therapien größeren Nutzen bringen als mini-allogene Transplantationen mit geringer Toxizität?

Antonio Palumbo (Universitätsklinik Turin, Italien) präsentierte Updates über MPT (Melphalan, Prednison, Thalidomid) und MPR (Melphalan, Prednison, REVLIMID) für nicht-transplantierte Myelompatienten. Die Ergebnisse mit MPR waren sehr gut, und es scheint so, als ob die MPR Therapie die MPT Therapie ebenso ersetzen könnte wie REVLIMID plus Dexamethason Thalidomid plus Dexamethason ersetzt hat. Dr. Palumbo zeigte außerdem, dass MPR den negativen Einfluss von abnormen Chromosomen überwindet. Mit MPR war das Outcome für Patienten mit Chromosom-13-Deletion und Translokation 4;14 genauso gut wie für Patienten ohne diese Abnormalitäten. Diese exzellenten MPR Ergebnisse stehen im Konflikt mit der „Risiko-adaptierten Strategie“-Methode, die vom Team der Mayo Klink veröffentlicht wurde, und nach der Patienten basierend auf ihrem Chromosomen-Status therapiert werden sollten. MPR funktioniert gut bei Hoch- und Niedrig-Risiko-Patienten.

Andere kontrovers diskutierte Studien auf dem EHA-Kongress waren die von Pieter Sonneveld (Universitätsklinik Rotterdem, Dijkzigt, Niederlande) und von Jean-Luc Harousseau (Institut für Biologie, Nantes, Frankreich). Ihre Arbeiten hatten gezeigt, dass die Kombination von VELCADE mit DOXIL eine drei Monate längere Antwort bewirkt als VELCADE allein. Eine ähnliche US-Studie führte bereits zur Genehmigung der FDA für diese Kombinationstherapie. Es gibt jedoch kontroverse Ansichten über den relativen klinischen Wert dieses bescheidenen Überlebensvorteils durch VELCADE plus DOXIL. Dr. Sonneveld hat auch weitergehend analysiert, ob die Patienten zuvor Thalidomid erhalten hatten, und konnte zeigen, dass frühere Thalidomidgabe das Outcome nicht beeinträchtigte, während das Überleben dasselbe blieb. Auf Basis eben dieser Daten zeigte Dr. Harousseau, dass bei einem längeren Follow-Up ein signifikanter, aber kleiner Überlebensvorteil mit der Kombinationstherapie erreicht wird.

Keith Stewart (Mayo Clinic, Scottsdale, AZ) präsentierte Ergebnisse einer Phase-I/II- Studie über den neuen Proteasomeninhibitor Carfilzomib (PR-171) für das Myelom und für Waldenström´s Makroglobulinämie. In frühen Versuchen zeigte Dr. Stewart, dass vier von 20 Patienten auf das neue Medikament ansprachen. Alle dieser Studienpatienten hatten eine sehr fortgeschrittene Krankheit. Die Studiendosis wurde gut toleriert ohne neuropathische Nebenwirkungen.

Joan Bladé (Hospital Clinic, Barcelona, Spanien) präsentierte Daten der PETHEMA-Studie über Hochdosistherapie (HDT), inklusive Stammzelltransplantation bei primär refraktärem Myelom. Dr. Bladé zeigte, dass, vorausgesetzt, der Patient hat keine progressive Krankheit (PD), das Outcome bei verschiedenen Antwortraten gleich bleibt. Mehrere Forscher haben untersucht, ob es einen Unterschied im Outcome bei Patienten mit CR (complete response) verglichen mit Patienten mit VGPR (sehr gutem Teilansprechen) oder anderen Ansprechraten gibt. In dieser spanischen Studie zeigte sich kein Unterschied.

Wie werden die Ergebnisse evaluiert?
Zurzeit gibt es einen starken Trend, die publizierten „New International Uniform Response Criteria for Myeloma“ (Neue international standardisierte Ansprechkriterien beim Myelom) zu benutzen. Allerdings benutzte Dr. Bladé für die Evaluation seiner oben genannten Studie die Europäischen Blut- und Knochenmarkstransplantations-Kriterien (EBMT), welche um neue Ansprechkriterien erweitert wurden. In den EBMT-Kriterien wird ein Ansprechen zu zwei verschiedenen, sechs Wochen auseinander liegenden Zeitpunkten dokumentiert, andernfalls muss das Ansprechen als „unbestätigt“ vermerkt werden. Das bedeutet, dass in den älteren Studien, die die EBMT-Kriterien anwendeten, ungefähr 10% der Patienten nicht evaluiert werden konnten, da ihr Proteinlevel nicht sechs Wochen später erneut bestimmt werden konnte. 10% der Daten der Studienpatienten aus der Auswertung der Studie herauszunehmen, kann einen großen Einfluss auf die Ergebnisse haben. Die neuen Kriterien erfordern einfach zwei Bestimmungen, um sicherzustellen, dass kein Messfehler vorliegt, aber man muss nicht sechs Wochen warten, um die Proteinlevel erneut zu bestimmen. So wird es erleichtert, das Ansprechen zu bestimmen.

Vielen Dank. Was gibt es über die Präsentationen des Internationalen Myelom-Workshops zu berichten?
Es gab einige interessante Präsentationen auf dem zweijährlichen Treffen, das in Kos, Griechenland, vom 25. bis 30. Juni stattfand. Im Bereich der Pathophysiologie gab es eine interessante Diskussion über mögliche neue Substanzen in der Behandlung des Myeloms. Im Bereich der Genetik erfolgte ein Überblick über die molekulare Klassifikation des Myeloms durch John Shaughnessy (Institut für Forschung und Therapie des Myeloms, Little Rock, AZ), prognostische Möglichkeiten der FISH-Karyotypisierung wurden von Hervé Avet-Loiseau (Institut für Biologie, Nantes, Frankreich) aufgezeigt, und das Modell der einzelnen Nukleotidpolymorphismen („single nucleotide polymorphism“, SNP) für das Myelom wurden vom „Bank On A Cure“-Projektleiter Brian Van Ness (Universität Minnesota, Minneapolis, MN) erläutert.

Welche Fortschritte wurden von „Bank On A Cure“ in neuester Zeit erzielt?
Da gibt es mehrere interessante Updates zu berichten. Sowohl Pieter Sonneveld als auch Hervé Avet-Loiseau sind nun in ihren Laboren ausreichend ausgestattet, um Experimente für das „Bank On A Cure“-Projekt durchzuführen. Die IMF stellt hier die kommerziellen Chips zur Verfügung, die sie für die Studien benötigen. Dies bedeutet, dass die Forschung, die von „Bank On A Cure“ durchgeführt wird, sich von zwei Laboratorien auf vier Laboratorien erweitert hat. Die Arbeit wird jetzt in den USA, dem Vereinigten Königreich, den Niederlanden und in Frankreich fortgeführt.

Das sind gute Nachrichten. Lassen Sie uns auf die Präsenationen von Kos zurückkommen.
In dem Abschnitt über neuartige Behandlungen beim Internationalen Myelom-Workshop diskutierte Paul Richardson (Dana-Farber Krebsinstitut, Boston, MA) die Wirkungen von VELCADE basierten Kombinationsbehandlungen beim rezidivierten oder refraktären Myelom, Donna Weber (M.D Anderson Krebszentrum, Houston, TX) redete über REVLIMID-basierte Kombinationsbehandlungen für das rezidivierte oder refraktäre Myelom, Dharminder Chauhan (Dana-Farber Krebs-Institut) erörterte die nächste Generation von Proteasom-Hemmstoffen als Therapie des Myeloms, und Constantine Mitsiades (Dana-Farber Krebs-Institut) stellte die Anti-Myelom-Aktivität der Hitzeschockprotein-90-Hemmung vor.

Im Bereich der Frontline-Therapie des Myeloms gibt es eine Anzahl Fragen, die immer noch beantwortet werden müssen. Welche der verschiedenen anderen Frontline-Therapien sind am besten für die etwa 20% der Myelompatienten geeignet, die im weiteren Verlauf für eine Stammzellentransplantation vorgesehen sind? Und was ist die bevorzugte Frontline-Therapie für die etwa 80% der Myelompatienten, die keine Transplantation bekommen werden? Gegenwärtig ist einer der führenden Kandidaten in der ersten Kategorie die Kombination von REVLIMID plus niedrig dosiertes Dexamethason. In der zweiten Kategorie gibt es eine Menge von VELCADE-basierten Therapien, sowie MPT und MPR.

Hat die Hochdosistherapie überhaupt noch einen Platz?
Die medizinische Gemeinschaft bewertet gegenwärtig Stammzellentransplantationen neu. Es gab beim Internationalen Myelom-Workshop und eine Vielzahl von Präsentationen, die sich darauf konzentrierten, Stammzellentransplantationen, einmalige versus doppelt-autologe Transplantationen, allogene Transplantationen, die Analyse von Prognosefaktoren sowie die post-transplantären Strategien nach dem Allograft zu optimieren. Auch auf dem Programm stand eine Debatte zwischen Bart Barlogie (Myelom-Institut für Forschung und Therapie, Littles Rock, Arkansas) und Jean-Paul Fermand (Krankenhaus Saint-Louis, Paris, Frankreich) darüber, ob die autologe Transplantation Bestandteil der initialen Therapie des Myeloms sein sollte. Hier sprach sich Dr. Barlogie dafür, Dr. Ferman dagegen aus. Vor kurzem hatte Dr. Fermand Ergebnisse seiner großen, randomisierten Studie gezeigt, die initiale Transplantationen mit späteren Transplantationen bei Rückfall verglich, wobei er keinen Unterschied im Überlebensvorteil bei beiden Gruppen gesehen hatte.

Haben Sie etwas präsentiert auf dem Internationalen Myelom-Workshop?
Ja. Ich zeigte dem „Bank On A Cure“-Gremium SNP-Daten aus Knochengewebe. Ausserdem betonte ich im abschließenden Symposium, welches sich auf gegenwärtige und zukünftige Perspektiven beim Multiplen Myelom konzentrierte, die Wichtigkeit der neuen standardisierten Ansprechkriterien und wie dies die Art und Weise beeinflusst, wie wir alle unsere Protokolle in der Myelomtherapie strukturieren. In der gleichen Sitzung erörterte Jesus San Miguel (Universitätsklinikum, Salamanca, Spanien), wie neuartige Substanzen die Therapie des Myeloms individualisieren können, Pieter Sonneveld teilte die Pläne für europäische Myelomstudien mit, und Ken Anderson (Dana-Farber Krebs-Institut) beendete das Symposium mit seinen Voraussagen für die Zukunft.

Wie sieht die Zukunft aus?
Dies ist eine sehr aufregende Zeit in der Myelomforschung. Nie zuvor wurde ein so großer Fortschritt innerhalb von einer relativ kurzen Zeit gemacht. Es gibt noch viel Arbeit, aber es gibt viele Kliniker und Forscher, die sich um ein größeres Verständnis des Myeloms bemühen. In der Zwischenzeit sieht die Prognose für die Patienten immer besser aus. Ich hoffe, dass dieser kurze Überblick den Lesern von „Myeloma Today“ einen Eindruck davon vermittelt, wie viel gegenwärtig dafür getan wird, um die Lebensdauer und die Lebensqualität dieser Patienten zu verbessern. Einige der Studien, die ich erwähnt habe, versprechen Follow-Up-Daten in den kommenden Ausgaben dieser Zeitschrift, und wir werden ausführliche Zusammenfassungen jener Themen unseren Lesern mitteilen.


Robert Kyle
Robert R. Kyle bekommt den David A. Karnofsky Gedenkpreis


Das 43. Jahrestreffen der amerikanischen Gesellschaft für klinische Onkologie (ASCO) fand vom 1. bis zum 5. Juni in Chicago statt. Diese Premiere des Bildungs- und wissenschaftlichen Programms im Bereich der Onkologie war die Kulisse für die Auszeichnung von Dr. Robert A. Kyle, Direktor der IMF und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats, mit dem diesjährigen David A. Karnofsky Gedenkpreis. Benannt nach einem der Pioniere im Bereich der Onkologie wird der David A. Karnofsky Gedenkpreis Forschern verliehen, deren Arbeit die Denk- und Arbeitsweisen in der Onkologie grundlegend geändert hat. Den Preis erhält Dr. Kyle, dessen Arbeit in seiner gesamten Karriere schon mehrfach ausgezeichnet wurde, für seine grundlegenden und bahnbrechenden Arbeiten in der Forschung zum Multiplen Myelom und monoklonalen Eiweiß-Abnormitäten. In den 1960ern schuf Dr. Kyle ein spezielles Eiweißlabor in der Mayo Klinik. Er war verantwortlich für die Einführung der Dysproteinämie-Einheit in der Mayo Klinik für Patienten mit Myelom, Makroglobulinämie, primärer Amyloidose und anderen hämatologische Störungen. Dr. Kyles Entdeckungen hinsichtlich der Monoklonalen Gammopathie und der Monoklonalen Gammopathie unbestimmter Signifikanz (MGUS) im Jahre 1978 und des sogenannten Smoldering Myeloms im Jahr 1980 werden als grundlegend für das damalige Hämatologieverständnis betrachtet. Er initiierte zahlreiche Programme, die sowohl die Versorgung der Patienten, als auch die klinische Wissenschaft verbesserten und er fährt fort, außergewöhnliche und initiative Forschung zu betreiben. Während seiner herausragenden Karriere wurde Dr. Kyle mit mehr als 50 Preisen sowohl für seine Sachkenntnis und Hingabe an die Wissenschaft als auch für die Patientenversorgung geehrt. Drei nach ihm benannte renommierte Preise werden an Onkologen verschiedener Spezialisierungen vergeben: der IMF gewährt den Robert-A.-Kyle-Lebenswerk-Preis für Ärzte, die "ein einzigartiges Engagement und Mitgefühl für die Behandlung von Myelom-Patienten demonstrieren, die Waldenström-Makroglobulinämie-Stiftung vergibt den Robert-A.-Kyle-Preis für wichtige Beiträge zur Therapie dieser Krankheit, und die Mayo-Klinik in Arizona vergibt den Robert-A.-Kyle-Preis für Exzellenz in klinischer Forschung an denjenigen Arzt, der in dieser Institution die hervorragendste Arbeit auf irgendeinem Feld der Forschung geleistet hat. Dr. Kyle kann über 1.800 Publikationen für sich verzeichnen und war Mitherausgeber von vier Auflagen von „Neoplastische Störungen des Blutes“ und drei Auflagen von „Multiples Myelom: Biologie und Managment“. Dr. Kyle hat eine wissenschaftliche Korrektheit und Integrität in die klinische Forschung gebracht, welche für jeden vorbildlich sind. „Er hat die umfassendste Kenntnis von publizierter Forschung zu diesem Thema“, sagte Dr. Brian G. M. Durie, Vorsitzender der IMF. Er bringt dieses breite Wissen zum Patienten und ist in der Lage, seine Therapie mit Geschick, Eleganz und einer großen Humanität durchzuführen. Sein sorgfältig überlegter Rat wird von allen, die ihn erhalten, hoch geschätzt.

Veröffentlichung durch: International Myeloma Foundation
Herausgeber
: Gregor Brozeit
Hauptverantwortliche Übersetzer:
Dr. Nina Chevalier, Universitätsklinikum Freiburg
Dr. Alexander Kühnemund, Universitätsklinikum Freiburg*
Dr. Ute Hegenbart, Universitätsklinikum Heidelberg,
Dr. Niklas Zojer, Wilhelminenspital, Wien, Österreich
Korrektur: Dr. Rolf Pelzing

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