We are international
Donate

Der Myelom Merkur wird 9x /Jahr veröffentlicht werden und ist kostenlos verfügbar durch eine Registrierung bei merkur@myeloma.org.


5. Ausgabe, January 2007


EIN NEUER WEG, NOTWENDIGE INFORMATIONEN ZU ERHALTEN

Für Hämatologen und Onkologen weltweit, ist der Jahreskongress der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie (ASH) der wichtigste jedes Jahr. Die IMF hat an diesen Kongressen teilgenommen, seitdem sie vor 16 Jahren gegründet wurde. Dr. Brian Durie erzählte mir, dass im ersten Jahr der IMF-Teilnahme 5 Beiträge zum Multiplen Myelom präsentiert wurden. Bei den letzten 2 Kongressen wurden jeweils ca. 200 Beiträge vorgestellt. Somit zeigt sich ein starker Anstieg der Aktivitäten.

Als Thalidomid vor 8-9 Jahren erstmalig beim Multiplen Myelom eingesetzt wurde, war es das erste neue Medikament in der Behandlung seit mehr als 40 Jahren. Seitdem haben wir noch mehr hoffnungsvolle Entwicklungen erlebt, als Bortezomib und Lenalidomid zum Einsatz kamen. Nun liegt der Fokus darauf, wie wir diese Medikamente einsetzen: wann, in welcher Dosierung, in welcher Abfolge, gestaltet je nach Ihren genetischen Eigenschaften. Das Bedeutet, dass die Ärzte und Patienten eine größere Auswahl der Möglichkeiten für jeden Patienten haben. Das bedeutet für Patienten, Familien, Angehörige und Ärzte, mehr über die Erkrankung zu lernen und zusammen zu entscheiden, welche Behandlungsoptionen und klinische Studien für Sie am Besten sind.

In unserem kontinuierlichen Anstrengungen, Ihnen zu helfen, immer die neuesten Informationen zu erhalten und über Veränderungen informiert zu sein, hat die IMF in den letzten 2 Jahren verschiedene Telnehmer des ASH Kongresses interviewt und sie gebeten, kurz über ihre Eindrücke beim Kongress und über ihre eigenen Vorträge zu berichten. Das ist ein exzellenter Weg, Informationen zu erhalten, ohne medizinische Artikel sichten zu müssen. In diesem Jahr haben wir mehr als 50 Interviews durchgeführt, einschließlich einer Auswahl in deutscher Sprache.

In dieser Ausgabe des Myelom Merkurs versuchen wir etwas Neues. Wir haben all unsere Interviews in deutscher Sprache in dieser Ausgabe für Sie zusammengetragen. Klicken Sie einfach auf die Fotos und folgen Sie dann den Anweisungen. Jedes ist ein kurzer Film, der Ihnen verschiedene Perspektiven und Präsentationen vom ASH darbietet.

Um diese Interviews anschauen zu können, benötigen Sie einen Highspeed-Internetzugang. Wir sind uns klar, dass nicht jeder Patient diese Möglichkeit hat. Diejenigen von Ihnen, die die Interviews herunterladen können, ermutige ich, einige andere Patienten, die keinen Internet-Zugang haben, einzuladen und die Interviews zusammen anzuschauen. Oder vielleicht können Sie, wenn Sie in einer Selbsthilfegruppe sind, es arrangieren, die Filme zusammen bei einem der nächsten Treffen anzuschauen und zu diskutieren. Diese Interviews sind natürlich nicht umfassend, sie geben Ihnen aber einen  Einblick von der deutschsprachigen Seite.

Wenn Sie sehen möchten, von wo diese Idee kommt, dann gehen Sie auf die Webseite www.myeloma.org und klicken Sie auf den link zu den ASH-Interviews. Die meisten Interviews sind in englischer Sprache; wenn Sie englisch verstehen, werden Sie vieles Interessantes finden. Wir haben auch kurze Interviews dort in Tschechisch, Französisch, Hebräisch, Italienisch, Spanisch und Türkisch. Wir hoffen, in den nächsten Jahren die Angebote in verschiedenen Sprachen erweitern und noch mehr Sprachen hinzunehmen zu können.

Wenn Sie diese Art und Weise mögen, können ähnliche Interviews der bevorstehenden  Kongresse (Amerikanische Krebsgesellschaft ASCO und Myelomkongress in Kos, Griechenland vom 25.-30.6.2007) zur Verfügung gestellt werden.  Bitte kontaktieren Sie mich, wenn Sie irgendwelche Wünsche oder Vorschläge für bestimmte Personen oder Ideen, die wir filmen sollen, haben.

Die nächste Ausgabe des Myelom Merkur wird bald erscheinen. Darin wird die Übersetzung ausgewählter Artikel aus Myeloma Today zu finden sein.

Wie immer, wenn Sie mich kontaktieren wollen, bitte senden Sie mir eine Email an greg.brozeit@sbcglobal.net.


EINLEITUNG:

Lieber Leser,




Zu einer Zeit, in der man beginnt, die jüngsten Fortschritte bei den neuen Therapien in die übliche Behandlung des Multiplen Myeloms einzubeziehen, hat sich die Rolle der IMF als Verbreiter der wichtigsten Informationen über die Nutzung und den Zugang zu diesen Medikamenten verstärkt. Es ist eine Herausforderung für alle beteiligten Patienten, Ärzte, Krankenschwestern und andere Personen im Gesundheitswesen, auf dem neuesten Stand über die neuen Protokolle, Daten von beginnenden und laufenden Studien und die neuen Medikamente zu bleiben, da sie nach der Nutzung bei rezidivierter Erkrankung nun auch in der Ersttherapie eingesetzt werden. Die Rolle der IMF war es immer, die neuesten Informationen über die Behand­lung und das Management des Multiplen Myeloms anzubieten, so dass die Patienten und ihre Familien effektive Partner ihrer Ärzte sein und auf der Grundlage von Informa­tionen die Entscheidung treffen können, welches die richtige Behandlungsform für sie ist. Um die ständig anwachsende Forderung nach genauen und neuesten Informationen zu erfüllen, hat die IMF ihre Programme ausgeweitet.

Wir haben die Serie der Broschüren, wie ständig gefordert, erweitert. Diese Broschüren bieten tiefgehende Informationen über spezifische Therapien und Medikamente an. Folgende Broschüren sind erhältlich: Thalidomid, Revlimid, Velcade, Bisphosphonate, Dexamethason und andere Steroide, Quadramet, Trisenox, Kyphoplastie, Untersuchung freier Leichtketten im Serum. Viele der Informationsbroschüren sind außer in English in verschiedenen Sprachen verfügbar (Französisch, Deutsch, Hebräisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch). Diese Publika­tionen werden sowohl in Heftform als auch im Internet angeboten. Die IMF hat Telefon­konferenzen mit den Leitern der Selbsthilfegruppen durchgeführt, um sie über die aktuellsten Neuigkeiten hinsichtlich spezifischer Behandlungen zu informieren, so dass sie diese Informationen an ihre Mitglieder weitergeben können. Wir haben auch einen Dialog mit den Vorsitzenden der Selbsthilfegruppen begonnen und haben wertvollen Input und Rückmeldungen über die Abläufe klinischer Studien erhalten. Die IMF-Webseite ist reich an Interviews, die mit Meinungs­führern in der Myelom-Gemeinschaft geführt wurden. Diese Interviews bieten eine wunderbare Möglichkeit, um deren Kommentare und Gedanken über von ihnen durchgeführte Studien zu hören und von Studien zu erfahren, die zu neuen Behandlungsprotokollen führen können.  Wir haben eine sehr aufregende Zukunft vor uns.

Herzliche Grüße,
Susie Novis


REVLIMID WURDE FÜR DAS MULTIPLE MYELOM IN DEN VEREINIGTEN STAATEN ZUGELASSEN


Gezielte Therapien können lebensverändernd für Krebspatienten sein.
Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat die Zulassung für Revlimid (Lenalinomid) für die Anwendung in Kombination mit Dexamethason als Behandlung für Patienten mit Multiplem Myelom, die mindestens eine vorherige Therapie erhalten haben, gegeben.

Die FDA-Zulassung von Revlimid ist eine wichtige Erweiterung der Therapiemöglchkeiten in der Myelombehandlung, die zusammen das Potential haben, das Leben der Patienten signifikant zu verlängern. Revlimid war bereits von der FDA im Dezember 2005 zugelassen worden, um verschiedene Patienten mit einer bösarti­gen Bluterkrankung, der sog. Myelodysplasie, zu behandeln. Die zusätzliche Zulassung von Revlimid für Patienten mit Multiplem Myelom, die ein Rezidiv nach mindestens einer Vortherapie hatten, ermöglicht ihnen eine gezielte orale Behandlung, die in Kombinationsbehandlungen genutzt werden kann und in Abfolge mit anderen Behandlungen helfen wird, viele Patienten aktiv, produktiv und mit Wohlbefinden am Leben zu erhalten.

Revlimid ist ein Medikament, das als Tablette zu Hause genommen wird. Es wird als gezielte Therapie bezeichnet, da es die Krebszellen eher trifft als alle sich sonst schnell teilenden Zellen, d. h., dass es die Krebszellen ohne die sonst mit Chemotherapie üblichen Nebenwirkungen angreift. Revlimid gehört zu einer neuen Klasse von Medikamenten, die „immunmodulatorische Medika­mente“ (IMIDs) genannt werden, und wurde von der Firma Celgene entwickelt.  Dies basierte darauf, dass die Firma bereits mit Thalidomid gearbeitet hat. Revlimid ist ein Abkömmling von Thalidomid, und konnte zunächst ohne eine Zulassung genutzt werden. Es wurde im Mai 2006 in den USA für Patienten mit neu diagnostiziertem Multiplem Myelom zugelassen (in Deutschland ist es noch nicht zugelassen). Obwohl Revlimid zur selben Klasse von Medikamenten wie Thalidomid gehört, verursacht es weniger und weniger schwere Nebenwirkungen. Revlimid ist mit Thalidomid das zweite FDA-zugelassene Medikament in diesem Jahr, welches von der Firma Celgene entwickelt wurde und das speziell für die Behandlung des Multiplen Myeloms genutzt werden soll. Die Nutzung dieser Behandlung in Kombinationstherapien zeigt vielver­sprechende und innovative Ansätze innerhalb der sich derzeit dramatisch verändernden Aussichten für Patienten mit Multiplem Myelom.

Michael Tuohy, Vater von zwei kleinen Kindern in Connecticut, war gerade 36 Jahre alt, als er vor 6 Jahren die Diagnose des Myeloms erfuhr. Die Behandlungen wirkten zunächst, aber das Multiple Myelom kam zurück. „Ein Arzt sagte mir, dass Revlimid meine beste Option für die Behandlung wäre, die mir auch erlauben würde, eine gute Lebensqualität zu erhalten, und ich wurde in eine Revlimid-Studie im letzten November eingeschlossen. Heute bin ich in kompletter Remission. Ich habe gerade meinen 42. Geburtstag mit meiner Frau und meinen Kindern gefeiert -  ein Meilenstein, von dem ich befürchtete, ihn nie zu erleben.“

Auf der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für klinische Onkologie im Juni 2006 berichteten die Forscher, dass Patienten mit neu diagnostiziertem Multiplem Myelom, die mit Revlimid und Dexamethason behandelt wurden, keine Krankheitsprogression während der Studie zeigten. Sogar Patienten, die nicht mehr auf Behandlungen ansprachen, zeigten mit dieser Therapie ein verbessertes Überleben. Patienten mit multiplem Myelom, die mit der Kombinationstherapie behandelt wurden, zeigten im Mittel für 11 Monate keinen Krankheitsprogress, verglichen mit 4,7 Monaten bei einer alleinigen Dexamethason-Therapie. Die Gesamtansprech­rate mit Revlimid war mehr als doppelt so hoch wie mit Dexamethason (59% verglichen mit 21%), und die komplette Remissionsrate war höher (13% vs. 0,6%). „Revlimid ist eine wichtige Bereicherung der Medikamente, die wir für das Multiple Myelom nutzen, und gibt uns eine wichtige neue Option, wenn Patienten ein Rezidiv erleiden“, sagt der Leiter der IMF, Brian Durie.  „Durch die Nutzung von Behandlungsregimen in Abfolge können wir einige unserer Patienten am Leben und mit guter Lebensqualität für 10, 12 und in manchen Fällen mehr als 15 Jahre erhalten. Die neuen Therapieoptionen ändern wirklich die Art, wie wir über das Multiple Myelom, über Blutkrebs und vielleicht über andere Krebsarten in der näheren Zukunft denken.“


NEUE INTERNATIONALE EINHEITLICHE ANSPRECHKRITERIEN
Von Vincent Rajkumar





Einleitung

Verschiedene Ansprechkriterien werden derzeit beim Multiplen Myelom genutzt und das Fehlen einer Einheitlichkeit ist problematisch. Die US-amerikanische Kooperative Klinische Studiengruppe (ECOC oder SWOG gennant) hat unterschiedliche Systeme und die euro­päischen Gruppen wie MRC (Großbritannien) und IFM (Frankreich) ebenfalls. Die europäische Gruppe für Blut- und Knochenmarktransplantation und die internationalen Transplantationsgruppen (EBMT, IBMTR) entwickelten weithin genutzte Kriterien für das Myelom, aber die EMBT-Kriterien haben einige Inkonsistenzen und bei manchen Definitionen fehlt es an Präzision. Zusätzlich kommt hinzu, dass die EMBT-Kriterien einige wichtige Ansprechkriterien nicht nutzen.  Die einheitlichen Ansprechkriterien sind erforderlich, um das klinische Behandlungsergebnis adäquat festzustellen. Die neuen Kriterien erweitern, klären und erneuern die EBMT-Kriterien, um ein umfassendes Evaluationssystem zu schaffen, das folgende Ziele hat:  Erleichtern von präzisen Vergleichen der Effektivität zwischen neuen Behandlungsstrategien in klinischen Studien; Patienten mit Erkrankungen einzuschließen, bei denen nur geringe oder gar kein Myelom-Protein sezerniert wird, unter Nutzung des sensitiven Serum-Tests auf freie Leichtketten. Dies ermöglicht es diesen Patienten, an klinischen Studien teilzunehmen; des weiteren, um strengere Definitionen für die komplette Remission zu definieren und  einige Details und Unkorrekt­heiten der vorherigen Ansprech-Kriterien zu klären.

Die Entwicklung neuer Ansprech­kriterien

Die Internationale Multiples-Myelom-Working-Group hat bereits neue Standard-Diagnostik­kriterien und ein neues internationales Staging-System (ISS) für das Multiple Myelom entwickelt, die als derzeitiger Standard für die Diagnose und das Staging des Multiplen Myeloms weitgehend akzeptiert sind. Die Entwicklung der neuen Ansprechkriterien begann mit einem Treffen der internationalen Myelom-Arbeitsgruppe während des 10. Internationa­len Myelom-Workshops im April 2005 in Sydney, Australien.  Über 70 Myelomspezialisten nahmen teil und gaben ihre Anregungen hinzu, um schließlich den vorgeschlagenen Kriterien zuzustimmen.

Die wichtigen Änderungen der neuen Kriterien verglichen zu den EBMT-Kriterien sind folgende:

Aufklärung und Überarbeitung wichtiger praktischer Details der Untersuchung des Ansprechens; Weglassen der bisher notwendigen 6-Wochen-Wartezeit, die notwendig war, um das Ansprechen auf die Behandlung bestätigen zu können; die Einführung einer ähnlichen, nicht zeitabhängigen Bestätigung einer Krankheits­pro­gression; die Erfordernis mindestens der partiellen Remission als Ansprechen in neuen Medika­men­tenstudien; die Einführung einer neuen Ansprech­kategorie, der stringenten CR; die formale Addition einer Kategorie der sehr guten Partialremission, das Weglassen der Kategorie „minimales Ansprechen“; die zusätzliche Nutzung des Tests auf freie Leichtketten für die Ansprechkriterien, was einer Zahl von Patienten eine Teilnahme an Studien ermöglichen wird, die bisher hiervon ausgeschlossen wurden, da kein messbarer Parameter vorhanden war; die Klärung, dass die Kriterien für die Progression der Erkrankung genutzt werden, um die Zeit bis zur Progression und das progressionsfreie Überleben von Patienten, die in kompletter Remission sind, zu nutzen; die Kriterien für ein Rezidiv von der kompletten Remission werden nur genutzt, wenn ein krankheitsfreies Überleben kalkuliert und berichtet wird.

Wichtig ist, dass für Patienten mit messbaren M-Proteinspiegeln in Serum und Urin die Defini­tion für komplette und partielle Remission und für die Krankheitsprogression gleich geblieben sind wie in den EBMT-Kriterien. Daher können in Studien, die nur Patienten mit messbarer Krankheit einschließen, die Ansprech- und Progressionsraten nach den neuen Kriterien genutzt werden, und können mit den Studien verglichen werden, die die EMBT-Kriterien weiterhin nutzen. Dieses wird erlauben, dass die Ergebnisse zwischen den verschiedenen Ansprechratensystemen leicht verglichen werden können.

Zusammenfassung

Es ist wesentlich, dass so viele Myelomspezialisten in der Welt einen Konsens erreicht haben, so dass neuere Ansprechkriterien festgelegt werden konnten. Es wird erwartet, dass die Kriterien sowohl in klinischen Studien als auch von behandelnden Ärzten genutzt werden. Die SWOG und ECOC haben bereits die neuen Kriterien in ihre Protokolle eingebaut. Die neuen Kriterien sind jedoch auch zu den alten EBMT-Kriterien kompatibel.


SERICHT ÜBER EINEN EMPFÄNGER EINES SENIOR RESEARCH GRANTS
Von Manuel Penichet, MD, PhD




Antikörper-Avidin-Fusionsproteine wirken auf den Transferrinrezeptor zielgerichtet:  Eine potentielle Therapie für die Behandlung des multiplen Myeloms.

Einführung:

Wir haben einen neuen Antikörper entwickelt, der „anti-humaner TfR-IgG3-Avidin“ genannt wird, der gegen Myelom-Krebszellen zielgerichtet ist und ihren Tod verursacht durch Entzug von wichtigen Nährstoffen, die die Krebszellen für ihr Überleben benötigen. Zusätzlich konnten wir zeigen, dass dieser Antikörper mit anderen Medikamenten beladen werden kann, welche als Speerspitze agieren können, um die Antikörper-Antikrebsaktivität zu erhöhen und schließ­lich zur Heilung der Erkrankung führen können. Vom Antikörper wird erwartet, dass er eine neue Therapie darstellt, der einen zweiseitigen Angriff gegen Myelomzellen erlaubt: über ihre direkte Zerstörung und über die Freisetzung von anderen Antikrebs-Medikamenten.

Forschung:

Dieses Forschungsprojekt basierte auf einem neuen Antikörper-Avidin-Fusionsprotein, welches auf den menschlichen Transferrin-Rezeptor zielt, der auf bösartigen Zellen der Blutbildung, wie beim multiplen Myelom, überexprimiert wird. Wir haben ein Antikörper-Fusionsprotein entwickelt, welches aus Avidin, an einen Maus-Men­schen-chimärischen IgG-Antikörper gekoppelt, besteht, der spezifisch für den menschlichen Trans­ferrinrezeptor ist. Unser anfängliches Ziel war es, dieses Molekül als einen universalen Träger zu nutzen, um bestimmte Agentien in Krebszellen freizusetzen. Wir fanden, dass dieser Anti­körper effektiv bestimmte Moleküle in Krebszellen durch eine Rezeptor-vermittelte Aufnahme freisetzt und aktiv bleibt nach der Aufnahme. Weiterhin haben wir unerwartet entdeckt, dass der künstliche Antikörper, aber nicht der originale monoklonale Antikörper 128.1 oder ein nicht-spezifischer Antikörper, eine starke antiproliferative und Zelltod-auslösende Aktivität gegen Zelllinien bösartiger Bluterkrankungen besitzt. Daher kann dieser Antikörper schließlich von zwei Seiten bösartige Blutzellen über Toxinfreisetzung und über direkte Auslösung von Zelltod angreifen. Dieses macht den Antikörper zu einem universalen Medikament für die Behandlung von bösartigen Blut-Erkrankungen, einschließlich des Multiplen Myeloms. Wir möchten betonen, dass unser Projekt sowohl auf die Grundlagen­forschung als auch auf die Übergangsforschung zurückgreift. Schließlich wird erwartet, dass die Aufdeckung des Mechanismus, der für die Auslösung des Zelltodes bei Gabe des Antikörpers verantwortlich ist, und die Identifikation möglicher Mechanismen der Resistenz dazu beitragen, dass die Funktion von überexprimiertem Transferrinrezeptor bei Krebszellen besser verstanden wird, denn dies ist eine Frage, die bisher unklar ist.

Bevor wir die Unterstützung der IMF erhielten, testeten wir die wachstumshemmende Aktivität des Antikörpers gegen ein breites Spektrum von bösartigen Plasmazell-Linien. Wir fanden, dass der Antikörper an den Transferrinrezeptor bindet, der auf der Oberfläche all dieser bösartigen menschlichen Plasmazell-Linien exprimiert wird, und er hemmt ihr Wachstum dosisabhängig. In allen Fällen ist die Hemmung des Wachstums mit der Auslösung des Zelltodes assoziiert. Es ist wichtig zu betonen, dass die wachstumshemmende und Zelltod-fördernde Aktivität ohne gleichzeitige Nutzung von Antikrebsmedikamenten gezeigt werden konnte.  Das folgende ist eine Liste der Forschungs­ergebnisse, die Dank der Unterstützung der IMF erarbeitet werden konnten.

Ergebnisse, Publikationen und Vorstellungen:

  1. Wir entwickelten eine bessere Herstellung des Antikörpers und etablierten die Methoden, um die Produktion des Proteins zu erhöhen. Dies würde uns erlauben, mehrfache Experimente, sowohl im Reagenz­glas als auch am Menschen, durchzuführen. Wir stellten größere Mengen der Antikörperfusionsproteine her, die für Tierexperimente genutzt werden, die bald beginnen sollen. Wir haben auch einen Antikörper hergestellt, der als Kontrollprotein, im Vergleich zum originalen Antitransferrinrezeptor des Menschen dienen soll.

  2. Wir haben wichtige Fortschritte bei dem Verständnis der Mechanismen gemacht, die verantwortlich für die wachstumshemmende und Zelltod-fördernde Aktivität sind, die durch den Antikörper bei malignen Plasmazellen entstehen. Diese Studien sind wichtig, da das Ver­ständ­nis der Antitumoraktivität des Fusionsproteins in einem mehr rationalen Design von kombinier­ten therapeutischen Ansätzen resultieren würde, die direkt gegen das Multiple Myelom und andere hämatopoetische Tumoren gerichtet sind. Diese Ergebnisse und ihre mögliche Nutzung werden in einem Artikel „Molekulare Ereignisse, die zum Zelltod bei bösartigen menschlichen Blutzellen beitragen“ in „Blood“, der Zeitschrift der Amerikanischen Gesellschaft für Blutkrankheiten publiziert. Auf dem Jahresmeeting der Amerikanischen Assoziation für Krebsforschung 2004 wurde die folgende Studie vorgestellt:  Antitransferrin­Rezeptor IgG3-Avidin: ein Molekül, welches von zwei Seiten eine bösartige Plasmazelle durch Giftfreisetzung und direkte Induktion des Zelltodes angreifen kann. Auf dem Meeting 2005 wurde vorgestellt:  „Mechanismus des Zelltodes durch das Fusionsprotein, welches spezifisch für den menschlichen Transferrinrezeptor ist“.

  3. Wir fanden, dass das Antikörper-Fusionsprotein in der Lage ist, an den menschlichen Transferrinrezeptor zu binden, der nicht nur auf der Oberfläche von Krebszellen gebunden ist, sondern auch sich in Lösung befindet (löslicher Transferrinrezeptor) und an eine solide Oberfläche gebunden ist.  Weiterhin fanden wir, dass der Antikörper nicht kreuzreagiert mit einem natürlichen Liganden des Transferrinrezeptors. Diese Ergebnisse wurden auf den verschiedenen Kongressen präsentiert (2005 sowie 2006 auf dem Amerikanischen Krebskongress). Ein Manuskript, das die Bindungseigenschaft des Fusionsproteins zeigt, wird derzeit vorbereitet.

  4. Wir fanden, dass das Antikörper-Fusionsprotein in der Lage ist, resistente Multiples-Myelom-­Zelllinien zu sensibilisieren.  Diese Ergebnisse wurden als Poster auf dem ASH-Meeting 2005 präsentiert.

  5. Nach Testung der möglichen Verstärkung der Zytotoxizität, die durch eine Reihe von Toxinen, die an den Antikörper-Fusionsprotein gebunden sind, ausgelöst wird, zeigte b-Saporin die größte Verbesserung der Zytotoxizität. Diese Ergebnisse wurden als Poster auf dem Amerikanischen Krebskongress 2006 präsentiert. Ein Manuskript ist in Vorbereitung.

Zusammenfassung:

Die oben genannte Information stellt den wissenschaftlichen Fortschritt in unserem Forschungsprojekt des Multiplen Myeloms, welche durch die IMF unterstützt wurde, dar. Zusätzlich haben wir begonnen, an Genprofil-Studien zu arbeiten. In Kürze werden wir unsere Studien ausdehnen, um primäre Zellen von Patienten und Tiermodellen zu nutzen.


Interview mit William Bensinger:
VEL-CDT-CHEMOTHERAPIE BEI VORHER UNBEHANDELTEM MULTIPLEM MYELOMA




Myeloma Today:
Was ist die VEL-CTD-Studie?

Bensinger:
VEL-CTD ist eine Kombinationstherapie von Velcade, Cyclophosphamid, Thalidomid und Dexamethason. Ich bin Studienleiter einer Phase-II-Studie am Fred Hutchinson Cancer Research Center, die VEL-CTD bei vorher unbehandelten Patienten untersucht. Es handelt sich um eine nationale multizentrische, einarmige Studie, die von Actium Oncology Research Network gesponsort wird. Die Kollegen Brian Durie, Sundar Jagannath und Jeffrey Wolf führen diese Studie auch an ihren Zentren durch.

Myeloma Today:
Was können Sie uns über die klinische Studie sagen?

Bensinger:
Das primäre Ziel ist, die Ansprechrate auf VEL-CTD bei neu diagnostizierten Myelom­Patienten festzustellen. Das zweite Anliegen ist die Sicherheit und Tolerabilität von VEL-CTD bei neu diagnostizierten Myelompatienten zu erfassen. Der Behandlungsablauf beinhaltet 6  21-Tage-Zyklen. Die ersten 3 Zyklen bestehen aus Velcade, Cyclophosphamid und Dexamethason, die nächsten 3 Zyklen beinhalten Velcade, Dexamethason und Thalidomid. Die Ansprechrate wird nach 6 Zyklen der Therapie erhoben. Nach dem Ende der 6 Behandlungszyklen werden die Patienten alle 3 Monate nachuntersucht. Sie haben die Möglichkeit, danach eine Stammzelltransplantation oder keine weitere Behandlung durchzuführen, bis eine neue Chemotherapie-Behandlung gestartet wird.

Myeloma Today:
Was sind die Einschlusskriterien und wie viele Patienten werden eingeschlossen?

Bensinger:
VEL-CTD ist eine Frontline-Therapie; die Patienten müssen ein neu diagnostiziertes, symptomatisches multiples Myelom haben, welches eine Therapie erfordert. Bei sekreto­rischer Erkrankung muss ein messbares Paraprotein im Serum und/oder Urin vorhanden sein. Bei nicht-sekretorischer Erkrankung muss ein messbares Protein durch den FREELITE-Test  feststellbar sein. Die Multicenter-Studie wird 43 Patienten einschließen, die für die Dauer eines Jahres untersucht werden.

Myeloma Today:
Was ist der Nutzen, Cyclophosphamid als alkylierende Substanz bei VEL-CTD einzusetzen?

Bensinger:
Cyclophosphamid ist eine alkylierende Substanz, zugehörig zur selben Klasse wie Melphalan, aber im Gegensatz zu Melphalan beeinträchtigt Cyclophosphamid das Knochenmark nicht. Melphalan verhindert bei vielen Patienten, später zu einer Stammzelltransplantation fortzu­schreiten. Da eine große Anzahl neu diagnostizierter Patienten mit Multiplem Myelom die Option haben, später eine Transplantation durchzuführen, ist es wichtig, die Stammzellreserve bei diesen Patienten zu bewahren.

Myeloma Today:
Viele Myelompatienten erreichen nun eine komplette Remission mit der Frontline-Therapie. Hat sich die Rolle der Transplantation seit der Einführung der neuen Medikamente geändert?

Bensinger:
Da die komplette Remission mit einem Überlebensvorteil assoziiert ist, ist sie ein wichtiges Ziel für Patienten mit Multiplem Myelom. Aber wir wissen noch nicht, ob die komplette Remission, die mit einer konventionellen Therapie unter Nutzung der neuen Medikamente erreicht wird, den gleichen Überlebensvorteil wie die komplette Remission bietet, welche mit der Hochdosistherapie und Stammzelltransplantation erreicht wurde. Bis vor kurzem waren wir nicht in der Lage, komplette Remissionen mit konventioneller Therapie zu erreichen, abgesehen von einer kleinen Anzahl von Patienten. Obwohl die neuen Medikamentenkombina­tionen bei einer größeren Prozentzahl von Patienten eine komplette Remission erzielen, wissen wir trotzdem nicht, wie dauerhaft dieses Ansprechen ist.

Myeloma Tody:
Werden Sie VEL-CTD als Induktionstherapie nutzen?

Bensinger:
Ja, es wird Patienten geben, die in der VEL-CTD-Studie teilnehmen, die danach wählen, mit einer Transplantation fortzufahren. Aber wir werden auch Patienten in der VEL-CTD-Studie behandeln, die für eine Transplantation nicht geeignet sind. In unserem Zentrum empfehlen wir normalerweise die Transplantation bis zu 70 Jahren, wobei wir sowohl das biologische als auch das kalendarische Alter berücksichtigen. Ich habe Patienten im 75. Lebensjahr, die wie 50 aussehen und ich habe Patienten mit 50 gesehen, die wesentlich älter aussehen und die andere Begleiterkrankungen haben, die mit in Betracht gezogen werden müssen.

Myeloma Today:
Wie kann die VEL-CTD-Kombinationstherapie mit anderen Behandlungen verglichen werden, die derzeit genutzt werden?

Bensinger:
Es gibt zur Zeit eine Reihe von Initialtherapien, die für das Myelom untersucht werden. Zu diesem Zeitpunkt weiß niemand, welches das beste Regime ist. Das VEL-CTD-Regime kombiniert 4 der am meisten aktiven Medikamente für die Behandlung des multiplen Myeloms. Unser Ziel ist es, ein Regime für das Myelom zu entwickeln, das vergleichbar zum CHOP-Regime für Lymphome ist. CHOP kombiniert 4 Medikamente, die als Initialtherapie als hocheffektiv für Lymphome gezeigt werden konnten. Es gibt eine Reihe von Myelom-Studien, die suggerieren, dass Velcade oder Thalidomid, kombiniert mit anderen aktiven Substanzen, den Anteil der Patienten erhöht, die auf die Therapie ansprechen. VEL-CTD vereinigt diese Idee durch die Kombination von insgesamt 4 Medikamenten, die als hoch­effektiv gegen das Myleom bekannt sind. In der VEL-CTD-Studie wurden sowohl Velcade als auch Dexamethason bei allen 6 Zyklen benutzt. Velcade ist ein wichtiges Medikament in der Behandlung von Myelompatienten. Es ist ein sehr aktives Medikament, das zu guten Ansprech­raten führt. In der Zweit- und Drittlinien-Therapie ist es bisher erfolgreich bei Patienten verwendet worden, die auf andere Therapien nicht mehr angesprochen haben. Es gibt vielversprechende Daten von verschiedenen Forschungsgruppen, die Velcade mit anderen Medikamenten als Frontline-Therapie kombiniert haben, und Ansprechraten wurden gezeigt, die höher sind als die, welche wir bisher mit anderen Medikamentenkombi­nationen beobachtet haben. Verschiedene Forschergruppen haben über die Kombination von Velcade und Dexamethason als Induktionstherapie berichtet, und es gibt Hinweise dass die Kombination effektiv ist. Bei dem VEL-CTD-Schema addieren wir Cyclophosphamid und Thalidomid mit Velcade und Dexamethason und ich bin begeistert über die Möglichkeit, dass diese neue Medikamentenkombination das Behandlungs-Ergebnis für diese Patienten verbessern kann.


EUROPÄER NEHMEN AN DER IMF-SUPPORTGRUPPE TEIL
Von Lia van Ginneken-Noordman
Kontaktgruppe Kahler- und Waldenström Patienten, Niederlande



Es war eine Ehre und ein Vergnügen für mich, zum IMF-Supportgruppe Leadertreffen 2006 in Scottsdale, Arizona, eingeladen gewesen zu sein. Ich wurde begleitet von europäischen Patientenvertretern, Ilse Hein aus Österreich und Rolf Pelzing aus Deutschland. Wir drei sind Board Member der neu etablierten Europäischen Myelom-Plattform (EMP), eines Patienten­vertretungs-Netzwerks, das die Myelomgemeinschaft bei den Europäischen Regierungen und Regulationsbehörden vertritt. Die meisten der anderen Teilnehmer kamen aus den Vereinig­ten Staaten und Kanada. Das Workshop-Programm war breit. Exzellente Vorträge und tiefgehende Paneldiskussionen machten es zu einem sehr lehrreichen Treffen. Die Themen rangierten von medizinischen Fragen zu Treffen für Patientenbetreuer und beinhalteten medizinische Neuigkeiten, organisatorische Fragen für Selbsthilfegruppen, psychosoziale Unterstützung für Gruppenleiter und Patientengruppen, Führungstechniken, Werbung, klinische Studien und ein Update der IMF „Bank On A Cure“-Forschungsinitiative. Unsere europäischen Teilnehmer schätzten die vielen Möglichkeiten, von den eingeladenen Sprechern zu lernen, andere Patienten und Angehörige zu treffen und viele Punkte zu diskutieren, die durch die Leiter der Selbst­hilfegruppen zur Sprache gebracht wurden. Die Atmosphäre was offen, freundlich und unverkrampft, was die Zusammenarbeit sehr einfach machte.

Es war für mich sehr interessant, die Unterschiede zwischen amerikanischen und kanadi­schen Gruppen zu vergleichen und mit meiner Gruppe in den Niederlanden zu kontrastieren. In den Niederlanden sind die Myelom-Supportgroups auf einem nationalen Niveau durch die nationale Myelomorganisation organisiert, die Kontaktgruppe für Kahler- und Waldenström-Patienten. Wir haben 17 Myelom-Selbsthilfegruppen, die über das ganze Land verstreut sind. Alle Vorsitzenden der Selbsthilfegruppen in den Niederlanden, 26 Personen im Moment, sind Mitglied der Kontaktgruppe. Im Prinzip sind nur Mitglieder der Kontaktgruppe eingeladen, an den Selbsthilfegruppen-Meetings teilzunehmen. Finanzielle Unterstützung, Ausbildungs­material, Werbung und anderes werden durch die Kontaktgruppe auf Landesniveau zur Verfügung gestellt. Die örtlichen Kontaktgruppen organisieren die örtlichen Treffen. Alle Leiter der Kontaktgruppen und Selbsthilfegruppen erhalten eine Ausbildung. Diese Ausbil­dungsseminare werden durch unsere Nationale Krebs- und Patientenassoziation organi­siert, eine Schirmorganisation aller Krebspatientenorganisationen in den Niederlanden. Die Leiter der Selbsthilfegruppen repräsentieren alle verschiedenen Krebsarten und werden in verschiedenen Fragen ausgebildet, die zu dem Vorsitz der Selbsthilfegruppe in Beziehung stehen. Zusätzlich zu diesen Veranstaltungen auf Landesebene organisiert die Kontaktgruppe zweimal im Jahr einen Tag für die Vorsitzenden der Selbsthilfegruppen. An diesem Tag werden die wichtigsten Fragen zwischen der Kontaktgruppe und den Leitern diskutiert. Eine kurze Trainings-Session ist auch beinhaltet. Während der Jahrestreffen werden ausführliche Updates medizinischer Fragen zum Myelom für alle Mitglieder präsentiert, außerdem werden die Mitglieder durch Newsletter und andere Publikationen auf dem Laufenden gehalten, sowie durch gelegentliche Workshops und Symposien.

Beeindruckende Bilder in der nordameri­kanischen Gruppe
Meiner Meinung nach ist der größte Unterschied, den ich zwischen den nordamerikani­schen Selbsthilfegruppen und den Niederlanden festgestellt habe:

  1. Die Initiative, eine Myelom-Selbsthilfegruppe zu starten und zu führen, wird durch die Patientenvertreter selbst in die Hand genommen. Sie können jede Unterstützung annehmen, die die IMF anbietet, aber die Verantwortlichkeit für die Organisation, Werbung und finanzielle Dinge liegt bei der Gruppe selbst.

  2. Da die IMF keine formalen Mitgliedsregeln oder Vorschriften hat, sind die nordamerika­nischen Myelom-Selbsthilfegruppen-Meetings für jeden offen: Patientenbegleiter, Familien­mitglieder und andere interessierte Personen.

  3. Abgesehen davon, dass man dank der IMF während der Treffen eine Menge Informationen erhält, sind die Vorsitzenden der Selbsthilfegruppen eine wichtige Quelle der Information für die IMF selbst.

Das beeindruckendste Beispiel, das ich fand, war die Sitzung über klinische Studien. In dieser Sitzung wurde eine Anzahl laufender klinischer Studien vorgestellt und durch Michael Katz erklärt, ein Board Member der IMF. Mr. Katz wurde durch drei Studien­leiter unterstützt, die zusätzliche Informationen über klinische Studien durch eine Telefonkonferenz präsentierten. Diese Myelomforscher fragten Mitglieder des Treffens hinsichtlich Informationen, die ihnen helfen würden, bessere klinische Studien zu erstellen und diese besser den Teilnehmern zu erklären. Was für ein exzellenter Weg, die Patienten in den klinischen Studienprozess einzubeziehen. Die folgenden Fragen sind ein Beispiel für den Austausch, der stattfand:

  1. Beantwortet diese klinische Studie eine Frage, die wichtig für Sie ist?

  2. Was würde sich ein Patient wünschen, der in diese Studie eingeschlossen wird?

  3. Warum würden Sie nicht eingeschlossen werden wollen?

  4. Was würde diese Studie attraktiver für mögliche Teilnehmer machen?

Insgesamt war dieses IMF-Treffen eine lehrreiche und vergnügliche Erfahrung, die geholfen hat, das Band zwischen den Myelomgemeinschaften  in den Vereinigten Staaten, Kanada und Europa zu stärken.


Ein Interview mit Dr. Robert E. Marx
OSTEONEKROSE DES KIEFERS UND MUNDHYGIENE




Myeloma Today:
Was ist eine Osteonekrose des Kiefers?

Dr. Robert Marx:
Die Osteonekrose des Kiefers, das Absterben von Regionen des Knochens im Kiefer, ist eine ernsthafte, aber behandelbare Komplikation, die in einer gewissen Prozentzahl von Myelom­Patienten, die Aredia oder Zometa erhalten, beobachtet wurde. Es können am Anfang keine Symptome auftreten, oder der Patient kann Schmerzen, Schwellung und Taubheitsgefühl haben, ein Schweregefühl im Kiefer, Verlieren von Zähnen, Abbrechen von losen Knochen­splittern oder scharfe Ränder des freiliegenden Knochens zeigen. Der freiliegende Knochen selbst ist nicht schmerzhaft und kein großes Risiko für eine pathologische Fraktur. Aber die Situation wird schmerzvoll, wenn der freiliegende Knochen sekundär infiziert wird und einen Gang nach außen bildet.

Myeloma Today:
Was ist der Zusammenhang zwischen der Anwendung von Bisphosphonaten und der Osteo­nekrose des Kiefers?

Dr. Marx:
Der Mechanismus ist nun klar. Es geschieht durch die toxischen Effekte der Bisphosphonate gegenüber den Osteoklasten, welches zu deren Absterben führt und schließlich in einer Knochen­nekrose resultiert, da die zelluläre Erneuerung im Resorptionszyklus des Knochens verhindert wird. Es ist wichtig daran zu denken, dass sogar Patienten, die keine Bisphospho­nate mehr nehmen, das Medikament im Knochen für mehr als 10 Jahre haben können.

Myeloma Today:
Wie wurde dieses Problem zuerst erkannt?

Dr. Marx:
Im September 2003 veröffentlichte das Journal für Mund- und Kieferchirurgie einen medizi­nischen Aufruf, der auf meinem Brief an den Herausgeber über die zunehmende Häufigkeit der Osteonekrose des Kiefers basierte. Ich berichtete über 36 Krebspatienten, einschließlich 18 mit Multiplem Myelom, die intravenöse Bisphosphonate erhalten hatten. Alle diese Patienten hatten schmerzhafte Knochenregionen und sprachen nicht auf eine chirurgische oder medizi­nische Behandlung an. 2004 publizierte Dr. Ruggiero vom Long Island Jewish Hospital einen Bericht über 63 Patienten, 56 mit Krebs und 7 mit Osteoporose. Mehrere Studien folgten.

Myeloma Today:
Was würden Sie Myelompatienten raten?

Dr. Marx:
Myelompatienten schätzen Bisphosphonate wegen ihrer Effektivität, die Knochenauflösung zu hemmen und hierdurch sekundäre Frakturschmerzen und Behinderung zu reduzieren. Es gibt guten Grund zu hoffen, dass mit einer geeigneten Vorsicht und früher Behandlung schwere Probleme durch Kiefernekrosen vermieden werden können, obwohl meine Studie von 2005 zeigte, dass eine komplette Vorbeugung dieser Komplikation derzeit nicht möglich ist.

Myeloma Today:
Was kann getan werden kann?

Dr. Marx:
Eine Zahnhygiene vor der Therapie reduziert die Osteonekrosenhäufigkeit und nicht-chirurgische Zahnbehandlungen können das Neuauftreten verhindern. Daher sollten Onkologen ihre Patienten zu einer zahnärztlichen Untersuchung vor dem Beginn der Bisphosphonate überweisen. Ich empfehle, dass die Patienten eine sehr gute Mund­hygiene durchführen, was das Risiko für Infektionen oder Verletzungen reduziert, und dass jegliche Infektion sofort behandelt wird. Es wird empfohlen, dass das zahnärztliche Team Zahnreini­gung, Karies und Paradontitis-Prophylaxe, Fluoridbehandlung, Karieskontrolle sowohl wie Zahnwurzelkanalbehandlung und Zahnentfernung von retrahierten Zähnen durchführt, um Abszesse zu verhindern und dass zu einem späteren Zeitpunkt den Patienten, die die Bisphosphonattherapie begonnen haben, Zähne nicht gezogen werden müssen. Dieser Standard der Vorsorge für Patienten vor Bestrahlung des Kiefers hat sich als sehr effektiv erwiesen.

Myeloma Today:
Was kann getan werden, wenn die Osteonekrose des Kiefers aufgetreten ist?

Dr. Marx:
Patienten, die Probleme wie z.B. wie eine Infektion oder Schmerzen haben, das auf eine notwendige Zahnextraktion hinweisen, sollten zu einem Kieferchirurgen überwiesen werden, der schwierige klinische Entscheidungen treffen kann und die therapeutischen Optionen mit Erfahrung abwägen kann. Für diese Patienten, die schmerzhaften freiliegenden Knochen haben, ist eine effektive Kontrolle des Schmerzes notwendig, aber ohne Entfernung des Knochens. In 90% zeigt sich ein Regime von Antibiotika zusammen mit Chlorhexidin-antiseptischer Wundwaschung als effektiv. Die Ziele der Behandlung sind, den Patienten so zu behandeln, dass der freiliegende Knochen nicht seine Funktion verliert, und sekundäre Infektionen zu verhindern. In Fällen von akuter Verschlechterung und Gewebsentzündung kann es notwendig sein, intravenöse Antibiotika zu geben, aber wir empfehlen keine chirurgische Eingriffe darüber hinaus, dass scharfe Knochen­­kanten reduziert werden, und nur dann, wenn der Knochen schmerzhaft bleibt und die Antibiotikabehandlung nicht wirkt.

Myeloma Today:
Was ist nun der derzeitige Stand der Osteonekrose des Kiefers? Gibt es spezifische Vorbeu­gungsrichtlinien und Empfehlungen für die Behandlung von Patienten?

Dr. Marx:
Wir sind dabei, das Problem der Osteonekrose des Kiefers zu erkennen; und die Kommu­ni­kation zwischen den Ärzten, die diese Diagnose stellen und behandeln, und Onkologen, die Bisphosphonate verschreiben, verbessert sich. Die Behandlungsprotokolle, die im November 2005 im Journal für Kiefer- und Gesichtschirurgie veröffentlicht wurden, folgen. Die Ärzte der Mayo-Klinik führten kürzlich zwei erfolgreiche Resektionen durch, aber das ist etwas, das ich nicht als häufige Behandlung ansehen würde. Wenn es möglich ist, würde ich versuchen, den Kiefer zu retten und nicht, ihn herauszuschneiden. Unglücklicherweise kann man bei der Osteonekrose des Kiefers, wenn man operiert, nur einen großen Eingriff machen. In meiner klinischen Erfahrung haben wir bei 6 Patienten die Kiefer der Patienten teilweise entfernt. Die Prozedur haben sie gut überstanden, aber es ist nicht ideal und nicht ohne Risiken. Es ist besser, den Patienten dies, wenn möglich, zu ersparen. Meiner Meinung nach wurde das beste Positionspapier über Osteonekrose des Kiefers von der American Association für Kiefer- und Gesichtschirurgie veröffentlicht, das die Spezialisten erreicht, die diese Erkrankung behandeln.


Mayo-Klinik Konsensus Statement für die Nutzung von Bisphosphonaten bei Multiplem Myelom



Bisphosphonate sind effektiv bei der Vorbeugung und Behandlung von Knochen­erkran­kun­gen bei Multiplem Myelom. Die Osteonekrose des Kiefers wird zunehmend erkannt als eine schwere Komplikation der Langzeitanwendung von Bisphosphonaten. Die Fragen der Auswahl des Bisphosphonats und der Dauer der Therapie unterliegen einer intensiven Diskussion hinsichtlich der Patientensicherheit. Wir haben die verfügbaren Daten betreffs der Nutzung der Bisphosphonate bei Multiplem Myelom durchgesehen. Die Richtlinien für die Nutzung wurden durch ein multidisziplinäres Team entwickelt, welches aus Hämatologen, Zahn­spezialisten und Schwestern bestand, die sich auf die Behandlung des Multiplen Myeloms spezialisiert haben. Wir schlussfolgern, dass die intravenöse Gabe von Pamidronat und Zoledronat gleich effektiv und der Placebogabe überlegen ist hinsichtlich der Reduktion von Knochenkomplikationen. Pamidronat wird gegenüber Zoledronat bevorzugt, da hierüber mehr Daten bezüglich der Komplikationsrisiken vorhanden sind. Wir empfehlen das Absetzen der Bisphosphonate nach 2 Jahren der Therapie bei Patienten, die eine komplette Remission oder eine Plateauphase erreichen. Für Patienten, deren Krankheit aktiv ist und die keine Response erreicht haben, und die länger als 2 Jahre wegen ihrer Knochenerkrankung behandelt wurden, kann die Anwendung auf alle 3 Monate reduziert werden. Diese Richtlinien wurden im Interesse der Patientensicherheit entwickelt und werden erneut geprüft, wenn neue Daten über die Risiken und den Nutzen verfügbar sind.


JESUS SAN MIGUEL PROFILE
Wissenschaftliches Beratungsboard




Myeloma Today:
Bitte erzählen Sie uns einiges über Ihre medizinische Ausbildung und wie Sie auf das Gebiet des Myeloms gekommen sind?

Jesus San Miguel, MD, PhD:
Ich habe an der Universität Navarra studiert und meine Ausbildung in Hämatologie und Innerer Medizin an der Universität Salamanca in Spanien beendet. Ich habe mich für das Multiple Myelom seit 1978 interessiert, als ich meine Doktorarbeit über die Immunglobulin-Subklassen beim Myelom durchgeführt habe. Seither habe ich mich immer mit dem Multiplen Myelom beschäftigt. Von Anfang an waren meine Interessengebiete beim Myelom die Subklassen der Immunglobuline, Akute-Phase-Proteine und Prognosefaktoren. Später beschäftigte ich mich auch mit der Immunphänotypisierung für Leukämien und Myelom.

Myeloma Today:
Was ist der Fokus Ihrer derzeitigen Aktivitäten beim Myelom?

San Miguel:
Klinische Studien in der spanischen Myelomgruppe, für die ich als Leiter bis letztes Jahr agierte, sind mein Hauptgebiet, auf das ich mich fokussiere. Ich bin Mitglied des Boards der Spanischen Myelomgruppe und stark involviert in die Erstellung und Weiterverfolgung aller klinischen Studien. Ein anderer Wirkungsbereich ist meine Arbeit am Universitätshospital in Salamanca und Cancer Center Salamanca. Hier sind wir ein Überweisungszentrum für biologische Studien bei klinischen Studien. Dieses beinhaltet zytogenetische und molekulare Analysen und die In-vitro-Untersuchung neuer Medikamenten. Zusätzlich bin ich in enger Zusammenarbeit mit Dr. Pandillia. Wir haben zusammen ein Labor gegründet, das die Effektivität und Mechanismen der Wirkung neuer Medikamenten bei Myelom untersucht. Dr. Pandillia ist verantwortlich für das Signaltransduktionslabor in unserem Krebsforschungszentrum. Dies beinhaltet einzelne Medikamente und die Kombina­tion neuer Medikamente mit bereits bekannten Medikamenten bei Myelom.

Myeloma Today:
Sie waren der Studienleiter der kürzlich durchgeführten VMP-Studie. Bitte erzählen Sie uns davon.

San Miguel:
Ungefähr die Hälfte der Myelompatienten können nicht mit einer Hochdosistherapie und Stammzelltransplantation behandelt werden. Die übliche Behandlung dieser Patienten ist eine Kombination aus Melphalan und Prednison. Diese Medikamentenkombination kann leicht eingenommen werden und hat wenig Nebenwirkungen, ist aber andererseits nur mäßig effektiv gegen das Myelom. Velcade ist eines der neuen Medikamente, bei dem gezeigt wurde, dass es für das Multiple Myelom ein wichtiger Bestandteil der Behandlung ist, nachdem Patienten ein Rezidiv erlitten haben. Unsere Studien zeigen, dass Velcade in Kombi­nation mit MP, bekannt als VMP, vielversprechende Ergebnisse zeigt, dass sie eine effektive Behandlung und Melphalan/Prednison allein überlegen ist. In der spanischen VMP-Studie haben wir 60 Myelompatienten behandelt, die nicht für eine Stammzelltransplanta­tion geeignet waren. Alle Patienten waren älter als 65 Jahre (im Median 74 Jahre), ein Viertel unserer Patienten war älter als 80 Jahre. Unsere Studie zeigte verbesserte Ergebnisse mit höheren Remissionsraten und verbessertem Überleben. Das wichtigste Ergebnis dieser Studie bisher ist die 85%ige Ansprechrate auf die Behandlung, welches auch 30% komplette Remissionen und 55% partielle Remissionen beinhaltet, unabhängig vom Chromosomenstatus. Um mehr Informationen über die Effektivität von VMP zu erhalten, ist nun eine kontrollierte Studie, welche VMP mit MP alleine (VISTA Studie) vergleicht, begonnen worden.

Myeloma Today:
Was ist Ihr Fokus der Arbeit mit der IMF „Bank On A Cure“-Forschungsinitiative?

San Miguel:
Die Id


 related articles