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Der Myelom Merkur wird 9x /Jahr veröffentlicht werden und ist kostenlos verfügbar durch eine Registrierung bei merkur@myeloma.org.


3. Ausgabe, April 2007


Dr. Morie Gertz von Mayo in München und Würzburg

In diesem Mai wird die IMF Europe die Teilnahme von Dr. Morie Gertz von der Mayo-Klinik in Rochester, Minnesota, USA, an Patientenseminaren in München und Würzburg finanziell unterstützen. Dr. Gertz ist auch Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates der IMF. Diese neuen Veranstaltungen, sind dazu da, unsere IMF-Patienten- und Angehörigenseminare zu ergänzen, indem wir international anerkannte Experten mit Patienten näher zusammenbringen.

Dr. Gertz’s kurzer Vortrag “What is Myeloma” (Was ist das Myelom) ist der am häufigsten heruntergeladene Webcast, mit mehr als 10.000 Downloads während der vergangenen zwei Jahre. Ich habe Dr. Gertz persönlich bei seinen Vorträgen auf mehreren Patientenseminaren erlebt. Er ist in meinen Augen einer der am verständlichsten sprechenden Experten auf dem Gebiet des Myeloms und der Amyloidose.

Am Mittwoch, dem 16. Mai, wird sich Dr. Gertz um 16:00 Uhr mit der Myelom Hilfe München in den Räumen der Bayerischen Krebsgesellschaft an der Nymphenburger-Strasse 21a treffen. Mehr Information sind erhältlich von Volker Fillip unter volker.filipp@arcor.de.

Dr. Gertz wird am 19. Mai 2007 ab 10:00 Uhr zusammen mit Prof. Einsele, Dr. Bagou und einigen anderen Ärzten von der Universitätsklinik im Matthias-Ehrenfried-Haus, Bahnhofstr. 4-6 anwesend sein und sprechen.  Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte die Gastgeberin des Treffens, Karin Kleineberg von der Myelom Hilfe Nordbayern unter Karin.Kleineberg@t-online.de.

Im vergangenen Jahr haben wir diese kleinen, auf lokaler Ebene organisierten Treffen in Würzburg, Nürnberg and Berlin ins Leben gerufen. Wir planen weitere solche Treffen mit anderen international anerkannten Experten im Herbst 2007. In diesem Jahr werden es in Deutschland insgesamt mindestens fünf sein.  Dr. Robert Kyle wird am 17. November 2007 bei einem Patientenseminar der SHG Nordrhein-Westfalen in Mettmann bei Düsseldorf sprechen und am 19. November 2007 in Berlin zusammen mit Prof. Orhan Sezer.  Informationen über diese und andere Veranstaltungen werden wir in zukünftigen Ausgaben des Myelom Merkur präsentieren.

In dieser Ausgabe bringen wir die Übersetzung eines Übersichtsartikels über neue Entwicklungen hinsichtlich der Myelombehandlung von der Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) im Dezember 2006.  Wir präsentieren außerdem verschiedene Artikel, die  in den Ausgaben des vergangenen Jahres unseres englischsprachigen E-Mail-Newsletters Myeloma Minute erschienen sind.

Bitte setzen Sie sich mit mir in Verbindung, falls Sie in diesem Monat entweder nach München oder nach Würzburg kommen möchten. Wir berichten über diese Treffen in der nächsten Ausgabe des Myelom Merkur. Außerdem bringen wir dann Übersetzungen neuer Artikel aus der letzten Ausgabe unseres vierteljährlich erscheinenden Mitteilungsblattes Myeloma Today.


ASH 2006 Wichtige Neuheiten für Myelompatienten
von Lynne Lederman, PhD





Eine sich verändernde Landschaft

Die 48. Jahrestagung der American Society for Hematology (ASH) fand vom 9. bis zum 12. Dezember in Orlando, Florida statt. Es gab mehr als 10 parallele Sitzungen mit Vortägen und Präsentationen über Studien zum Multiplen Myelom und etwa 200 myelombezogene Poster. Darüber hinaus sponsorte die International Myeloma Foundation am 8. Dezember ein Satellitensymposium „Innovative Strategien zur Behandlung des Myeloms: Falldiskussionen“.  Es gab außerdem ein Fortbildungsprogramm über das Multiple Myelom und eine Sitzung des Wissenschaftlichen Komitees über Wachstumsfaktor-Netzwerke bei Myelom- verursachten Knochenschädigungen.

Das Behandlungsspektrum des Multiplen Myeloms entwickelt sich ständig weiter entsprechend der zunehmenden Anzahl an Forschungsergebnissen aus Studien über konventionelle und neue Therapien und Untersuchungen zu Risikofaktoren und Nebenwirkungen.

Präsentation der Untersuchungen zur Bank on a Cure (BOAC) Gen-Datenban

Brian van Ness (Universität Minnesota) verwendete den BOAC-Single-Nucleotide-Polymorphism-Chip (SNP-Chip), um in zwei großen Phase-III-Studien (ECOG E9486 und SWOG S9321) nach SNPs von Patienten zu suchen, die mit ereignisfreiem Überleben verbunden sind. Der BOAC-SNP-Chip enthält 3404 SNPs, die mit Genfunktionen verbunden sind, von denen man glaubt, dass sie die Krankheitsprogression und das Ansprechen auf eine Therapie beeinflussen, einschließlich Netzwerken, die den Metabolismus von Medikamenten, das Mikro-Milieu des Knochens, Reaktionen des Immunsystems und die Reparatur der DNA betreffen. Die DNA von Patienten, die verschiedene Therapien erhalten, werden mit der DNA von gesunden Personen verglichen. Ein Ziel der SNP-Analyse ist es, Zusammenhänge mit dem Überleben, Toxizitäten, Knochenschädigungen und dem Alter beim Einsetzen der Erkrankung festzustellen. Erste Resultate zeigen, dass es zwischen den Rassen – z.B. weiße im Vergleich zu dunkelhäutigen Personen – eine größere Variabilität gibt als innerhalb der Rassen – also z.B. zwischen zwei Gruppen weißer Personen. Deshalb wird der größere Datensatz für weiße Personen zuerst analysiert, während weitere Daten von anderen Gruppen gesammelt werden. Die wichtigsten in den erwähnten Studien gefundenen und signifikanten SNP-Assoziationen mit dem Überleben waren die DNA-Reparatur und die Reaktion des Immunsystems. Zukünftige Analysen beinhalten die Untersuchung genetischer Variationen bei Knochenschädigungen.

In einer Studie, über die Gareth Morgan, Institut für Krebsforschung, Royal Marsden Hospital, London, berichtete, versuchte das BOAC-Team Faktoren zu identifizieren, die erklären könnten, warum Patienten, die mit Thalidomid behandelt werden, eine höhere Rate an venösen Thromboembolie-Ereignissen (VTE oder Blutgerinnsel) aufweisen als Patienten, die mit anderen Anti-Myelom-Medikamenten behandelt werden. VTE beinhalten sowohl Tiefe-Venen-Thrombosen, also Blutgerinnsel, die meistens im Bereich des Beckens und der Beine auftreten, als auch pulmonale Embolien (PE), Blutgerinnsel in den Blutgefäßen der Lunge. VTE können schwere Behinderungen und sogar den Tod verursachen. Die Studie identifizierte Gruppen von Genen, die mit VTE assoziiert sind, indem Patienten, die Thalidomid erhielten und bei denen VTE auftraten, mit denen verglichen wurden, die mit Thalidomid behandelt wurden und keine VTE hatten. Der oben erwähnte BOAC-SNP-Chip wurde verwendet um Gene zu identifizieren, die mit einem VTE-Risiko assoziiert sind, was den Medikamenten-Metabolismus, Entzündungen und DNA-Reparatur-Gene einschloss. Obwohl die Gruppe intensiv nach Genvariationen suchte, die mit der Blutgerinnung verbunden sind, waren diese nicht mit einem erhöhten VTE-Risiko assoziiert. Zukünftige Arbeiten werden sich nun darauf konzentrieren, ein Modell zu entwickeln, das das VTE-Risiko und das Ansprechen auf eine Behandlung für individuelle Patienten vorhersagt, so dass eine geeignete Therapie verabreicht werden kann. Der Einfluss von Entzündungen auf den Gerinnungsprozess erklärt teilweise, warum Aspirin bei der Verhinderung von VTE erfolgreich sein kann, obwohl das die Frage aufwirft, warum Thalidomid als immunmodulatorisches Medikament (IMiD) mit einem erhöhten VTE-Risiko verbunden ist. Das Risiko beim Thalidomid könnte mit der schnellen Zerstörung von Myelomzellen zusammenhängen, bei der Faktoren freigesetzt werden, die die Gerinnung über Entzündungsprozesse fördern.

Prävention, Identifikation und Behandlung von Blutgerinnseln

Wie oben beschrieben beinhalten Thromboembolie-Ereignisse (TE) DVT und PE. Jeffrey Zonder, Wayne State University School of Medicine, beschrieb das Grundrisiko für TE als schwer zu quantifizieren. Einige Behandlungsmethoden des Myeloms sind mit einem erhöhten Risiko für TE verbunden, einschließlich VAD (Vincristin, Adriamycin, Dexamethason), und zwar sowohl wegen der Verwendung eines Katheters zur Verabreichung der Medikamente, als auch durch die Wirkung der Medikamente selbst, so wie Adriamycin (Doxorubicin), pegyliertes liposomales Doxorubicin (PLD oder Doxil), hochdosiertes Dexamethason, Lenalidomid (Revlimid) und – wie beschrieben – Thalidomid. Patienten mit einem erhöhten Risiko für TE sind u.a. solche mit herabgesetzter Mobilität, Kompression von Blutgefäßen durch Tumore oder einer ererbten Fehlfunktion bei der Gerinnung. Obwohl einige Studien auf die Verwendung von Erythropoietin als Risikofaktor für TE schließen lassen, präsentierte Maurizio Zangari, Universität Arkansas, ein Poster, das zeigt, dass Patienten, die die Total Therapy II (TT II) durchliefen und auch Erythropoietin erhielten, keine Zunahme an venösen Thromboembolie-Ereignissen aufwiesen. Auch der Einsatz von Bortezomib in Kombination mit hochdosiertem Dexamethason und Erythropoietin führte nicht zu einem erhöhten Risiko für TE, wie in einem Poster von Jean-Luc Harousseau, Hopital Hotel-Dieu, Nantes, Frankreich, dargestellt. In der letztgenannten Analyse handelte es sich um Patienten mit einem Rückfall, und es ist bekannt, dass TE mit höherer Wahrscheinlichkeit bei neudiagnostizierten Patienten auftritt.      

Einige Kombinationen von Medikamenten sowie hoch dosiertes Dexamethason in Kombination mit Thalidomid oder Lenalidomid, können das Risiko von TE erhöhen, andere dagegen nicht. In einem Vortrag schilderte Paul Richardson, Dana Faber Cancer Institute, dass in einer Phase-I-Studie über Lenalidomid plus Bortezomib unter 38 Patienten mit relapsiertem Myelom die einzige TE (eine DVT) bei einem Patienten auftrat, der zu dieser Zeit nur Lenalidomid zusammen mit dem blutgerinnungshemmendem Heparin niedrigen Molekulargewichts (LMWH) erhielt.

Prävention von TE ist wichtig, ebenso das Erkennen eines solchen Ereignisses, wenn es auftritt, gefolgt von einer schnellen Behandlung. Die präventive Behandlung wird vom individuellen Arzt, Präferenzen des Patienten, individuellen Gesundheitsfaktoren, den Verfahrensweisen der Klinik und Fragen der Erstattung bestimmt. In der Myelom-Fortbildungsveranstaltung wurden verschiedene Behandlungen zur Verhinderung von TE diskutiert, einschließlich volldosiertes Aspirin, volldosiertes Warfarin oder therapeutische Dosen von LMWH. Aspirin wurde für Patienten vorgeschlagen, die bei ihrer Therapie blieben und ein niedriges Risiko für TE aufwiesen. Es gab keine Übereinstimmung darüber, wie lange eine blutgerinnungshemmende Therapie fortgesetzt werden sollte, wenn ein solches Ereignis stattfindet.

Brian Durie präsentierte ein Poster, das die Empfehlungen zur Therapie aus einer Umfrage bei den Mitgliedern der International Myeloma Working Group (IMWG) zusammenfasste. Von den 67 kontaktierten IMWG-Mitgliedern antworteten 23 zur Frage der DVT. Bedenken hinsichtlich DVT hinderten sie nicht daran, Thalidomid oder Revlimid einzusetzen. Aspirin – entweder volldosiert (325 mg) oder „Baby“-Aspirin (81 mg) – wurde zur Verhinderung von DVT, falls nötig, bevorzugt. Falls Doxorubicin oder PLD zur Behandlung hinzugefügt wurden – was das Risiko für DVT erhöhte – gab es eine Präferenz für Warfarin oder LMWH. Die meisten glauben, dass die Verwendung von Thalidomid oder Revlimid als Einzelwirkstoff, der Einsatz von VAD, MP, Bortezomib oder Bortezomib mit Dexamethason keine Therapie zur Verhinderung von DVT erfordern. Die meisten IMWG-Mitglieder glaubten, dass nach dem Auftreten von TE die Anti-Myelom-Therapie nach einer geeigneten Blutgerinnungstherapie fortgesetzt werden könne.

Die IMWG-Mitglieder waren dafür, dass die TE-Prävention in Studien geprüft werden sollte. Es laufen Studien – einschließlich der ECOG-Studie –, die Aspirin mit Warfarin bei Patienten vergleichen,  die mit Lenalidomid plus Dexamethason behandelt werden.

Knochenbezogene Ereignisse einschließlich Osteonekrose des Kiefers

Gregory Mundy, Vanderbilt-Universität, kommentierte während der Sitzung des Wissenschaftlichen Komitees: „Die myelomverursachte Knochenerkrankung ist einzigartig. Wir sind uns noch nicht über die molekularen Mechanismen für eine zielgerichtete Therapie im Klaren. Wenn wir verhindern, dass Knochen in Mitleidenschaft gezogen werden, ändern wir den natürlichen Verlauf der Erkrankung.“ Verbesserte bildgebende Verfahren haben gezeigt, dass die Veränderung des Knochens beim Myelom häufiger auftritt als man vorher gedacht hatte. Der Einsatz von Bisphosphonaten führt zu einer signifikanten Abnahme des Auftretens skelettbezogener Ereignisse und abnormal hoher Calziumspiegel im Blut. Jedoch treten Nebenwirkungen wie Osteonekrose des Kiefers (ONJ) bei der Langzeit-Verwendung von Bisphosphonaten und der Entwicklung aktiverer Bisphosphonate auf.

In der Fortbildungssitzung zeigte Bhoomi Mehrota, Long Island Jewish Medical Center, dass die meisten Studien über ONJ retrospektiv waren, und, dass es keine grundlegenden wissenschaftlichen Studien gegeben hat darüber, wie ONJ entsteht, obwohl seit mehr als 150 Jahren bekannt ist, dass ONJ mit der Belastung durch Phosphor zusammenhängt (das „phospho“ in Bisphosphonate).  Die Auftretensrate sowohl in retrospektiven als auch in prospektiven Studien bei Myelompatienten liegt zwischen 2 und über 12 %. Die Häufigkeit steigt mit der Länge der Einwirkungsdauer und der Stärke der Bisphosphonate. Risikofaktoren sind u.a. Zahnerkrankungen und kieferchirurgische Eingriffe. ONJ kann verhindert werden, indem zahnärztliche Maßnahmen vor Beginn der Therapie durchgeführt werden und invasive Eingriffe während der Behandlungsdauer mit Bisphosphonaten vermieden werden. Es gab keinen Konsens darüber, was zu tun ist, wenn kieferchirurgische Eingriffe notwendig werden, während der Patient Bisphosphonate erhält, über die Zeitdauer bis zur Genesung nach Absetzen der Bisphosphonate und über die notwendige Dauer der Bisphosphonattherapie. Zukünftige Studien werden vielleicht einen Teil dieser Fragen beantworten.

Neue Behandlungsoptionen verändern Risikoprofile

Stadieneinteilungssysteme für das Myelom basieren auf Faktoren, die mit der Überlebensdauer verbunden sind. Patienten mit kürzerer Überlebensprognose benötigen vielleicht eine andere Therapie. Da im Laufe der Zeit neue Therapien – insbesondere zielgerichtete Therapien – entwickelt werden, können Faktoren, die vorher mit einem Hochrisiko-Erkrankungstyp verbunden waren, eventuell nicht mehr dasselbe Risikoniveau kennzeichnen. Obwohl die Chromosom-13-Deletion als Risikofaktor identifiziert wurde, schaltet Bortezomib dieses Risiko aus. Vorläufige Ergebnisse der MM016-Studie wurden von Nizar Bahlis in einem Poster präsentiert, die vermuten lassen, dass Lenalidomid, das zusammen mit Dexamethason gegeben wird, ebenfalls die schlechte Prognose, sowohl durch del(13) als auch durch die Translokation (4;14), überwinden kann. Nur 42 Patienten wurden in dieser Studie behandelt. Obwohl Unterschiede in Ansprechraten und ereignisfreiem Überleben zwischen Gruppen mit und ohne diese zytogenetischen Abnormalitäten statistisch nicht signifikant sind, ist eine längere Nachbeobachtungsdauer notwendig, um festzustellen, ob Lenalidomid plus Dexamethason das Gesamtüberleben von Patienten vom Hochrisikotyp verbessert.

John Shaughnessy, University of Arkansas for Medical Sciences, sprach über die Analyse von Genexpressionen in Tumorzellen bei 532 Patienten mit neudiagnostiziertem Myelom, die mit Total Therapy (TT) 2 oder 3 behandelt wurden, um jene Gene zu identifizieren, die mit einem hohen Risiko verbunden sind. Seine Gruppe identifizierte 70 Gene, von denen fast ein Drittel  durch Chromosom 1 abgebildet werden, insbesondere in einer Region namens 1q21. Eine hohe Tumorzellvermehrungsrate und -resistenz sind mit einer Überexpression von Genen in 1q verbunden; der zusätzliche Verlust von Genen in einer anderen Region von Chromosom 1, der Region 1p, erhöht das Risiko. In einem Poster zeigte J. Drach, Medizinische Universität Wien, Österreich, auch, dass die Verstärkung von 1q21, bestimmt durch FISH (Fluoreszenz-In-Situ-Hybridisation), mit schlechteren Resultaten verbunden war, und zwar nach Behandlung mit Bortezomib bei 46 Patienten mit relapsiertem oder refraktärem Myelom.

Ergebnisse von Studien mit neudiagnostizierten Patienten

Vincent Rajkumar, Mayo-Klinik, zeigte Ergebnisse der randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie MM003 mit 470 Patienten mit neudiagnostiziertem Myelom. Patienten, die mit Thalidomid plus Dexamethason behandelt wurden, wiesen eine signifikant längere Zeitdauer bis zur Progression der Erkrankung und höhere Ansprechraten auf, welche die komplette Remission (CR) und die sehr guten partielle Remission (VGPR) beinhaltet. Bei Patienten, die Thalidomid plus Dexamethason erhielten, betrug die DVT-Rate 18 %, im Vergleich zu 4 % bei Patienten, die nur Dexamethason erhielten. Und obwohl keine Routineprophylaxe in dieser Studie verwendet wurde, glaubt Dr. Rajkumar, dass es gerechtfertigt ist, dass Patienten diese Medikamentenkombination erhalten.

Dr. Rakumar präsentierte auch die Ergebnisse der randomisierten Phase-III-Studie ECOG E4A03 mit Lenalidomid plus hochdosiertem Dexamethason im Vergleich zu Lenalidomid plus niedrigdosiertem Dexamethason bei 445 Patienten mit neudiagnostiziertem Myelom. Ein Ziel war zu erkennen, ob die Wirksamkeit beibehalten werden kann bei höherer Sicherheit dadurch, dass die Dexamethason-Dosis verringert wird. Am Anfang wurde DVT-Prophylaxe mit Aspirin empfohlen, aber nicht gefordert. Nach 4 Monaten mussten jedoch die Patienten, die danach in die Studie aufgenommen wurden, aufgrund einer DVT-Rate von 18 % im Hochdosis-Dexamethason-Arm Aspirin nehmen, und auch der Einsatz von Warfarin oder LMWH wurde in diesem Arm dringend empfohlen. Das Independent Data Monitoring Committee hat einige der vorläufigen Daten bezüglich ihrer Sicherheit freigegeben, aber die Wirksamkeitsresultate sind noch nicht erhältlich. Es scheint, dass die Dosisverringerung bei Dexamethason in Kombination mit Lenalidomid zu niedrigerer Toxizität führt und, dass alle Patienten eine DVT-Prophylaxe erhalten sollten. In einer Erweiterung dieser Studie werden Patienten verglichen, die bei hochdosiertem Dexamethason plus Lenalidomid entweder Aspirin oder Warfarin gefolgt von 4 Monaten Aspirin erhalten.

Robert Orlowski, University of North Carolina Chapel Hill School of Medicine, präsentierte Ergebnisse der CALBG Phase-II-Studie 10301 über eine Kombination von Bortezomib und dem pegylierten Anthrazyklin liposomales Doxorubicin (PLD oder Doxil) bei 63 Patienten mit neudiagnostiziertem Myelom. Als steroidfreies Behandlungsregime zeigt diese Kombination vielversprechende Aktivität  und erlaubt die Sammlung von Stammzellen für autologe Transplantationen. Es gab keine Fälle von DVT oder PE und es wurde keine Prophylaxe verwendet.

Antonio Palumbo, Abteilung für Hämatologie, Universität Turin, Italien, präsentierte die Ergebnisse der Phase I/II-Studie über Lenalidomid plus Melphalan und Prednison (R-MP) bei 53 neudiagnostizierten Patienten. Verglichen mit historischen Daten einer Behandlung mit Thalidomid plus Melphalan und Prednison führte die R-MP-Behandlung zu früheren und höheren Ansprechraten, insbesondere bei den höheren Dosen von Lenalidomid und/oder MP, und auch zu längerem ereignisfreiem Überleben. In der MM-015-Studie wird R-MP gefolgt von Lenalidomid-Erhaltungstherapie verglichen mit R-MP oder MP ohne Erhaltungstherapie.

Ergebnisse von Studien bei Patienten mit relapsiertem und/oder refraktärem Myelom

Dr.Orlowski präsentierte auch die Ergebnisse einer geplanten Interim-Analyse einer Phase-III-Studie (DOXIL-MMY-3001) mit einer Kombination aus Bortezomib und PLD bei 646 Patienten mit relapsiertem/refraktärem Myelom. Diese Kombination führte zu einer signifikanten Verlängerung der Zeitdauer bis zur Krankheitsprogression und der Responsedauer im Vergleich mit Bortezomib allein. Analysen von Untergruppen zeigten, dass die Kombination bei den Patienten effektiver war unabhängig von Alter, Geschlecht, ß2M-Level, vorheriger Behandlung, Gesundheitszustand, vorheriger Stammzelltransplantation, vorheriger Verwendung von Anthrazyklin oder IMiDs oder dem Vorhandensein zytogenetischer Abnormalitäten. Die Toxizität war vorhersehbar und handhabbar, die Häufigkeit von TE war niedrig. Derzeit wird eine pharmakoökonomische Analyse durchgeführt, um die Kosten für eine dreimonatige Verlängerung der Ansprechdauer bei dieser Medikamentenkombination zu ermitteln.

Paul Richardson, Dana Faber Cancer Institute, präsentierte die Endergebnisse einer Phase-I-Studie mit Lenalidomid plus Bortezomib bei 38 Patienten mit relapsiertem oder refraktärem Myelom. Die Kombination wurde gut vertragen und ergab eine Ansprechrate von 58 %.  Obwohl 15 Patienten auch Dexamethason erhielten, bietet die Lenalidomid-Bortezomib-Kombination einen Ansatz „ohne Steroide“, und Phase-II-Studien laufen derzeit bei Patienten sowohl mit neudiagnostiziertem Myelom als auch mit relapsiertem und refraktärem Myelom.

Der Behandlungsstandard entwickelt sich weiter

Die Falldiskussionen beim Satellitensymposium – geleitet von Dr. Durie – zeigten, dass die behandelnden Ärzte vor Ort in der Lage waren, ihre Behandlungskonzepte aufgrund von Informationen der Mitglieder des Gremiums zu ändern: Bart Barlogie, University of Arkansas for Medical Sciences; Mario Boccadoro, Universität Turin, Italien; Jean Luc Harousseau, CHU Hotel Dieu, Nantes, France, Dr. Rajkumar und Dr. Jesus San Miguel, Universität Salamanca, Spanien. Dr. Rajkumar äußerte die Meinung, dass VAD nicht länger eine therapeutisch zulässige Option darstellt, und dass Thalidomid plus Dexamethason, Bortezomib oder Lenalidomid plus Dexamethason bessere Ansprechraten bieten. Dr. San Miguel schlug vor, dass für neudiagnostizierte Patienten - einschließlich älterer Patienten – MP mit Bortezomib, Thalidomid oder Lenalidomid akzeptable Optionen seien und, dass die drei neuen Therapien MP als Standardbehandlung in Frage stellen.

Dr. Barlogie teilte mit,  dass die Verwendung der CR als kennzeichnender Marker für den Behandlungserfolg nur für etwa jene 20 % Patienten wichtig ist, die durch Genexpressions-Analyse als Hochrisiko-Patienten ausgewiesen sind, wohingegen Dr. Boccadoro die Meinung äußerste, das die CR ein Marker für das Langzeitüberleben aller Patientengruppen ist. Sowohl Dr. Harousseau als auch Dr. Boccadoro glauben, dass die autologe Tandem-Transplantation mit einem der neuen Wirkstoffe für jüngere Patienten geeignet ist, dass aber eine einzelne autologe Transplantation genügt, wenn eine CR erreicht wird. Für Hochrisikopatienten glaubt Dr. Rajkumar, dass die Routineanwendung einer autologen Stammzelltransplantation nicht gerechtfertigt ist und, dass am Anfang Bortezomib bei diesen Patienten eingesetzt werden sollte. Dr. Barlogie empfiehlt den Einsatz von TT3, welche nicht nur eine intensive Medikamententherapie und eine Tandem-Transplantation umfasst, sondern auch eine Erhaltungstherapie-Phase. Jedoch müssen sowohl der Nutzen, als auch die beste Art der Erhaltungstherapie noch in weiteren Studien festgestellt werden. Wichtige Fragen beinhalten die Lebensqualität der Patienten und die Berücksichtigung der Kosten und der Angemessenheit der Therapie. Die Teilnehmer wurden am Ende des Symposiums gefragt, welcher der neuen Wirkstoffe oder welche Kombinationen, die derzeit in klinischen Studien getestet werden, mit höchster Wahrscheinlichkeit in die klinische Praxis gelangen werden. Die drei meistgenannten Antworten waren Bortezomib plus Lenalidomid, neue Proteasominhibitoren und Bortezomib plus HSP-90-Inhibitor KOS-953, der weiter unten beschrieben wird.

In der Myelom-Fortbildungssession stellte Dr.Orlowski fest, dass Melphalan plus Prednison (MP) nicht länger als Standardbehandlung für alle Patienten angesehen werden sollte, die keine Kandidaten für eine Stammzelltransplantation sind. Stattdessen sollte MP plus Thalidomid (MPT) erwogen werden, weil es das Überleben verlängert. Weil MPT mit höherer Toxizität verbunden ist, könnte MP die bessere Wahl sein für Patienten mit schlechteren Organfunktionen. Orlowski findet ebenfalls RMP (MP plus Lenalidomid/Revlimid) und MPV (MP plus Bortezomib/Velcade) attraktiv. Eine Phase-III-Studie, die MPT mit RMP vergleicht, ist geplant und eine Studie, die MPV mit MP vergleicht, läuft gerade.

Neue Therapien am Horizont

So wie die biologische Entwicklung des Myeloms immer besser verstanden wird,  können neue Therapien entwickelt werden, die auf spezifische Signalübertragungswege einwirken, die mit dieser Erkrankung verbunden sind. Zum Beispiel ist bekannt, dass die Interaktion von Myelomzellen mit der Mikroumgebung des Knochenmarks von zentraler Bedeutung ist. Neue Wirkstoffe werden entwickelt, um das Anhaften von Myelomzellen an Stromazellen im Knochenmark zu blockieren, was die Vermehrung der Myelomzellen, die Entwicklung von Medikamentenresistenz und das Auftreten von lytischen Knochenläsionen verhindern könnte. Wenn Proteine, die wesentlich für die Entstehung und Progression des Myeloms sind, auf der Oberfläche von Myelom- und Stromazellen gefunden werden, könnten spezifische Antikörper und Impfstoffe entwickelt werden.

Zielgerichtete Therapien, d.h. Medikamente, die entwickelt werden, spezifische Wachstumsfaktoren und andere Moleküle zu attackieren, die an der Entstehung und Progression des Myeloms beteiligt sind, werden das Arsenal der verfügbaren Therapien erweitern. Viele dieser Therapien werden in Kombinationen eingesetzt werden, die ihre Aktivität gegen verschiedene Abschnitte im Lebenszyklus der Myelomzellen ausnutzen. Das könnte eine effektivere Behandlung ermöglichen ohne die Nebenwirkungen zu verstärken.

James Berenson, Institute for Myeloma and Bone Cancer Research and Oncothearpeutics, präsentierte ein Poster über eine Phase-I-Studie mit Bortezomib in Kombination mit Samarium Sm 153 Lexidronam, einer knochenaufsuchenden Verbindung, mit dem Ziel, die Wirksamkeit zu erhöhen ohne die Toxizität zu verstärken. An dieser dosiseskalierenden Studie nahmen 18 Patienten mit relapsiertem oder refraktärem Myelom teil. Die Medikamentenkombination wurde gut vertragen, ein Ansprechen wurde bei 3 Patienten und eine Stabilisierung der Erkrankung bei 4 Patienten beobachtet. Die Nachbeobachtung geht weiter, eine Phase-II-Studie ist geplant.

Dr. Richardson präsentierte Ergebnisse einer Phase-I-Studie mit Tanespimycin (KOS-953), einem Hitzeschock-Protein-Inhibitor (HSP-90) in Kombination mit Bortezomib bei 30 stark vorbehandelten Patienten mit relapsiertem/refraktärem Myelom. Toxizitäten waren erwartet worden und erwiesen sind als handhabbar; genügend Fälle mit Ansprechen wurden beobachtet, um eine Phase-III-Studie mit Patienten mit relapsiertem Myelom und mehrfacher Vorbehandlung zu rechtfertigen.

Ein Histon-Deazetylase-Inhibitor, PXD-101, wird getestet als alleiniger Wirkstoff oder in Kombination mit Dexamethason (Daniel Sullivan, Lee Moffitt Cancer Center) oder Bortezomib (Rentian Feng, Universität Pittsburgh). Die Ergebnisse waren ermutigend genug, um weitere Studien in Kombination mit Bortezomib zu rechtfertigen.

Weitere Entwicklungen

Patienten mit Multiplem Myelom können eine ständige Entwicklung neuer Behandlungsoptionen erwarten, einschließlich neuartiger und zielgerichteter Therapien, sowie eine bessere Handhabung ihrer Erkrankung durch die Verwendung spezifischer Kombinationen existierender Medikamente. Das Erstellen von Genexpressionsprofilen wird in Zukunft Untergruppen von Patienten mit höherem Risiko erkennen lassen, während gleichzeitig von neuen Therapien erwartet werden kann, dass sie einige – wenn nicht alle – dieser Risiken überwinden. Zunehmend beachten die Ärzte nicht nur das Gesamtüberleben und das ereignisfreie Überleben, sondern auch die Lebensqualität der Patienten und die Kosten und Angemessenheit einer Behandlung, während die therapeutischen Optionen für Patienten mit Multiplem Myelom weiterhin zunehmen, nicht nur an Zahl, sondern auch an Wirksamkeit.


Aktualisierte klinische Daten zur Evaluierung von  THALOMID beim Multiplen Myelom, Vortrag bei der 42.
Sitzung der American Society of Clinical Oncology
Link in Myeloma Minute/06/06/2006

ATLANTA, 5. Juni, 2006 /PRNewswire-FirstCall via COMTEX News Network/ -- Die Celgene Corporation teilte mit, dass bei der 42. Tagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Atlanta, Georgia, über aktuelle Daten aus einer laufenden randomisierten, plazebokontrollierten Multicent-Phase-III-Studie (MM-003) berichtet wurde, in der  eine orale Kombinationstherapie von Thalidomid plus Dexamethason gegenüber Dexamethason allein als Induktionstherapie für ein bis dahin unbehandeltes Multiples Myelom untersucht wird.

Thalidomid ist momentan in den Vereinigten Staaten angezeigt für eine Behandlung in Kombination mit Dexamethason beim neudiagnostizierten Multiplen Myelom. Die Effektivität von THALOMID wird durch Ansprechraten festgestellt. Es gibt keine kontrollierten Studien, die einen klinischen Nutzen – etwa eine Verbesserung des Überlebens – zeigen.

Die Studie zeigte, dass die Kombination von Thalidomid plus Dexamethason zu einer statistisch signifikanten Verbesserung (p=0.0001) der mittleren Zeitdauer bis zum Fortschreiten der Erkrankung - der primäre Endpunkt dieser Phase-III-Studie - bei Patienten führte, die Thalidomid plus Dexamethason erhielten, im Vergleich zu Patienten, die nur Dexamethason bekamen. Die mittlere Gesamtüberlebensdauer und die mittlere Zeitdauer bis zum Fortschreiten der Erkrankung sind im Thalidomid-Dexamethason-Arm der Studie noch nicht erreicht worden.

Die Daten wurden während einer Vortragssession der 42. Tagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Atlanta, Georgia, am 5. Juni  2006 von Vincent Rajkumar, M.D., einem Hämatologen und Onkologen an der Mayo Clinic vorgestellt. Dr. Rajkumar präsentierte aktualisierte Ergebnisse von der  Phase-III-Studie (MM-003), die besagten:

Die mittlere Gesamtüberlebenszeit bei Patienten, die mit Thalidomid plus Dexamethason behandelt wurden, ist noch nicht erreicht worden im Vergleich zu 25,2 Monaten bei Dexamthason plus Plazebo.

Die mittlere Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung bei Patienten, die mit Thalidomid plus Dexamethason behandelt wurden,  ist noch nicht erreicht worden im Vergleich zu 8,1 Monaten bei Dexamethason plus Plazebo.

Die beste Ansprechrate bei Thalidomid plus Dexamthason war 58,5 Prozent verglichen mit 35,3 Prozent für Dexamethason plus Plazebo (p<0.01).

Die Rate vollständigen Ansprechens (basierend auf den Kriterien nach Blade) bei Thalidomid plus Dexamethason war 4,7 Prozent verglichen mit 1,3 Prozent bei Dexamethason plus Plazebo.

Die häufigsten bei dieser Studie beobachteten Nebenwirkungen bei Thalidomid plus Dexamethason waren Verstopfung, Ödeme, Schlafstörungen, Fatigue, Zittern und Neuropathien.

Über die Studie:

Die Thalidomid-Phase-III-Studie umfasste Patienten mit vorher unbehandeltem (Erstlinien-) Multiplem Myelom. Die Patienten wurden randomisiert bezüglich des Einsatzes von Thalidomid plus Dexamethason im Vergleich zu Dexamethason allein. In dieser Multicenter-Studie wurden insgesamt 470 Patienten randomisiert hinsichtlich der Gabe von Thalidomid plus Dexamethason oder einem Plazebo plus Dexamethason. Die Gestaltung der Studie beinhaltete als primären Endpunkt die Zeitdauer bis zum Fortschreiten der Erkrankung, berechnet als die Zeit von der Randomisierung bis zum ersten Feststellen eines Krankheitsfortschreitens, basierend auf den Ansprechkriterien nach Blade.

Patienten, die mit Thalidomid und Dexamethason behandelt wurden, erfuhren mehr Nebenwirkungen als die Patienten, die nur ein Plazebo plus Dexamethason allein bekamen. Diese nachteiligen Wirkungen des Medikamentes umfassten Schlafstörungen, Zittern, Schwindel, periphere Neuropathien und Verstopfung. Nebenwirkungen vom Grad 3 oder 4, die tiefe Venen-Thrombosen oder  Lungenembolien beinhalteten, ereignen sich bei 17,9% der Patienten, die mit Thalidomid plus Dexamethason behandelt wurden, verglichen mit 4,3% der Patienten bei Plazebo plus Dexamethason allein.

Quelle: Celgene Corporation


Aredia/Zometa und Osteonekrose des Kiefers
Von Brian G.M. Durie, M.D.
www.myeloma.org




Was ist Osteonekrose?

  • Ein ziemlich erschreckendes Wort, das schwierig in einfachen Worten zu erklären ist.

  • Ein früher seltenes Kieferproblem, das jetzt bei einer kleinen Prozentzahl von Patienten zu beobachten ist, die Aredia oder Zometa erhalten.

  • Ein Zustand, bei dem Schmerzen, Schwellungen und Knochenschädigungen rund um die Zahnhalterungen im Kiefer auftreten. Es entsteht eine Knochennekrose bzw. ein Knochenverlust, der zu losen Zähnen, scharfen Ecken freiliegenden Knochens oder von Knochenspornen, Abbrechen von kleinen Knochensplittern oder zu abgestorbenem Knochen führt.

  • Ein Patient bemerkt möglicherweise am Anfang nichts, oder er nimmt Schmerzen, Schwellungen, Taubheit oder das Gefühl eines “schweren Kiefers” oder das Lösen von Zähnen wahr.

Wie wurde das Problem erkannt?

  • Ein sehr aufmerksamer Kiefer- und Gesichtschirurg in Florida (Dr. Robert Marx) bemerkte, dass mehr Patienten mit Osteonekrose zu ihm kamen und berichtete das in einem Brief an den Herausgeber des Journal of Oral Maxillofacial Surgery im Jahr 2003. Alle Patienten hatten Aredia oder Zometa bekommen. 18 von 36 Patienten (50%) hatten eine Multiples Myelom.

  • Dr. Marx und andere Ärzte stellten fest, dass bei größeren zahnchirurgischen Eingriffen ein hohes Risiko bestand, dass der Kiefer schlecht heilte. Das führte manchmal zu Infektionen und einer Kette von anderen Problemen.

  • Die fundamentale Erkenntnis war das offensichtliche Auftreten von Kiefer-Osteonekrose bei Patienten, die Bisphosphonate bekamen.

    Ein Reihe von Fragen sind entstanden: Wie oft tritt das auf? Da nicht bei allen Patienten dieses Problem entsteht, welche Kofaktoren sind von Bedeutung? Was sind die besten Behandlungsformen? Wie kann das verhindert werden?

Wie häufig ist die Kiefer-Osteonekrose bei Myelom-Patienten?

  • Zusätzlich zu dem Bericht aus Florida gibt es zwei weitere Berichte aus dem Gebiet um New York. Dr. Ruggiero und seine Kollegen berichten von insgesamt  63 Patienten, davon 28 mit einem Myelom, innerhalb einer Zeitspanne von 3 Jahren (2001-2003). Die Gruppe am Memorial Sloan Kettering bemerkte 4 Myelompatienten mit Osteonekrose in ihrer Überprüfung von Bisphosphonatpatienten. Das macht eine Gesamtzahl von 50 Myelompatienten, von denen in der medizinischen Literatur berichtet wird.

  • Wegen der genannten Berichte und der Besorgnis innerhalb der Myelomgemeinschaft hat die IMF entschieden, eine webbasierte Erhebung durchzuführen. Die Ergebnisse werden bald erhältlich sein. Inzwischen tauchen aus Berichten der IMF-Hotline, bei IMF-Patienten- und Angehörigenseminaren und bei Hämatologen oder Onkologen überall in den USA Patienten mit Osteonekrose auf, die einer Behandlung bedürfen.

  • Wie hoch die wahre Auftretensrate derzeit ist, und wie hoch sie sein wird bei fortlaufender Bisphosphonattherapie ist beides unklar. Bis jetzt ist nur ein kleiner Anteil der Patienten betroffen, die Bisphosphonate erhalten.

Welche Patienten haben Osteonekrose bekommen oder werden sie bekommen?

  • Sicherlich ist die Verwendung  von Aredia oder Zometa der gemeinsame Faktor. Ob die Wahrscheinlichkeit durch den Typ des Bisphosphonates und/oder die Dauer der Behandlung beeinflusst wird, ist noch unbekannt.

  • Jedoch sind möglicherweise andere prädisponierende Faktoren wichtig. Die IMF-Erhebung versucht, diese potenziellen Faktoren zu beleuchten, die Alter, Bestrahlung der Kieferregion, andere Medikationen wie Steroide oder andere Myelomtherapien, vorhandene Zahnprobleme, Zahnextraktionen oder lokale Auslöser wie Zahnimplantate oder Füllungen einschließen.

Was wissen wir bis jetzt über die besten Behandlungsformen?

  • Die Konsultation eines Kieferchirurgen oder Kieferonkologen, der mit Osteonekrose vertraut ist, wird stärkstens empfohlen.

  • Behandlung ohne chirurgische Eingriffe wird als erster Schritt empfohlen. Kleinere Eingriffe zur Reduzierung scharfer Kanten oder Entfernung verletzten Gewebes könnte notwendig sein.

  • Eine Behandlung mit Antibiotika wird für den Fall einer Infektion empfohlen, wobei spezifische Antibiotika ausgewählt werden sollten, die vom Typ der festgestellten bakteriellen, Pilz- und/oder Virusinfektion abhängen. Typische Antiobiotika oder antimikrobielle Substanzen, die hilfreich sein können, sind Penicillin, Clindamycin oder Erythromycin, Nystatin oder Fluconazol, Acyclovir oder Valacyclovir. Mundspülungen mit Peridex® (Chlorhexidin-Gluconat) und/oder Minocyclin-Hydrochlorid (Arestin®) können ebenfalls verwendet werden.

  • Falls die Probleme andauern und/oder die Heilung langsam erfolgt, kann erwogen werden, die Bisphosphonattherapie für 2 bis 4 Monate zu stoppen, um die Heilung zu erleichtern. Obwohl es keine Ergebnisse aus Studien gibt, liegen vereinzelte Berichte über positive Auswirkungen einer kurzen Unterbrechung der Behandlung mit Aredia oder Zometa vor.

  • Falls chirurgische Eingriffe absolut notwendig sind, wird stärkstens empfohlen, die Bisphosphonattherapie zu unterbrechen. Die vorhandenen Daten weisen auf eine schlechte Heilung unter diesen Umständen hin, wenn die Bisphosphonattherapie fortgesetzt wird.

  • Zahnersatz kann getragen werden, könnte aber eine Anpassung erfordern. Das Einsetzen von Implantaten ist kontraindiziert.

  • Es ist offensichtlich, dass sorgfältige Beobachtung und Nachuntersuchung erforderlich ist.

Was kann getan werden, um die Entstehung von Osteonekrose zu verhindern?

  • Seien Sie sich des Problems bewusst!

  • Achten Sie auf eine gründliche Mundhygiene und reduzieren Sie das Risiko von Infektionen, indem Sie Zahnersatz anpassen, Zahnfleischverletzungen durch Zahnseide vermeiden und Infektionen sofort behandeln.

  • Vermeiden Sie Zahnextraktionen und/oder jeden kieferchirurgischen Eingriff  falls möglich. Wurzelkanalbehandlung und Kronen sind unbedenklich und können vielleicht die Erhaltung eines Zahns ermöglichen.

  • Falls die Möglichkeit besteht, lassen Sie eine sorgfältige Evaluierung Ihres Zahnstatus und jede notwendige präventive Zahnbehandlung durchführen, bevor Sie mit der Bisphosphonattherapie beginnen.

Ich hoffe, all das hilft, die derzeitige Situation zu verstehen. Die Ergebnisse der IMF-Erhebung werden so früh wie möglich zugänglich gemacht. Auch einige andere Untersuchungen diesbezüglich laufen momentan.

Der Umfang des Problems und die Auswirkung auf die derzeitigen Empfehlungen zum Einsatz von Bisphosphonaten müssen noch bewertet werden. Es besteht alle Hoffnung, dass mit angemessener Aufmerksamkeit und früher Behandlung ernsthafte Probleme durch Osteonekrose vermieden werden können


Behandlungserfolge verbessern bei älteren Myelompatienten
ACS News Center  17/08/2006
Link in Myeloma Minute 30/08/2006

Eine Alternative für Patienten, die keine Stammzelltransplantation bekommen können

Zusammenfassung: Die übliche Behandlung des Multiplen Myeloms mit Medikamenten ist eine Kombination aus Melphalan und Prednison. Wenn man zu dieser Kombination einen weiteren Wirkstoff hinzufügt, verspricht das nach zwei neuen Studien einen Nutzen für ältere Patienten. Eine fand heraus, dass Patienten über 65 Jahre, die Thalidomid zusätzlich zu Melphalan und Prednison bekamen, länger lebten als eine vergleichbare Gruppe, die nur die Standardtherapie erhielt. Aus der zweiten Studie wird über bessere Ergebnisse berichtet bei älteren Patienten, denen Bortezomib (Velcade) zusätzlich zur Kombination aus Melphalan und Prednison gegeben wurde.

Warum das wichtig ist: Das Multiple Myelom ist ein Krebs der Knochenmarkzellen und wurde bei schätzungsweise 16500 Menschen  im Jahr 2006 diagnostiziert. Es ist grundsätzlich eine tödliche Erkrankung, nur ein Viertel der Patienten über 65 wird länger als 5 Jahre leben. Für jüngere Menschen ist die Standardtherapie die Hochdosis-Chemotherapie, gefolgt von einer Stammzelltransplantation. Aber ältere Patienten sind oft nicht in der Lage, diese belastende Behandlung zu überstehen, insbesondere da viele noch andere medizinische Probleme haben. Thalidomid und Bortezomib könnten für Menschen in dieser Situation wichtige Behandlungsalternativen darstellen.

“Ungefähr die Hälfte der Patienten mit Multiplem Myelom sind höheren Alters und nicht für eine Transplantation geeignet" sagte Jesus San Miguel, Professor für Medizin an der Universität von Salamanca, Spanien, und führender Wissenschaftler in der Bortezomib-Studie. "Neue Behandlungsmöglichkeiten … werden dringend benötigt."

Was man bereits weiß: Für Patienten, die eine Stammzelltransplantation nicht mehr vertragen können, war bisher die Standardbehandlung beim Multiplen Myelom eine Kombination der Wirkstoffe Melphalan und Prednison. Diese sind leicht aufzunehmen und haben wenige Nebenwirkungen. Aber sie sind nur beschränkt effektiv bei der Zurückdrängung oder dem Aufhalten des Myeloms. Innerhalb von einem oder zwei Jahren beginnt das Myelom bei den meisten Patienten wieder zu wachsen. Wirkstoffe wie Thalidomid, das in Form von Tabletten gegeben wird, und Bortezomib, das intravenös verabreicht wird, haben sich als wirksam bei der Behandlung von Patienten nach einem Rückfall erwiesen. Deshalb hatten sich Forscher entschlossen, diese Wirkstoffe zu Melphalan und Prednison hinzu zu geben als Erstbehandlung bei Patienten, die nicht für eine Hochdosistherapie infrage kamen.

Wie diese Studien durchgeführt wurden: In der Thalidomid-Studie behandelten italienische Forscher 331 Myelompatienten über 65 Jahre. Die Hälfte erhielt nur Melphalan und Prednison, der anderen Hälfte wurde auch Thalidomid gegeben. In der Bortezomib-Studie behandelten spanische Forscher 60 Myelompatienten über 65 Jahre mit diesem Medikament zusammen mit Melphalan und Prednison. Beide Studien beobachteten die Toxizitäten dieser Wirkstoffe und den Nutzen wie den Rückgang des Myeloms, wie lange es dauerte, bis das Myelom wieder wuchs, und wie lange die Patienten überlebten. Die Thalidomid-Studie hatte zum Vergleich eine Kontrollgruppe von Patienten, die kein Thalidomid erhielten. Die Bortezomib-Studie verwendete ein wissenschaftlich weniger akzeptables Vorgehen, indem sie ihre Ergebnisse mit denen von Patienten, die in der Vergangenheit nur mit Melphalan und Prednison behandelt worden waren, verglich.

Was herausgefunden wurde: Beide Studien fanden, dass die Kombination aus drei Wirkstoffen besser sind als Melphalan und Prednison allein. In der Thalidomid-Studie hatten die Patienten, die alle drei Wirkstoffe erhielten, eine höhere Remissionsrate und einen langsameren Wiederanstieg des Myeloms. Nach drei Jahren waren noch 80 % der Patienten, die Thalidomid nahmen, am Leben, verglichen mit 64 % in der Gruppe, die kein Thalidomid bekamen.

Die Hinzufügung von Bortezomib zu Melphalan und Prednison führte ebenso zu einer höheren Remissionsrate und einem höheren Gesamtüberleben im Vergleich zu Patienten, die in der Vergangenheit nur mit Melphalan und Prednison behandelt worden waren. Wieviel besser diese Kombination aus drei Wirkstoffen sein kann, ist nicht bekannt, weil es immer problematisch ist, Patienten, die heute behandelt werden, mit Patienten zu vergleichen, die in der Vergangenheit behandelt wurden. Deshalb läuft jetzt eine randomisierte kontrollierte Studie – die VISTA-Studie –, die Bortezomib, Melphalan und Prednison mit Melphalan und Prednison allein vergleicht.

Sowohl Thalidomid als auch Bortezomib haben der Behandlung mehr Toxizität hinzugefügt. Patienten, die Thalidomid nahmen, entwickelten mit höherer Wahrscheinlichkeit Thrombosen. Als das bekannt wurde, wurde allen Patienten, die dieses Medikament erhielten, blutverdünnende Medikamente gegeben. Diese Patienten hatten außerdem schwerwiegende Probleme mit Verstopfung, Fatigue, Nervenschädigungen (periphere Neuropathien) und Infektionen. Patienten, die Bortezomib erhielten, erlitten ebenfalls periphere Neuropathien, sowie Schwindel und Durchfall. Bortezomib erniedrigte außerdem ihre Blutwerte.

Fazit: Beide Wirkstoffe scheinen die Behandlungserfolge bei älteren Myelompatienten, die keine Hochdosis-Chemotherapie und Stammzelltransplantation überstehen können, zu verbessern, wenn sie zu Melphalan und Prednison hinzugefügt werden. Die Thalidomid-Studie war eine randomisierte „Goldstandard“ - Studie mit einer Kontrollgruppe von Patienten, die die ältere Therapieform erhielt. Das macht die Ergebnisse dieser Studie wissenschaftlich stichhaltiger als bei der Bortezomib-Studie und könnte dies zur bevorzugten Behandlung der Wahl machen.

Falls die VISTA-Studie feststellt, dass Bortezomib zusammen mit Melphalan und Prednison tatsächlich der Kombination Melphalan-Prednison überlegen ist, müssen beide Dreierkombinationen miteinander verglichen werden. Es gibt auch noch einen dritten Wirkstoff, Lenalidomid, der kürzlich für die Behandlung von Myelompatienten zugelassen wurde. Es wirkt ähnlich wie Thalidomid, hat aber weniger Nebenwirkungen. Zurzeit laufen Studien, in denen die beiden Wirkstoffe verglichen werden, um herauszufinden, welcher besser ist.

Alle diese klinischen Studien werden wahrscheinlich Jahre brauchen bis sie abgeschlossen werden. Menschen mit Multiplem Myelom sollten erwägen, sich einer Studie anzuschließen, da die beste Behandlung immer noch nicht bekannt ist.


Personalisierte Medizin: Die Behandlung auf  Ihr genetisches Profil zuschneiden
Mayo Clinic Newsletter 30/06/2006
Link in Myeloma Minute 07/07/2006

Genveränderungen sind häufig, sie können eine starke Auswirkung darauf haben, wie Ihr Körper Medikationen verarbeitet. Sehen Sie, welche genetischen Tests es gibt, um Ihre Behandlung auf Sie maßzuschneidern.

In der Medizin passt sozusagen nicht eine Größe für alle. Zwei Personen zum Beispiel, die die gleiche Krebsbehandlung erhalten, können darauf sehr unterschiedlich reagieren. Die eine Person kann schwere, sogar lebensbedrohende Nebenwirkungen haben, während die andere wenige oder keine Nebenwirkungen erfährt und mühelos durch die Behandlung hindurchgeht. Oder ein Medikament reduziert den Tumor bei einer Person, aber nicht bei einer anderen.


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